Titel: Ramsbottom's Maschinen zum Spinnen von Baumwolle etc.
Autor: Ramsbottom, John
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXX. (S. 128–131)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065030

XXX. Verbesserungen an den Maschinen zum Vorspinnen, Spinnen und Zwirnen von Baumwolle und anderen Faserstoffen, worauf sich John Ramsbottom, Mechaniker von Todmorden in der Grafschaft Lancaster, am 6. Januar 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Mai 1837, S. 79.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Gegenstand dieses Patentes ist eine neue Einrichtung einer Spindel und der dazu gehörigen Fliege, womit man in der gewöhnlichen Drosselmaschine sowohl, als in anderen Spinnmaschinen nicht nur üblicher Weise auf eine Spule, sondern auch ohne Anwendung einer solchen auf die nakte Spindel allein spinnen kann. Zugleich hat der Patentträger auch noch eine selbstthätige Frictionsoberfläche angebracht, womit die Fliege je nach der Verschiedenheit des Durchmessers des Közers retardirt oder in ihrer Bewegung regulirt werden kann. Die gewöhnlichen Maschinenbewegungen geben die Mittel zur Variirung des Zuges und zur Anpassung desselben nach der erforderlichen Spannung des Garnes.

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In Fig. 80 sieht man einen Aufriß der verbesserten Spindel mit der Fliege und mit einem im Durchschnitte dargestellten Közer. Fig. 81 gibt eine ähnliche Ansicht der Spindel, an der jedoch die Fliege einen Viertelsumlauf zurükgelegt hat, so daß man ihrer breiteren Oberfläche ansichtig wird. Fig. 82 zeigt die Spindel und die Fliege in derselben Stellung; doch ist der obere Theil der Fliege in diesem Falle von der Spindel losgemacht und in eine schief geneigte Stellung gebracht, damit die volle Spule oder der vollendete Közer von der Spindel abgenommen werden kann. Ist dieß bewerkstelligt, so hat man die Fliege wieder in die aus Fig. 80 und 81 ersichtliche. aufrechte Stellung zu bringen, bevor man zur Bildung eines neuen Közers schreitet. An allen diesen Figuren sind übrigens gleiche Theile mit gleichen Buchstaben bezeichnet.

Die Spindel a, a wird auf die gewöhnliche Weise in einem Pfannenriegel getragen. Die Fliege b, b ist, wie man sieht, aus zwei durch Schiebgefüge mit einander verbundenen Theilen zusammengesezt; sie ist an ihrem oberen Ende mit einem Zapfen c ausgestattet, der in einer in dem Scheitel der Spindel befindlichen Vertiefung oder Aushöhlung umläuft. In die Seitentheile dieses oberen Theiles der Fliege sind aber auch noch Längenspalten geschnitten, in denen sich die an den Armen des unteren Theiles der Fliege befindlichen Leitstifte auf und nieder bewegen, wenn sich die Dokenlatte e, e und der untere Theil der Fliege auf und ab bewegen. Der obere Theil der Fliege, der gleichsam nur als Führer dient, ist an seinen unteren Enden mittelst Zapfen an einer Scheibe oder an einer Platte f, durch die die Spindel läuft, befestigt. Diese Einrichtung ist deßwegen getroffen, damit der obere Theil der Fliege von der Spindel befreit werden kann, wie man dieß in Fig. 82 sieht. Die unteren Enden der Fliegenarme sind gleichfalls an einem Kegel oder an einer Scheibe g, durch welche die Spindel ebenfalls geht, befestigt; und durch diese Gefüge ist es möglich, daß die Arme der Fliege in die aus Fig. 82 ersichtliche schiefe Stellung gebracht werden können, wenn die Spule abgenommen werden soll. Die oberen Theile der Fliegenarme sind mittelst eines dünnen Ringes verbunden, damit sie sich nicht von einander entfernen können, wenn sie mit sehr großer Geschwindigkeit umlaufen.

