Titel: Chemische Silberprobe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXVIII./Miszelle 10 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064078_10

Chemische Silberprobe.

Hr. E. Koch, Goldarbeiter in Stolzenau, hat dem hannöverschen Gewerbsverein folgende Methode mitgetheilt, um unedle Metallmischungen, welche so weiß und geschmeidig wie Silber und, durch den Strich auf dem Probirsteine vom Silber zu unterscheiden.

„Man nimmt 1 Loth Kupfervitriol und 1 1/4 Loth Kochsalz, stößt beide in einem Mörser fein, übergießt sie in einem Glase mit 2 Loth Wasser, schüttelt die Mischung um, und bewahrt sie zum Gebrauche auf.“

„Der Probirstein wird mit einer Holzkohle oder mit Bimsstein und Wasser rein geschliffen und wieder abgetroknet. Dann nimmt man das zu probirende Metall, reinigt eine Stelle desselben vom etwaigen Sude oder von der Versilberung, macht damit einen festen, gleichen Probirstrich auf dem Steine, streicht eine dem Anscheine nach dazu passende Probirnadel daneben, und macht endlich auch einen Strich mit Kupfer auf die Weise, daß alle drei Striche nahe beisammen stehen. Mit einer Benezfeder (einer reinen, weichen Federfahne) oder einem kleinen Pinsel in die oben erwähnte, aus Kochsalz und blauem Vitriol bereitete Flüssigkeit getaucht, überfährt man nun die drei Striche zugleich so lange, bis von dem Kupferstriche keine Spur mehr zu sehen ist; hierauf taucht man den Stein in reines Wasser, spült ihn mit den Fingern ab, troknet ihn mit einem Tuche, und reibt die angelaufenen Striche (ohne sie feucht zu wachen) mit zartgepulverter Knochenasche und einem leinenen Tuche rein ab. Während nach dieser Behandlung der Strich der Probirnadel seine weiße Farbe und sein Ansehen (im Verhältnisse zum Feingehalte) unverändert zeigt, ist der Strich des probirten |395| Metalls – falls dasselbe ein geringhaltigeres Silber oder eine unedle (kein Silber enthaltende) Composition war – viel dunkler geworden oder gar verschwunden.“

Die Redaction der Mittheilungen des hannoverschen Gewerbsvereines fand die Probe vollkommen gut; Argentan und die Metallcompositionen mehrerer falschen Münzen, welche sämmtlich in der Farbe des Striches auf dem Probirsteine mit Silber übereinstimmten, ließen sich durch diese chemische Probe leicht und sicher unterscheiden, indem die damit gemachten Striche gänzlich verschwanden. Doch muß hinzugefügt werden, daß auch sehr geringhaltiges Silber (namentlich solches, welches 4 bis 6 Loth und darunter fein ist) bei der Koch'schen Probe sich wie unächtes Metall verhält.

Die Wirkung der Probeflüssigkeit erklärt sich durch Folgendes. Aus Kochsalz und Kupfervitriol, welche zusammen im Wasser aufgelöst werden, entsteht salzsaures Kupferoxyd, welches sich durch die grüne Farbe der Mischung zu erkennen gibt. Diese Verbindung vermag Kupfer aufzulösen (wobei sich salzsaures Kupferoxydoxydul bildet), und nimmt daher den Kupferstrich, so wie den Strich stark kupferhaltiger, gar kein oder sehr wenig Silber einschließender Compositionen von dem Probirsteine weg. Uebrigens dürfte das Verhältniß der Zuthaten bei der Bereitung der Probeflüssigkeit etwas abgeändert werden. 1 1/4 Loth Kochsalz ist weit mehr als zur Zersezung von 1 Loth Kupfervitriol erfordert wird: 1/2 Loth Kochsalz auf 1 Loth Vitriol genügt völlig.

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