Titel: Schwartz, über einige Eigenschaften des rothen Krapppigments.
Autor: Schwartz, Gustav
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LII. (S. 207–215)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065052

LII. Ueber einige Eigenschaften des rothen Krapppigments; von Gustav Schwartz in Mülhausen.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen. No. 49.

Einige Versuche, welche ich in der Absicht anstellte, von einem türkischroth gefärbten Zeuge den Farbstoff abzuziehen, haben mich auf Resultate geführt, welche, die allgemeine Ansicht über die Verbindung des Krapppigments mit der Baumwolle bestätigen und überdieß einige neue Thatsachen liefern, die mir der Bekanntmachung werth zu seyn scheinen.

Ich habe nach einigen fruchtlosen Versuchen gefunden, daß sich einem Zeuge, welcher türkischroth oder in irgend einer anderen Farbe mit Krapp gefärbt wurde, das Pigment ohne eine Veränderung zu erleiden, am besten durch ein Gemisch von Alkohol und Schwefelsäure entziehen läßt, welches man aus 10 Gewichtstheilen Alkohol und 1 Gewichtstheil Schwefelsäure zusammensezt. In dieser Flüssigkeit, welche ich schwefelsäurehaltigen Alkohol nenne, ließ |208| ich türkischrothe Zeugstükchen bis zur gänzlichen Entfärbung kochen und zwar in einem Kolben mit langem Halse. Nachdem ich nämlich auf die Zeugstükchen so viel Flüssigkeit gegossen hatte, daß sie damit gehörig getränkt waren, kochte ich das Gemenge, wobei ich mit der Hand auf den Hals des Kolbens drükte, so daß weniger Alkohol verdampfen konnte. Ich goß dann die Flüssigkeit ab und ein nochmaliges Auskochen war hinreichend, um die Zeuge vollständig zu entfärben. Die vereinigten Flüssigkeiten ließ ich nun gänzlich erkalten.

Die Flüssigkeit war citronengelb, etwas in Orange siechend; aus ihr hatte sich eine sehr leichte flokige Substanz abgesezt, welche auf einem Filter gesammelt wurde und ganz wie eine fette Säure aussah.

In die so filtrirte Flüssigkeit goß ich allmählich Ammoniak, um die Schwefelsäure zu sättigen; da das schwefelsaure Ammoniak in Alkohol unauflöslich ist, so fiel es in dem Maaße nieder, als es entstand. Beim Zusaz von Alkali entsteht eine violette Färbung, welche aber durch Umrühren verschwindet. Endlich tritt ein Zeitpunkt ein, wo die Flüssigkeit, wenn man sie noch mit einigen Tropfen Ammoniak versezt, violett bleibt; dann hört man mit dem Zusaz auf.

Die Flüssigkeit hat sich durch diese Bildung von schwefelsaurem Ammoniak erhizt; man läßt sie erkalten und gießt sie vom Bodensaz ab; sie besizt nun eine sehr dunkle röthlichviolette Farbe. Man läßt sie nochmals stehen, wodurch sich noch einige Krystalle von schwefelsaurem Ammoniak absezen; endlich gießt man sie neuerdings ab, verjagt das wenige überschüssige Ammoniak durch Kochen und verdünnt sie zulezt mit ihrem gleichen Volum Wasser.

Beim Abdampfen wird die violette Auflösung zimmtbraun und läßt sogar etwas Farbstoff in Floken fallen; auf Zusaz von Wasser scheiden sich noch mehr Floken ab.

In der so bereiteten Flüssigkeit färbte ich nun Zeugstükchen, welche mit Beizen bedrukt, durch Kühkoth passirt und gereinigt worden waren.

Die Temperatur wurde auf 60° R. getrieben und auf diesem Grade bis zur gänzlichen Sättigung erhalten; kaum war das Muster im Färbebad, so zog es außerordentlich schnell an; nach Verlauf einer Minute war es so dunkel, als ein Stük beim gewöhnlichen Krappfärben in zwei Stunden wird; die vollständige Sättigung (das Ausfärben) geschah jedoch weniger schnell. Ich war nicht wenig darüber verwundert, daß die mit diesem Extract erhaltenen Farben sich durchaus nicht von denjenigen unterschieden, welche man beim gewöhnlichen Krappfärben erhält.

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Um mich von der Haltbarkeit dieser Farben zu überzeugen, behandelte ich sie 1) mit Seife; 2) im Säurebad; 3) mit Seife; 4) im Säurebad und 5) wieder mit Seife.

Ich habe die gefärbten Muster freilich nicht auf den Bleichplan ausgelegt, glaube aber, daß die Passagen durch Säure und Seife die Haltbarkeit der Farben hinreichend beweisen; dazu kommt noch, daß im Winter, wo ich meine Versuche anstellte, die Wirkung des Lichts nicht sehr merklich ist.

Bei jeder dieser Passagen ließ man die Flüssigkeit fünf Minuten lang kochen; auch wurden Säure und Seife in größerer Menge angewandt, als bei den gewöhnlichen Passagen. Den Beweis für die Solidität der Muster liefert der Umstand, daß die Farben nach diesen Passagen noch satt waren und das Lilas einen bläulichen Ton hatte.

Da dieser Versuch mit dem Farbstoff eines türkischrothen Zeugstükchens angestellt wurde, war ich begierig zu erfahren, ob man mit Mustern von gewöhnlichem Krapproth dasselbe Resultat erhält. Ich wiederholte ihn daher mit einem einhändigen rothen Muster und die Nüancen, welche ich mit dem abgezogenen Farbstoff erhielt, gaben in der Haltbarkeit den vorhergehenden nichts nach.

Ich wiederholte endlich dieselben Versuche noch mit einem violetten Muster, einem einhändigen braunen Muster und sogar mit einem Schwarzboden und erhielt stets den vorhergehenden entsprechende Resultate, d.h. es mochte mit dem schwefelsäurehaltigen Alkohol ein (in Krapp gefärbtes) rothes, schwarzes, braunes oder violettes Muster abgezogen worden seyn, so ließ sich mittelst des Extracts jede dieser Farben vollkommen rein und haltbar wieder darstellen. Nach diesen merkwürdigen Resultaten beeilte ich mich dieselben Versuche mit gänzlich erschöpftem Krapp zu wiederholen, um zu sehen, ob man damit haltbare Farben erhält: ich nahm, also Krapp aus einer Farbekufe, färbte damit so lange für türkischroth vorbereitete Zeugstükchen, als er noch Farbstoff abgab, filtrirte ihn dann, süßte ihn mehrmals aus, troknete ihn dann bei gelinder Wärme und behandelte ihn zwei Mal mit schwefelsäurehaltigem Alkohol. Ich erhielt so eine viel sattere Auflösung als mit den Mustern; sie war dunkelbraun.

Nachdem ich dieselbe wie vorher behandelt und mit Wasser verdünnt hatte, färbte ich darin mit Beizen bedrukte und gereinigte Zeugstükchen bis zu ihrer Sättigung aus. Dann troknete ich die Zeuge, um ihre Nüance mit denjenigen vergleichen zu können, welche ich mit dem von Türkischroth abgezogenen Pigment gefärbt und nicht geschönt hatte. Der Unterschied war auffallend: der Boden |210| färbte sich nicht mehr bläulichroth, sondern hell röthlichgelb ein; das Violet war schon graulich und das Roth dunkel ziegelroth, kurz das Muster sah gerade aus, als wenn es mit Elsasser Krapp ohne Zusaz von Kreide gefärbt worden wäre. Beim Schönen ergab sich, daß diese Farben nicht haltbar sind, so daß sie mir den im Extract von Türkischroth gefärbten keinen Vergleich aushalten.

Ohne besseren Erfolg wiederholte ich denselben Versuch mit einem guten Avignon-Krapp, welcher noch nicht zum Färben benuzt, sondern bloß mit Wasser von 15° R. ausgewaschen worden war.

Durch einen Zusaz von Kreide beim Färben erhielt man sowohl mit erschöpftem als mit frischem Krapp merklich bessere Resultate.

Endlich stellte ich folgenden Versuch an: Krapp, welcher bei 15° R. ausgewaschen worden war, wurde mit Seifenwasser begossen und dann einige Tage an einem warmen Orte stehengelassen. Nachdem er vollkommen ausgetroknet war, behandelte man ihn mit schwefelsäurehaltigem Alkohol und färbte in dieser (wie früher zubereiteten) Flüssigkeit, ohne genügendere Resultate zu erhalten, als bei den vorhergehenden Versuchen ohne Kreide.

Woher kommt es nun, daß die Versuche mit Extract von Krapp, der doch gerade so wie die gefärbten Muster behandelt worden war, nicht gelangen? Warum färbt das Extract eines Krapps nicht solid, wie das Extract von einem in Krapp gefärbten Muster?

Dieser Umstand liefert ein ganz neues Feld für Versuche. Zuerst vermuthete ich, daß der reine Farbstoff eine innige Verbindung mit den fetten Säuren bilde, welche entweder durch das Oehlen oder die Seifenpassagen auf den Zeug kamen und daß diese Verbindung die Eigenschaft besize, der angewandten Säure zu widerstehen.

Ob diese Annahme gegründet ist, ließ sich leicht ausmitteln: Ich nahm nämlich ein nicht geschöntes Muster von einem einhändigen rothen Dessin, passirte es bloß durch kochende Kleie, um den weißen Grund von den falben Theilen zu reinigen, und behandelte es dann mit schwefelsäurehaltigem Alkohol, wie bei den vorhergehenden Versuchen. Die erhaltene Auflösung war nach dem Filtriren hellbraun; sie wurde mit Ammoniak gesättigt, decantirt, gekocht und mit Wasser verdünnt; endlich färbte man darin ein Muster, welches nach dem Färben gut aussah, den Schönungsmitteln widerstand und vollkommen so solid war, als wenn es mit dem von geschönten Zeugen abgezogenen Farbstoff gefärbt worden wäre. Hier waren also keine fetten Säuren vorhanden, welche den Farbstoff gegen die Einwirkung der Schwefelsaure hätten schüzen können.

