Titel: Bemerkungen über den Knochenleim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XC./Miszelle 9 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064090_9

Bemerkungen über den Knochenleim.

Der Knochenleim und dessen vortreffliche Eigenschaften erfahren heut zu Tag, wo man über der Wohlfeilheit beinahe alles Uebrige unberüksichtigt läßt, nicht die gehörige Würdigung. Der einem Leime zukommende Werth läßt sich mit ziemlicher Genauigkeit ermitteln, wenn man denselben 24 Stunden lang in kaltes Wasser einweicht, indem er hiebei eine seinem wirklichen Gehalte an Leim entsprechende Quantität Wasser absorbirt. Wenn man daher die vorher gewogenen Stüke Leim durch Abtroknen von dem ihnen anhängenden Wasser befreit und dann abermals wiegt, so wird man das Gewicht des eingesogenen Wassers, aus dem man die Güte des Leimes bemessen kann, erfahren. Der Knochenleim gibt um 1/3 bis zu 1/4 mehr Gallerte als der gewöhnliche Tischlerleim, und zwar eine feste, weißliche, der Zersezung lange widerstehende Gallerte, Flächen die Gallerte des Tischlerleimes gewöhnlich weich, ohne Consistenz und braun ist, und dabei einer raschen Zersezung unterliegt, besonders im Sommer. Der Tischlerleim kann daher auch nicht zum Colliren der Kette der im Faden gefärbten Baumwollzeuge verwendet werden, indem er durch die Fäulniß, in welche er geräth, den Farben Schaden bringt; anders verhält sich dieß mit dem Knochenleime, der nicht nur hiezu, sondern sehr wohl auch zum Colliren seidener Ketten verwendet werden kann. Die Bindungskraft des Knochenleimes ist überdieß so stark, daß Holz, welches damit geleimt worden ist, lieber an einer anderen, als an der geleimten Stelle nachgibt. – Um sich einen Leim von gehöriger Consistenz zu verschaffen, soll man die Gallerte, welche man durch 24stündiges Einweichen des getrokneten Leimes in kaltem Wasser erhält, ohne Zusaz von Wasser in einem mit Dampf geheizten Kessel mit doppeltem Boden auflösen. An der Bergwerksadministration in Bouxwiller, wo man Knochenleim fabricirt, hat man gefunden, daß der frisch aus den Knochen ausgezogene Leim das Wasser nicht beigemengt, sondern gebunden enthält, und daß daher dieser frische Leim weit schwerer zu troknen ist, als solcher, der bereits ein Mal getroknet gewesen war, und in welchem die frühere innige Verbindung von Wasser mit Leim nicht mehr Statt findet. Der getroknete Leim ist hygrometrisch, und zwar in um so höherem Grade, je schlechter er ist. Der frische oder sogenannte grüne Leim, dessen man sich häufig in den Papierfabriken und zu anderen Zweken bedient, kann daher keine gute Wirkung geben. Um sich Leim zu verschaffen, auf den die Feuchtigkeit der Luft keinen Einfluß hat, soll man denselben wiederholt auflösen und troknen; denn auf diese Weise verliert er das Wasser, welches er gebunden hält und seine hygrometrische Beschaffenheit. Die Holzarbeiter und besonders die Instrumentenmacher wissen dieß recht gut, und troknen sich deßhalb ihren Leim eigens, nachdem sie ihn vorher noch ein Mal aufgelöst haben. In Frankreich steht der Knochenleim um 25 bis 30 Proc. höher im Werthe; er ist auch allen Leimsorten vorzuziehen: mit Ausnahme jedoch des sogenannten Köllner Leimes, der der beste ist. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 45.)

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