Titel: Ueber die Anwendung der Reibungsrollen an den Wagenrädern und an den Wellzapfen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XC./Miszelle 4 (S. 464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064090_4

Ueber die Anwendung der Reibungsrollen an den Wagenrädern und an den Wellzapfen.

Unter Reibung zweiter Art versteht man bekanntlich ein Glitschen, wie z.B. jenes eines Schlittens über den Schnee oder über den Erdboden, unter Reibung erster Art dagegen ein Rollen, wie z.B. die Reibung eines Rades. Man hat bereits versucht an den Achsen der Räder Reibungsrollen anzubringen, die Folge jedoch war, daß sich an den Achsen dieser Rollen ihrerseits eine Reibung erster Art ergab. Hr. Joseph Kraft in Mülhausen suchte nun durch ein neues Verfahren alle Reibung zweiter Art oder alles Glitschen zu beseitigen. Er brachte zu diesem Zweke zwischen den inneren Wänden der Nabe und dem Umfange der Achse des Wagens kleine Cylinder an, die sich um sich selbst, und zugleich auch um die Achse drehen. Nach demselben Systeme werden in Holland die Windmühlen zum Behufe der Orientirung mit großer Leichtigkeit gedreht, indem der ganze Bau auf einer bestimmten Anzahl gegen die Mitte der Mühle hin convergirender Kegel aufgeführt ist. Nach demselben Systeme schaffte man den großen Felsblok, auf dem die Statue Peters des Großen steht, nach St. Petersburg; nach demselben Systeme bewegen endlich Maurer und Steinmeze die schwersten Massen durch untergelegte Walzen, die gleichfalls nur eine Reibung erster Art erzeugen. Um nun von dieser Theorie Nuzen zu ziehen, bringt Hr. Kraft die Achse eines Rades oder den Zapfen einer Welle in eine metallene Nabe, die in die Nabe des Rades oder in die Anwelle des Wellzapfens eingesezt wird. Die Zwischennabe ist merklich größer als die Achse, dafür aber kleiner als die Nabe oder Anwelle, so daß sie sich unabhängig von dieser bewegen kann. Sie dient eigentlich nur als Conductor für die aus gehärtetem Eisen bestehenden Reibungsrollen, welche genau den zwischen den beiden Naben befindlichen Raum ausfüllen. Es sind zu diesem Zweke so viele Langenspalten, als Reibungsrollen vorhanden sind, in sie geschnitten: und zwar je nach der Länge der Achse bald in einer einfachen, bald in einer doppelten Reihe. In lezterem Falle correspondiren die Reibungsrollen der einen Reihe mit dem Zwischenraume zwischen zwei Rollen der anderen Reihe, damit auf diese Weise die Zahl der Stüzpunkte im Umfange der Achse vermehrt wird. Hr. Kraft hat nach diesem Systeme bereits mehrere Lastwagen erbaut, und es ist vollkommen erwiesen, daß diese Wagen und deren Last mit einem weit geringeren Aufwande an Kraft gezogen werden können. Dieß gilt jedoch nur von ebenen Straßen; denn, so wie die Last über Anhöhen hinweg geschafft, und mithin gehoben anstatt horizontal gezogen werden muß, ist der durch die Reibung geleistete Widerstand nur mehr ein sekundäres Hinderniß. Das neue System wird also in diesem Falle unwirksam, während man beim Abwärtsfahren öfter und starker einsperren muß. In der Theorie scheint diese Methode allerdings gut; die Praxis muß jedoch erst zeigen, ob durch die Schwierigkeit der Ausführung und durch eine lange Abnüzung nicht neue ungünstige Reibungen entstehen. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen. No. 45)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: