Titel: Palmer's Dampfmaschine für Dampfwagen und Dampfboote.
Autor: Palmer, Georg Holworthy
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXXIX. (S. 163–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065039

XXXIX. Verbesserungen an der Dampfmaschine und dem Dampfkessel, so wie an den damit verbundenen, zum Treiben von Fahrzeugen und Wagen und zu anderen Zweken bestimmten Apparaten, worauf sich George Holsworthy Palmer, Civilingenieur von Manchester-Street, Gray's Innroad, am 16. Sept. 1831 ein Patent ertheilen ließ.32)

Aus dem London Journal of Arts. Junius 1837, S. 121.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Der Patentträger verspricht sich durch seine Erfindungen und Verbesserungen die Dampfmaschine wohlfeiler, leichter, und bei einem geringeren Verbrauche an Brennmaterial wirksamer gemacht zu haben: dieselbe mag zum Betriebe von Wagen, Booten oder irgend einer anderen Art von Maschinerie bestimmt seyn. Als neu erklärt er:

1) das sich selbst regulirende Gebläse, wodurch die Quantität des innerhalb einer bestimmten Zeit zu verbrennenden Brennstoffes so regulirt wird, daß man der Erzeugung jener Quantität Dampf, welche den verschiedenen Geschwindigkeiten und der verschiedenen Kraft der Maschine entspricht, versichert ist.

2) den sich selbst regulirenden Dampf-Calorificapparat, welcher gemeinschaftlich mit ersterem arbeitet und so eingerichtet ist, daß er von dem Hebel eines Sicherheitsventils das Gewicht abhebt, und den Dampf aus dem Kessel entweichen läßt, im Falle die Thätigkeit des ersteren nicht augenbliklich aufhören sollte. Das Sicherheitsventil selbst ist jedoch hiebei nur ein untergeordnetes oder secundäres Schuzmittel für solche Umstände, die wahrscheinlich nicht eintreten werden.

3) den selbstthätigen Sicherheitsapparat, der eine größere Sicherheit bedingt, im Falle der Speisungsapparat seine Schuldigkeit nicht thäte. Sollte nämlich das Wasser im Kessel unter ein bestimmtes Niveau herabsinken, so wird der Verbrennungsproceß augenbliklich unterbrochen und der Kessel vor Beschädigung geschüzt werden.

4) eine Einrichtung, wodurch die aus dem Ofen entwikelten Producte |164| der Verbrennung unter dem Niveau des Rostes in die atmosphärische Luft entweichen können, damit nicht mehr Luft in den Ofen gelange, als das sich selbst regulirende Gebläse und der Calorificapparat auf das entzündete Brennmaterial treiben. Der Eintritt der atmosphärischen Luft wird auf diese Weise eben so wirksam verhütet, als es bei Anwendung von Hähnen oder Ventilen möglich ist; denn in demselben Momente, in welchem das Gebläse außer Thätigkeit kommt, läßt auch das Feuer im Ofen, von welcher Intensität es gewesen seyn mag, nach; indem es mit gasartigen brennbaren Stoffen umhüllt wird, welche die Verbrennung eben so unterdrüken, wie dieß von der Kohlensäure oder anderen derlei Gasen, wenn sie nicht mit Sauerstoff verbunden sind, zu geschehen pflegt. Diese Einrichtung ist an und für sich nicht neu; sie gehört aber wesentlich zu den drei vorher angedeuteten Apparaten, und wird daher von dem Patentträger nicht bloß in ihrer Anwendung an der Dampfmaschine, sondern auch in ihrer Anwendung an jeder anderen Art von Kessel, deren man sich zum Heizen oder Abdampfen unter einer gleichförmigen oder regulirten Wärme, oder zur Mittheilung einer bestimmten Temperatur durch Oehl, leichtflüssiges Metall u. dergl., wie z.B. bei der Zukerraffination, Branntweinbrennerei etc. bedient, in Anspruch genommen. In lezterem Falle wird es jedoch nöthig die elastische Flüssigkeit, welche den kleinen Kolben des Regulirapparates in Bewegung zu sezen hat, in einem kupfernen oder anderen geschlossenen Gefäße von beiläufig 5 Zoll im Durchmesser zu erzeugen.

5) die Röhren, welche von den gegenüberliegenden Enden des horizontalen Theiles des Kessels, der mit dem untersten Theile unter rechten Winkeln verbunden ist, herbeiführen, und welche als Stege, die dem Ganzen Festigkeit geben, wirken. Der ostensible Zwek dieser Röhren ist jedoch jenes Wasser, welches am weitesten von der directen Einwirkung des Ofens entfernt ist, durch seine eigene Schwere herbeizuleiten, und jenes Wasser zu ersezen, welches durch die große Menge des zwischen den beiden concentrischen Cylindern erzeugten Dampfes in den oberen Theil des Kessels geführt worden seyn möchte. Der innere dieser Cylinder (der Ofen) würde sowohl an dieser als an jeder ähnlichen Vorrichtung durch die auf ihn wirkende intensive Hize zerstört werden, wenn das Wasser, während es senk recht in jenen Raum herabzugelangen sucht, aus dem es fortwährend ausgetrieben wird, verhindert würde, den Wärmestoff eben so schnell zu absorbiren, als er von dem Metalle aufgenommen wird. Unter keiner Bedingung darf in diesem Kessel anderes als destillirtes Wasser oder eine geistige Flüssigkeit angewendet werden; denn die Ablagerung irgend einer erdigen Substanz würde zu einer raschen Zerstörung |165| des Kessels und zu einem gesteigerten Verbrauche an Brennmaterial führen: und zwar in dem Maaße, als die Fähigkeit des Metalles den Wärmestoff durch seine Poren zu übertragen und dann an das im Kessel befindliche Wasser fortzupflanzen, durch die geringe Wärmeleitungsfähigkeit der erdigen Incrustationen beeinträchtigt wird.

6) die Möglichkeit an den Hochdrukmaschinen den Kolbenhuben eine Länge zu geben, welche bloß durch das Maximum der Länge, in der der Cylinder gegossen und gebohrt werden kann, beschränkt wird, und zwar ohne daß der Durchmesser per Kolbenstangen größer zu seyn braucht, als es nöthig ist, um der ganzen Kraft der Maschine zu widerstehen. Dieß ist nämlich da, wo die Kolbenstangen abwechselnd einem Zuge und Stoße ausgesezt sind, nur dann möglich, wenn man zu den kurzen Hüben, gegen die sich so viele Einwendungen machen lassen, seine Zuflucht nimmt, oder wenn man den Kolbenstangen einen, bedeutenden Durchmesser gibt. In dieser Beziehung nimmt der Patentträger die Modificirung und Anordnung der verschiedenen Theile der Maschinen, und nicht irgend einen abstracten Theil derselben als seine Erfindung in Anspruch.

7) die neue Einrichtung der Schiebventile, welche weder Gehäuse, noch Stopfbüchsen erfordern, durch eine mechanische Vorrichtung einer mathematisch genauen Adjustirung fähig sind, und nach Belieben ein augenblikliches Anhalten der Maschine oder eine Umkehrung ihrer Bewegung gestatten.

8) die Modification der Kurbelwelle und des Balanciers oder Schwängels, wodurch ein Schwängel von gewöhnlicher Schwere und Größe, die Parallelbewegung, die Querhäupter und mehrere der damit in Verbindung stehenden kostspieligen Theile entbehrlich werden. Diese Methode, die geradlinige Bewegung in eine rotirende umzuwandeln, macht es möglich, daß ein Cylinder eine regelmäßigere und gleichere Bewegung erzeugt, als durch ihrer zwei auf Locomotiven oder Dampfschiffen hervorgebracht werden kann.

