Titel: Ueber die Erzeugung verschieden gefärbter Kameen aus Porzellanmasse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXVIII./Miszelle 8 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064078_8

Ueber die Erzeugung verschieden gefärbter Kameen aus Porzellanmasse.

Nach Hrn. Ollivier soll man bei der Erzeugung der Kameen aus Porzellanmasse nach folgendem Verfahren zu Werke gehen. Man bereitet sich zuerst eine Fritte, indem man auf 25 Pfd. weißen Quarzsand 46 Pfd. schöne weiße Potasche und 8 Pfd. alicantische Soda nimmt, und indem man diese Substanzen, nachdem sie gestoßen, gesiebt und gut vermengt worden sind, in ein mit gut geschlagenem Sande ausgekleidetes Beken bringt, welches auf dem Heerde eines Fayenceofens angebracht und von solcher Größe ist, daß die erwähnten Stoffe eine gegen 6 Zoll dike Schichte darin bilden. Diese Fritte muß, wenn sie aus dem Ofen kommt, gereinigt, gestoßen, und in einer Fayencemühle mit Steinen aus Sandstein gemahlen werden. Auf zwei Theile dieser gut gemahlenen Fritte nimmt man einen Theil Porzellanmasse, die vorher nach dem gewöhnlichen Verfahren geschlämmt worden ist. Um sich eine blaue Farbe für die Kameen zu bereiten, nimmt man auf 5 Unzen Kameenmasse 2 1/2 Quentchen ausgewaschene oder geschlämmte Porzellanerde und 5 1/2 Quentchen Kobaltblau. Um sich Lezteres zu bereiten, sezt man ein Pfund schwedischen oder pyrenäischen Kobalt, den man vorher gestoßen und gesiebt hat, in einen Tiegel, den man bis zur Mitte seiner Höhe in Sand einsenkt, einem starken Fayenceofenfeuer aus, um den Arsenik zu verdampfen. Man erhält auf diese Weise am Grunde des Tiegels regulinischen Kobalt, den man zerstößt und siebt, und den man, nachdem man ihm auf 2 Theile eine Unze Fritte zugesezt hat, neuerdings in den Ofen bringt, wo man dann ein schönes Kobaltblau erhält. – In Hinsicht auf die Verfertigung der Kameen selbst soll man auf folgende Weise zu Werke gehen. Man fülle einen ringförmigen kupfernen Model so gleichmäßig als möglich mit weißer Kameenmasse, lege darunter und darüber weißes Papier und Filzscheiben und bringe das Ganze in eine Presse. |394| Wenn es aus dieser kommt, so trage man nach Entfernung der Filzscheiben und der Papierblatter mit einem Pinsel eine Schichte des angegebenen Blau von der Dike eines Zweisousstükes auf, und bringe das Ganze, nachdem man wieder Papier- und Filzscheiden darauf gelegt, abermals in die Presse. Wenn es aus dieser kommt, so bewahre man es zwischen nassen Tüchern an einem feuchten Orte auf. Das Auftragen der Kamee geschieht nunmehr folgender Maßen. Man reibt die Kupferplatte, auf welche der Gegenstand, den man wünscht, in Form eines Petschaftes gravirt worden ist, mit mildem Oehle oder Terpenthingeist ab; füllt die gravirten Stellen mit weißer Kameenmasse aus, legt sie hierauf auf die beschriebene, mit Blau überzogene Masse, und bringt endlich das Ganze unter die Presse. Nach vollbrachtem Pressen und nach Abnahme der Kupferplatte brennt man die Kameen bei demselben Feuer, bei welchem man Fayence zu brennen pflegt.“ (Aus dem Journal des connaissances usuelles, Jan. 1837, S. 26.)

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