Die an dem unteren Theile der Spindel befindliche Rolle h ist nach Oben zu kegelförmig gestaltet, damit die Schnur leicht und ohne daß man die ganze Maschine anzuhalten braucht, davon abgestreift werden kann, wenn irgend eine einzelne Spindel in Stillstand gebracht werden soll. Die Schnur läßt sich, wie man leicht einsehen wird, durch einen sehr geringen Druk gegen die Basis des Kegels |130| hin schieben, wo sie dann leicht wieder in die Kehle der Rolle einfallen wird.

In Fig. 81 sieht man zum Theil im Durchschnitte eine Vorrichtung angebracht, die eine Längenstange i trägt. Diese Stange hat gegen die untere Oberfläche des Kegels oder der Scheibe g zu drüken, um dadurch Reibung zu erzeugen und die rotirende Bewegung der Fliege zum Behufs des Auswindens des Gespinnstes auf den Közer oder auf die Spule zu retardiren. Die der ganzen Länge nach durch die Drosselmaschine laufende Welle k ist in gehörigen Entfernungen von einander mittelst Klammern an der Dokenlatte e, e befestigt. An dieser Welle sind die krummgebogenen Arme b angebracht, welche die Reibungsstange i zu tragen haben. Diese Stange kann aus Holz oder Metall bestehen, und wenn es nöthig ist, zum Behufe der Erhöhung der Reibung auch mit Flanell oder einem anderen derlei Stoffe überzogen werden. Von der Welle k erstrekt sich außerdem nach Rükwärts oder nach Hinten zu ein Arm m, dessen Ende scharfkantig zuläuft und in die Sperrzahne eingreift, welche in den Rand eines herabhängenden Hebels n geschnitten sind. Der Hebel selbst hängt in dem Endgestelle der Maschine an einem Zapfen und ist beschwert, damit seine Sperrzähne stets mit dem Ende des Armes m in Berührung bleiben.

Man wird hieraus abnehmen, daß, so wie die Dokenlatte e emporsteigt, sich auch die Reibungsstange i nach Aufwärts bewegen muß; und daß sie hiedurch nach Einwärts bewegt werden wird: so zwar, daß sie auf den kleineren Umfang des Kegels g zu liegen kommt, wie dieß in Fig. 81 durch Punkte angedeutet ist. Unter diesen Umständen wird die auf die Fliege ausgeübte Reibung nothwendig weit geringer seyn, als sie ist, wenn die Kante der Stange auf den größeren Umfang des Kegels zu liegen kommt. Dieser Wechsel in der Reibung ist bekanntlich nöthig, um die Zugkraft nach dem Durchmesser der Spule oder des Közers abzuändern, und um eine gleichmäßige Spannung des Garnes zu bewirken.

Um die Stange i in Hinsicht auf die Spindel stets, und während sich der Közer nach Aufwärts zu füllt, in einer und derselben relativen Stellung zu erhalten, muß das Ende des Armes m in der Zahnstange n von einem Zahne zum anderen emporgehoben werden. Dieß geschieht mittelst eines Zapfens o, der am Rüken der Dokenlatte angebracht und mit einer Stellschraube p versehen ist, auf die der untere Theil des Armes in zu liegen kommt. So wie sich die Dokenlatte e nach Aufwärts bewegt, gelangt der Arm m in die in Fig. 81. durch punktirte Linien angedeutete schiefe Stellung, in der sie mit dem Ende der Schraube p in Berührung kommt und von |131| dieser aufgehalten wird. Der Arm m muß sich daher mit der Dokenlatte emporbewegen, und wird in dem Maaße, als der Közer gebaut wird, um einen Zahn der Sperrstange gehoben.

Fig. 83 zeigt eine Modification der ganzen Vorrichtung. Es ist hier eine Spule q auf die Spindel gestekt, so daß im Falle das Garn bricht, die Spule angehalten werden kann, ohne daß man das Laufband von der Rolle abzunehmen braucht.

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