9) die Verdichtung von höchst elastischem Dampfe von irgend einer Temperatur ohne Anwendung von Einsprizung durch eine sehr ausgedehnte Oberfläche, indem der kubische Inhalt der Verdichtungskammer der Zahl der Kubikzolle Dampf, welche bei jedem Hube entweichen, gleich gemacht wird, abgesehen von der Nebenwirkung, die auch noch aus der Erniedrigung der Temperatur erwachst. Wenn der kubische Inhalt der Verdichtungskammer so berechnet worden ist, daß sie Dampf von einem voraus bestimmten Maximum des Drukes verdichtet, so wird sie von diesem Maximum abwärts Dampf von jedem Druke bis zu einem von einer Atmosphäre herab verdichten. Noch weiter herab wird jedoch wenig oder gar kein Vortheil von ihr |166| zu erwarten seyn. Um dieser Verdichtungsmethode sicher zu seyn, ist es durchaus nothwendig, daß kein Dampf zwischen den Kolben und dem Cylinder oder durch die Oeffnungen in den Ventilen, welche die Communication zwischen dem Cylinder und der Verdichtungskammer abwechselnd absperren, dringe; denn sonst würde die Verdichtung theilweise, und zwar in dem Maaße, als Dampf durchdrang, aufhören. Ferner ist es von großer Wichtigkeit, daß das Wasser eben so schnell aus der Verdichtungskammer abgeleitet werde, als es sich darin erzeugt, und daß es durch eine kleine Drukpumpe oder auch auf irgend andere Weise in den Kessel getrieben werde, damit nicht nur der kubische Inhalt der Verdichtungskammer nicht verkleinert wird, sondern damit auch eine gehörige Speisung des Kessels mit destillirtem Wasser Statt findet. Das Verdichtungsgefäß kann aus einer oder mehreren Kammern bestehen, und aus leichtem Kupferblech oder einem anderen Materiale verfertigt seyn; am besten gibt man ihm eine kugelige Gestalt, da diese große Stärke mit einem großen Rauminhalte verbindet. Als neue Erfindung wird hier nicht nur die Verdichtung von höchst elastischem Dampfe ausschließlich durch Ausdehnung und ohne Rüksicht auf Abkühlung, sondern auch die Verfertigung der Verdichtungskammer aus überfirnißtem Canevaß oder einem entsprechenden luft- und wasserdicht gemachten Seiden- oder Baumwollzeuge in Anspruch genommen; so daß diese Kammer also bei jedem Kolbenhube abwechselnd ausgedehnt wird, und wieder zusammenfallt. Um dem Bersten vorzubeugen, wenn der Dampf je ein Mal von höherem als atmosphärischem Druke in diese Kammer gelangen sollte, ist es gut dieselbe mit einem Drahtgitter zu umgeben, welches dem Zusammenfallen und der Ausdehnung der Verdichtungskammer bis auf einen gewissen Grad kein Hinderniß in den Weg legt. Je mehr diese Kammer die angegebenen Größenverhältnisse übersteigt, um so wirksamer wird sie seyn; denn um so weniger Widerstand wird der Dampf bei seiner Ausdehnung finden, und um so mehr wird das ganze Verfahren dem Entweichen von höchst elastischem Dampfe in die Atmosphäre ähnlich seyn.

Endlich gründet der Patentträger seine Ansprüche nicht nur auf alle Theile, welche dem Principe nach neu oder neue Modificationen einer bekannten Vorrichtung sind; sondern er dehnt solche auch auf die Zusammensezung seiner Maschine und seines Kessels im Allgemeinen aus; wobei er sich vorbehält, dieselbe nach Umständen abzuändern. Wir schreiten nunmehr zu der Beschreibung der Abbildung, welche die Maschine an einer Locomotive oder an den Ruderrädern eines Dampfbootes angewendet zeigt.

