Titel: Bemerkungen über das Frischen des Eisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. L. (S. 201–205)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065050

L. Bemerkungen über das Frischen des Eisens.

Das Frischen des Eisens hat Aehnlichkeit mit dem Gaarmachen des Kupfers. Der Zwek bei beiden ist, die fremdartigen Bestandtheile zu oxydiren, welche sich dann theils verflüchtigen, theils verschlafen, so daß sie nicht mehr nachtheilig auf die Metalle zurükwirken können und diese sohin als mehr oder weniger reine Educte erhalten werden. Dieses kann nicht ohne Abgang geschehen, indem es unmöglich ist zu verhindern, daß sich nicht zugleich mit den fremdartigen Bestandtheilen ein Theil des Metalls oxydirt und in die Schlafen übergeht; was in einem viel geringeren Maaße beim Kupfer als bei dem weit leichter oxydirbaren Eisen Statt findet.

Den Oxydationsproceß so zu leiten, daß der Abgang der möglich kleinste wird, ist daher bei diesen Operationen eine Hauptaufgabe, welche besonders beim Frischen des Eisens, worüber wir uns hier einige Bemerkungen zu machen erlauben wollen, immer schwer zu lösen bleiben wird.

Durch die Einführung der Flamm- oder Puddelöfen ist in dieser Hinsicht unstreitig ein sehr großer Schritt vorwärts geschehen, |202| weil in diesen Oefen das Eisen außer Berührung mit Kohlen gesezt ist, wodurch beim Frischen in Heerden die Oxydation gestört wird, und öfters mit der Desoxydation abwechseln muß, so daß die schon oxydirten fremdartigen Substanzen zum Theil wieder reducirt und abermals mit dem Eisen in Verbindung gebracht werden. Man hat auch in diesen Oefen mehr als in den Heerden die Operation in seiner Gewalt, und kann bequem allerlei zwekmäßig scheinende Zuschlage anwenden, ohne fürchten zu müssen, daß ihre gute Wirkung wieder aufgehoben oder gar in eine nachtheilige umgeändert werde.

Die Oxydation hat man bisher nur durch die Luft zu bewerkstelligen gesucht, indem man glaubte, daß durch sie hauptsächlich und unmittelbar die Reinigung des Eisens bewirkt werde; allein wenn man bedenkt, daß die Unreinigkeiten durch die ganze Eisenmasse gleichmäßig vertheilt sind, und immer, wenn auch öfters umgerührt wird, nur wenig davon mit dem Sauerstoffe der Luft in Berührung kommen kann; so wird begreiflich, daß sich die Sache nicht ganz so verhalten kann, weil neben den fremdartigen Bestandtheilen zugleich der größte Theil des Eisens verbrannt werden müßte. Wir sind der Meinung, daß beim Frischen des Eisens die Oxydation der fremdartigen Bestandtheile hauptsächlich durch das Eisenoxyd bewirkt werde, es mag nun dieses durch die Luft oder durch einen oxydirend wirkenden Zuschlag erzeugt werden.

Das Eisenoxyd kann sowohl durch theilweise Oxydation des Eisenoxyduls der Schlafen auf das Maximum (wenn es nicht durch zu viel Kieselerde geschüzt ist) als auch des regulinischen Eisens entstehen. Durch Einwirkung der Luft wird aber in beiden Fällen nur Eisenoxydoxydul erzeugt, welches offenbar weit weniger wirksam seyn muß, als das vollkommene Eisenoxyd. Wir glauben daher, daß es am vorteilhaftesten seyn werde, wenn beim Frischen des Eisens im Puddelofen schon gebildetes Eisenoxyd zugeschlagen wird. Dieses bestätigt auch der gute Erfolg, welchen man in der neuesten Zeit von der Anwendung des Salpeters und Braunsteines beim Eisenfrischen in Erfahrung gebracht hat, wodurch zunächst auch hauptsächlich nur Eisenoxyd erzeugt werden kann. Denn es läßt sich nicht annehmen, daß diese Körper mit allen Theilen der Unreinigkeiten des Eisens in Berührung kommen und sie ganz und gar unmittelbar oxydiren können, und dieses um so weniger, da sie bei der hohen Temperatur, welche sie im Ofen antreffen, ihren Sauerstoff sehr schnell abgeben, wovon vermuthlich auch ein Theil wirkungslos davon geht.

Das Eisenoxyd, was den Sauerstoff weit stärker und länger |203| zurükhält, als die genannten Körper, wird sich anfänglich größten Theils mit den Schlaken vereinigen, welche es den fremdartigen Bestandtheilen des Eisens zuführen, an die es dann 1/2 Mischungsgewicht seines Sauerstoffs allmählich abtritt. Beide Theile haben mithin, um uns so auszudrüken, Zeit, sich gegenseitig aufzusuchen. Damit aber dieses geschehen kann, so ist nothwendig, daß die Schlaken den gehörigen Grad von Schmelzbarkeit besizen und durch oftmaliges Umrühren mit dem Eisen gut gemengt werden. Es ist auch rathsam, nicht alles Eisenoxyd, was man anwenden will, auf ein Mal einzutragen, sondern es in mehrere Portionen zu theilen und in gewissen Zeitabschnitten auf einander folgen zu lassen.