Fig. 1 ist ein Aufriß der Maschine, woraus man die Anordnung |167| ihrer einzelnen Theile ersieht. Fig. 2 ist ein Längendurchschnitt des Kessels und des Ofens, woraus die Feuerzüge, der Dampfcylinder etc. erhellen. Fig. 3 gibt einen Querdurchschnitt des Kessels, des Ofens, und des Calorific-Regulators, wodurch dessen Verbindung mit dem Gebläsregulator anschaulich gemacht ist. Fig. 4 ist ein durchschnittlicher Grundriß des unteren Theiles des Kessels, des Ofens und der Feuerzüge. Fig. 5 zeigt eines der Schiebventile mit seinem Size im Längendurchschnitte. Fig. 6 ist ein Grundriß eines solchen Sizes, woraus die Dampf- und Verdichtungscanäle erhellen. Fig. 7 endlich ist ein Durchschnitt eines Abdampfgefäßes in Verbindung mit einem Metall- oder anderen Bade, um die Anwendung des Calorific-Regulirapparates anschaulich zu machen. An sämmtlichen Figuren sind zur Bezeichnung gleicher Gegenstände gleiche Buchstaben beibehalten.

In dem unteren Theile des Kessels A und concentrisch mit ihm ist der Ofen B angebracht, der mit Scheidenrändern, Bolzen und Schraubenmuttern daran festgemacht ist. Der Rost C wird von einem eisernen Rahmen D getragen, und durch einen Keil oder ein anderes einfaches Befestigungsmittel an Ort und Stelle erhalten; läßt man dieses nach, so kann man den Rost herausnehmen. Das Eintragen des Brennmaterials in den Ofen geschieht durch eine in dessen Krone befindliche Oeffnung mittelst einer Röhre, welche bis außer den Kessel hinaus läuft, und welche sich in zwei Schieber oder Thüren endigt, die abwechselnd geöffnet werden, wenn Brennstoff eingetragen wird. Um das Entweichen der erhizten Gase zu verhüten, ist eine Rakel, welche sich durch eine Stopfbüchse bewegt, und womit das Brennmaterial in den Ofen gestoßen wird, im Falle sich die Röhre verlegen sollte, angebracht. Der Patentträger beabsichtigt jedoch die Anwendung eines mechanischen selbsttätigen Speisungsapparates an dem Ofen, und zwar mittelst geriefter Walzen oder einer ähnlichen Vorrichtung, welche von der Dampfmaschine in Bewegung gesezt wird.

E, E sind mehrere, mit dem Scheitel des Ofens in Verbindung stehende Röhren, welche bis auf den Grund des Aschenloches herabführen und den natürlichen Zufluß der atmosphärischen Luft zur Unterhaltung der Verbrennung im Ofen verhindern. Durch die beiden Circulationsröhren F, F wird der ringförmige um den Ofen herum befindliche Raum mehr gleichförmig mit Wasser versehen. Durch die Rohre G, welche mir entsprechenden Ventilen ausgestattet ist, wird das Wasser eingesprizt, welches die im Kessel verdampfte Quantität zu ersezen hat. Die Injectionspumpe H speist den Kessel mit Wasser. Das Gebläs I dient zum Eintreiben der erforderlichen Quantität |168| Luft in den Ofen. Durch die Röhre K wird die atmosphärische Luft in das Gehäuse L eingetrieben, welches das Aschenloch umgibt; zwischen beiden ist durch Löcher, welche durch den unteren Theil des den Ofen bildenden Cylinders gebohrt sind, eine Communication hergestellt. Der Luftzug wirkt auf diese Weise minder partiell auf das Brennmaterial. An dem einen Ende der Röhre K ist ein Regulirventil M angebracht, welches, wenn es geschlossen ist, den Austritt der in der Röhre enthaltenen Luft verhindert; während die durch diese Oeffnung austretende Luftmenge von dem Flächenraume abhängt, den man der Oeffnung des Ventiles gibt. Das Oeffnen und Schließen selbst geschieht mit einer Schraube oder einem Griffe oder irgend einer anderen geeigneten Vorrichtung. An dem anderen Ende der Röhre K befindet sich an einem Angelgewinde aufgehängt ein Ventil, welches so beschwert ist, daß es dem Druke der in der Röhre enthaltenen Luft das Gleichgewicht hält. Dieses Ventil treibt, wenn es geschlossen wird, die von dem Gebläse ausgetriebene Luft in das Gehäuse L, aus diesem in den Ofen und dann durch die Röhren E, E in die atmosphärische Luft: jedoch mit Ausnahme jener Quantität, die durch das Ventil M ausgetrieben wird. Der Zwek dieses Ventiles ist Beschränkung der Temperatur des Wassers und folglich des Drukes des Dampfes im Kessel, indem es, wenn es geöffnet ist, eine große Quantität der sonst zur Verbrennung nöthigen atmosphärischen Luft entweichen läßt. Das Ventil N ist zu diesem Behufe durch die Hebel O, P, Q und die nöthigen Verbindungsstangen mit dem regulirenden Calorificapparate R in Communication gesezt. Dieser selbst besteht aus einem Kolben von solchem Flächenraume, daß er den ihm geleisteten Widerstand zu überwinden vermag. Er bewegt sich durch eine Stopfbüchse in einer cylindrischen Heberröhre, in der eine Quantität Queksilber enthalten ist; lezteres bildet das Medium, wodurch der aus dem Kessel in die Regulirkammer gelangende Dampf auf den erwähnten Kolben wirkt. S ist ein Sicherheitsventil mit einem graduirten Hebel und einem daran aufgehängten Gewichte. Das ringförmig gebildete Ende T dieses Hebels umfaßt das mit einem Schraubengange versehene Ende des Regulirkolbens; und kommt die Schraubenmutter V mit dem Ringe T in Berührung, so wird der Hebel und das Sicherheitsventil emporgehoben, damit kein Unfall eintreten kann, wenn allenfalls das Ventil über den bestimmten Druk hinaus geschlossen bleiben sollte. Die Thätigkeit des Ventiles und des Hebels wird durch zwei kleine Verbindungsstüke W zu einer gleichzeitigen. An der Krone des Ofens ist eine Kammer X angebracht, welche durch eine Röhre Y mit einem Kolben und einem Cylinder in Verbindung steht, der jenem des Calorificregulator |169| R vollkommen ähnlich ist. Dieser Cylinder läßt sich an Irgend einer Stelle unterbringen, in der er auf ein Sicherheitsschiebventil Z wirken kann. Dieses Ventil schließt sich, wenn das Nasser im Kessel wegen mangelhafter Thätigkeit der Drukpumpe bis auf einen gefahrdrohenden Grad gesunken ist; und die Folge dieser Schließung ist, daß der Zutritt der atmosphärischen Luft zum Ofen vollkommen unterbrochen ist, und daß folglich das Feuer augenbliklich verlischt. Die Bewegung, welche dem Kolben durch den in der Kammer X erzeugten Dampf mitgetheilt wird, wirkt durch den Däumling 2 auf den Hebel 1, wo dann der Hebel mit dem Kolben emporsteigt, bis der Däumling an dem Zapfen 3 vorübergeht, und der Schieber Z augenbliklich durch seine eigene Schwere herabfällt, und den Durchgang durch die Röhre K vollkommen verschließt. Ist das Feuer unterdrükt, so läßt die Temperatur des Wassers und folglich auch der Druk des Dampfes augenbliklich nach, so daß die nachtheilige Wirkung der starken Hize auf die von Wasser entblößte Oberfläche verhütet wird. Bemerkt muß werden, daß der Regulator R in der Zeichnung nicht mechanisch genau, sondern so dargestellt ist, daß er anschaulicher wurde; auch ist das Schiebventil Z sammt Zugehör in Fig. 1 weggelassen, um die Zeichnung nicht zu verworren zu machen.