Mit diesem Zuschlage darf ein gewisses Maaß nicht überschritten werden, weil sonst unnöthiger Weise Eisen verbrannt würde, indem, wie bekannt ist, das Eisenoxyd im Feuer auch an das metallische Eisen 1/2, Mischungsgewicht Sauerstoff abgibt; weßhalb diese zwei Körper nicht lange als solche neben einander im Feuer bestehen können, was auch der Grund ist, warum die Frischschlaken immer nur Eisenoxydul enthalten. Ein großer Verlust an Eisen wird bei Anwendung dieses Mittels gewiß nicht zu befürchten seyn, da es den Sauerstoff doch lieber dem Kohlenstoffe, Silicium, Mangan, Phosphor, Schwefel etc., oder vielmehr ihren Verbindungen mit Eisen, als dem übrigen Eisen überläßt; ja wir möchten fast glauben, daß, wenn überhaupt gehörig verfahren wird, durch dieses Mittel das Minimum von Abgang erzielt werden könne.

Daß zu diesem Zweke das Eisenoxyd nicht eigens dargestellt zu werden braucht, möchte sich wohl von selbst verstehen; es werden dazu die meisten Paritäten des natürlichen Eisenoxyds oder Eisenoxydhydrats geeignet seyn, wenn sie nur keinen Schwefels oder Arsenikkies enthalten. Ein geringer Gehalt von Phosphorsaure wird wahrscheinlich nicht schaden, da sie ohne weiteres in die Schlaken übergeht. Die Gegenwart von Kiesel- und Thonerde (Thon) wird eher nüzlich als schädlich seyn, weil sie die Schlaken leicht-flüssig machen. Es wird daher keinem rationellen Eisenhüttenmanne schwer fallen, von den ihm zu Gebote stehenden Eisensteinen diejenige Sorte herauszufinden, welche zu diesem Zweke die geeignetste ist. Bei mancher Hütte wird der nämliche Eisenstein, welcher auf Eisen verschmolzen wird, auch zum Raffiniren desselben dienen können, und sohin das wohlfeilste Verbesserungsmittel abgeben. Daß er zuvor pulverisirt und gut getroknet werden muß, braucht kaum erinnert zu werden.

Beim Frischen des Eisens ist auch schon öfters Kalk angewendet |204| und vorteilhaft gefunden worden. Als Aezkalk kann er, wenn hinreichende Kieselerde vorhanden ist, viel zur Schmelzbarkeit der Schlaken beitragen, und die Phosphorsaure, mit welcher er näher verwandt ist als das Eisenoxydul, stärker binden, als sie von diesem gebunden wird, so daß sie dann nicht wieder nachtheilig auf das Eisen zurükwirken kann. Da der Kalk auch naher mit der Kieselerde verwandt ist als das Eisenoxydul, so kann er dieses wenigstens in so weil frei machen, daß es in den Stand gesezt wird, den Sauerstoff, welcher ihm durch einen oxydirenden Zuschlag oder die Luft zugeführt wird, leichter anzuziehen, um ihn sofort zur Reinigung des Eisens zu verwenden. Gegen die Anwendung des Kalks läßt sich also überhaupt nichts einwenden, wiewohl er nicht immer anzurathen seyn möchte, besonders dann nicht, wenn nur wenig Kieselerde vorhanden ist, weil dann die Schlafen zu strengflüssig werden müßten. In diesem Falle wird thonhaltiger Kalkstein oder Mergel weit bessere Dienste leisten als reiner Kalk; wobei sich auch noch ein anderer Vortheil von Seite der darin enthaltenen und im Feuer freiwerdenden Kohlensäure versprechen läßt. Diese Säure besizt bekanntlich die Eigenschaft in starker Hize Kohlenstoff aufzulösen, so wie auch verschiedene Körper, besonders diejenigen, welche das Eisen verunreinigen, zu oxydiren, wobei sie in Kohlenstoffoxydgas umgewandelt wird; es möchte daher kaum zu bezweifeln seyn, daß sie zur Reinigung des Eisens viel beitragen könne. Das einzige Bedenken möchte dabei seyn, daß sie sich zu rasch entwikele und deshalb keine merkliche Wirkung auszuüben im Stande sey. Allein wenn man erwägt, daß eine große und anhaltende Hize dazu gehört, um alle Kohlensäure aus dem Kalksteine auszutreiben, so wird man wohl annehmen dürfen, daß auch im Frischfeuer wenigstens ein Theil davon so lange zurükgehalten werde, als nöthig ist, die beabsichtigte Wirkung zu machen. Dazu gehört aber, daß der kohlensaure Kalk, nachdem er pulverisirt und gut ausgetroknet worden ist, in mehreren Portionen eingetragen und jedes Mal schnell in die Eisen- und Schlakenmasse eingerührt wird. Hiebei wird ein mehr oder weniger starkes Aufbrausen Statt finden, und es werden durch die sich entwikelnde Kohlensäure viele Blasen in der Masse entstehen, wodurch sie aufgetrieben wird; und in diesen Blasenräumen wird die Kohlensäure hinlängliche Zeit haben, ihre Function zu wachen, um so mehr, da ihr zugleich eine bedeutende Oberfläche dargeboten wird. Einiger Verlust an Eisen ist dabei unvermeidlich, weil die Kohlensäure in der Glühhize auch an dieses Metall Sauerstoff abgibt.

Natürliches Eisenoxyd oder Eisenoxydhydrat wird sich wahrscheinlich nebst Mergel zugleich mit Vortheil anwenden lassen, und |205| man durfte mithin in manchem Mergeleisensteine den geeignetsten Zuschlag beim Verfrischen des Eisens finden.

Ueber den Werth oder Unwerth dieser Bemerkungen können nur Versuche entscheiden, welche wir aber selbst anzustellen nicht in der Lage sind. Da dabei wenig oder nichts auf das Spiel gesezt wird, so hoffen wir, daß sie irgend ein Hüttenmann machen und so gefällig seyn werde, uns die Resultate mitzutheilen.

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