Der Dampfcylinder, der Kolben und die Stopfbüchsen bedürfen keiner besonderen Beschreibung, da sich der Cylinder nur durch seine im Vergleiche mit dem Durchmesser große Länge, und die Kolbenstange nur durch ihren kleinen Durchmesser auszeichnet. Die Adjustirung des Kolbens im Cylinder ist an den beiden Enden, wo dieselben durch die Oehre r, r mit den Ketten s, s verbunden sind, durch schrauben und Schraubenmuttern vermittelt. Die Schiebventile a, a sind durch zwei adjustirbare Schiebstangen b, b miteinander verbunden, auch hat jedes derselben zwei mit einer Kammer c communicirende Oeffnungen b, b. Jeder der Size dieser Ventile hat drei Oeffnungen, die an Umfang den Oeffnungen in den Schiebern gleichkommen, so daß das abwechselnde Eintreten des Dampfes in den Cylinder und dessen Verdichtung bewirkt wird, ohne daß ein Gehäuse über den Schieber vorhanden ist. Die Bewegung, welche die abwechselnde Bewegung der Schieber erzeugt, ist eine Däumlingsbewegung, und auch der genauesten Adjustirung mittelst Schrauben und Schraubenmuttern, die sich an den Enden der Stangen d, d befinden, fähig. Der Wagen e trägt den Däumlingshebel f und auch die Leitwalzen g, g an denen sich die Stangen d, d reiben, und durch die sie verhindert' werden aus der geraden Linie zu kommen, wenn sie sich in Thätigkeit befinden. Die Schiebstangen b, b sind in der Mitte ihrer |170| Länge bei h durch einen mit Reibungsrollen versehenen Wagen miteinander verbunden, und dieser Wagen wird von dem gabelförmigen Ende der Stange f umfaßt. Der Druk, welcher die Ventile durch die Einwirkung des Dampfes während ihrer Bewegung von dem Size emporzuheben trachtet, wird von Außen durch jenen Druk aufgewogen, den die beiden am Rüken des Schiebers befindlichen Spiralfedern k, k ausüben. Zur Verminderung der Reibung dienen die beiden ausgekehlten Walzen l, l, welche sich an einem mit der Fläche des Schiebers parallel laufenden Führer bewegen, in ist die Verdichtungskammer, in die der Dampf eingelassen wird, nachdem er seine Wirkung im Cylinder vollbracht hat, und in der er sich frei ausdehnen kann; die Size der Schiebventile communiciren mit dem oberen Theile durch die Röhren n, n, welche entweder einzeln oder in eine einzige vereinigt in die Kammer eintreten. Das durch die Verdichtung angesammelte Wasser wird von der Pumpe H durch die mit Ventilen versehene Röhre o aus der Kammer entfernt; leztere ist zur Verhütung des Zusammenfallens mit einem umgekehrten Sicherheitsventile ausgestattet. Der Dampf ist, wenn das Schiebventil q geschlossen ist, vollkommen von der Maschine abgesperrt. Die Ketten S, S sind an den Rollen t, t, deren Achsen in den Armen v, v in Zapfenlagern laufen, fixirt. Der Umfang dieser Rollen muß größer seyn, als die doppelte Länge des Kolbenhubes. Die abwechselnde Bewegung der Rolle t und der Maschine bewirkt die Umlaufsbewegung der Kurbelwelle w mittelst eines Hebels x, der an ein Ende der Rollenachsen geschirrt ist, und durch Dazwischenkunft der Verbindungsstange y; dabei läuft die Kurbelwelle in Zapfenlagern, welche an dem Wagengestelle angebracht sind. Der Radius des Hebels x muß etwas größer seyn als jener des Krummhebels w, w. Das Zahnrad z greift in ein Getrieb, dessen Durchmesser nur halb so groß ist, als jener des Rades, und welches sich an der Achse der Wagenräder 5 befindet, so daß der Wagen bei jedem Kolbenhube eine Streke zurüklegt, welche zwei Mal so groß ist, als der Umfang der Räder 5. Es versteht sich von selbst, daß je nach der Beschaffenheit der Maschine oder je nach der Geschwindigkeit des Wagens irgend andere Verhältnisse zwischen dem Rade und dem Getriebe angenommen werden können. An der Kurbelwelle w befindet sich eine Rolle 6, welche zur Aufnahme einer Treibschnur dient, damit von hier aus die Maschinerie des Gebläses in Thätigkeit gesezt werden kann. Sowohl diese Rolle als auch die Räder z sind zur Vermeidung aller Verwirrung durch punktirte Linien angedeutet. Die zum Betriebe des Gebläses dienende Maschinerie besteht aus zwei Rollen 7, die sich an einer Welle 8 befinden, welche von den an dem Seitengestellt |171| des Wagens fixirten Armen 9 getragen werden. Eine dieser Rollen erhält ihre Bewegung von der Kurbelwelle w her; die andere hingegen pflanzt sie an die an der Welle des Windfängers befindliche Rolle 10 fort. Um die Geschwindigkeit dieses Windfanges nach Umständen abändern zu können, dürfte es gut seyn, für eine größere Anzahl solcher Rollen zu sorgen. Die Welle 8 ist gekniet, so daß sie eine Kurbel bildet, womit das Gebläse durch Menschenhände umgetrieben werden kann, wenn die Maschine still steht. Es ist zu diesem Zweke auch die Vorkehrung getroffen, daß man die Rolle auch von der Kurbelwelle w befreien kann, indem man die Zapfenlager in den Häuptern der Arme nach der Richtung der Kurbelwelle verschiebt. Die Folge hievon ist nämlich, daß die Treibschnur erschlafft wird, und daß die Rolle ohne sie umläuft. Soll die Rolle dagegen mit der Maschine verbunden werden, so hat das Entgegengesezte zu geschehen. In jeder dieser Stellungen wird die Achse durch eine Stellschraube 11 erhalten. Die Drukpumpe wird durch einen adjustirbaren Kniehebel 12, der an das eine Ende der Rollenwelle t geschirrt ist, und durch die Verbindungsstange 13 mit dem Pumpenkolben communicirt, in Bewegung gesezt. Die Pumpe selbst ist an einem Theile des unter dem Wagengestelle hervorragenden Armes v befestigt.

Die Anwendung der hier beschriebenen Maschinerie auf Dampfboote ergibt sich, wenn man die Räder 5 als die Ruderräder des Fahrzeuges betrachtet. Eben so kann man die Maschinerie auch als stationäre Maschine verwenden, wenn man anstatt der Räder 5 ein Flugrad substituirt.

Die Anwendung des regulirenden Calorificapparates zum Erhizen und Verdünsten mittelst eines Bades, welches aus einem leichtflüssigen Metalle oder einem anderen Medium besteht, erhellt aus Fig. 7. Hier ist nämlich a das Abdampfgefäß; b das Heizmedium und c das Gefäß, in welchem durch die Hize, die das Medium von dem Ofen aus mitgetheilt erhält. Dampf erzeugt wird, der auf den Regulatorkolben und endlich vermittelst der Rollen e, e, des Hebels f und der Kette oder der Stange g auch auf den Dämpfer h wirkt, wodurch die Quantität der in den Ofen eingelassenen atmosphärischen Luft regulirt wird. In einigen Fällen dürfte es von Vortheil seyn, zwischen dem Ofen und dem Schornsteinschlauche auch noch einen zweiten Dämpfer anzubringen, und diesen zugleich mit dem Dämpfer h durch dieselben Rollen in Thätigkeit zu sezen.

Wir haben von diesem Patente in Bd. XLV. S. 401 eine kurze, nicht sehr empfehlende Andeutung gegeben; da nun aber Hr. Palmer auf seinen Erfindungen beharrt, und seither mehrere Verbesserungen daran vorgenommen hat, so sehen wir uns genöthigt, noch ein Mal hierauf zurükzukommen, damit die Patentbeschreibungen der neuen Verbesserungen für unsere Leser verständlich werden können, und damit in der beinahe vollständigen Sammlung der verschiedenen Modificationen der Dampfmaschine, die wir in unserer Zeitschrift zu geben bemüht waren, auch diese nicht vermißt werde.

A. d. R.

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