Indessen wirken die fetten Säuren doch in geringem Grade als |211| Schuzmittel, wie folgende Versuche beweisen: Man färbe in der Flüssigkeit, welche man durch Behandlung des bei 15° R. ausgewaschenen Avignon-Krapps mit schwefelsäurehaltigem Alkohol erhält, ein Zeugstükchen, theile es in zwei Hälften und schöne die eine, passire hingegen die andere bloß durch kochende Kleie; dann ziehe man den Farbstoff nach dem bekannten Verfahren von diesen zwei Zeugstükchen ab; färbe darin zur Vergleichung zwei neue Probestükchen, schöne sie, und man wird dann finden, daß das mit dem Extract von den geschönten Farben erhaltene etwas solider ist, als das andere.

Diese Versuche wurden mit gleichem Resultate auch mit dem Farbstoff des Elsasser-Krapps wiederholt, welcher durch schwefelsäurehaltigen Alkohol ausgezogen worden war. Diese Nüancen sind indessen nur vergleichungsweise schöner, denn gegen die wie gewöhnlich mit unversehrtem gutem Avignon-Krapp gefärbten, zeigen sie noch einen auffallenden Unterschied. Wir wollen jedoch den Faden unserer Versuche wieder aufnehmen.

Um für meine ersten Versuche über die größere oder geringere Solidität des Krapps eine Theorie zu finden und zugleich um die Natur des von soliden Probestükchen abgezogenen Farbstoffs kennen zu lernen, suchte ich mir den reinen Farbstoff von den Abschnitten zweier Stüke, wovon das eine wie gewöhnlich geschönt, das andere aber nach dem Krappen bloß durch Kleie passirt worden war, in Pulverform zu verschaffen und untersuchte dann die Eigenschaften dieser beiden Substanzen.

Untersuchung der pulverförmigen Farbstoffe.

Der Farbstoff wurde von den zwei Zeugen, wovon der eine geschönt, der andere aber nicht geschönt worden war, wie bisher mit schwefelsäurehaltigem Alkohol abgezogen, mit dem Unterschiede jedoch, daß man nach dem Verjagen des überschüssigen Ammoniaks das Erhizen der Flüssigkeit nicht einstellte, sondern so lange fortsezte, bis sie stark in die Enge gebracht war.

In beiden Fällen sezten sich zahlreiche Floken von Farbstoff ab, welche sich auf Zusaz von destillirtem Wasser noch sehr vermehrten, so daß die Flüssigkeit eine breiartige Consistenz erhielt. Der Niederschlag vom nicht geschönten Zeuge, welchen ich mit N bezeichnen will, war viel bedeutender als derjenige, welchen der geschönte Zeug lieferte und den ich mit A bezeichne, obgleich die angewandten Zeuge gleich groß waren.

Jeder der beiden Niederschläge wurde nun auf ein besonderes Filter gebracht.

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Der Niederschlag A lieferte beim Filtriren eine hellgelbe Flüssigkeit, welche beim Aussüßen desselben mit destillirtem Wasser immer Heller wurde und endlich eine konstante, kaum bemerkliche Farbe beibehielt.

Vom Niederschlag N lief eine hellbraune Flüssigkeit ab, welche sich in der Farbe lange gleich blieb, aber endlich so hell wie die vom Niederschlag A wurde: es waren ohne Zweifel die falben Theile, welche sich im lezteren Falle absonderten.

Die beiden Filter wurden so lange ausgesüßt, bis die durchgehende Flüssigkeit Barytsalze nicht mehr trübte und folglich alles schwefelsaure Ammoniak daraus entfernt war. Man ließ die Filter hierauf abtropfen und dann einige Stunden in gelinder Wärme stehen. Während dieser Zeit überzogen sich beide mit einer ungeheuren Menge kleiner orangefarbiger Krystalle, der Niederschlag N aber verhältnißmäßig noch weit mehr als der andere. Ich kann den Temperaturgrad, wobei das Austroknen Statt fand, nicht genau an, geben, er war aber nicht stark genug, um die Filter zu verkohlen oder auch nur zu braunen. Nach dem Austroknen hatte der Niederschlag N die Farbe des Elsasser-Krapps, trennte sich leicht vom Papier und konnte zwischen den Fingern zerrieben werden.32)

Der Niederschlag A war dunkelbraun, fühlte sich fett an und blieb stark am Papier kleben, so daß man ihn nicht ganz davon trennen konnte.

Beim Sublimiren wurden beide schwarz und kamen in Fluß, indem sie einen gelben Dampf entbanden, welcher den Hals der Röhre mit orangefarbigen Krystallen überzog, die den beim Austroknen des Niederschlags entstandenen ähnlich waren.

Der Niederschlag N verbreitete während des Sublimirens einen Geruch wie man ihn beim Verbrennen des Krapps bemerkt; dagegen war der Geruch des Niederschlags A bei dieser Operation unerträglich und ganz demjenigen ähnlich, welchen man beim Destilliren von Talg (zur Bereitung von Stearinsäure) bemerkt.

Beide Substanzen hinterließen nach der Sublimation eine kohlige Materie.

Als man den Niederschlag N mit destillirtem Wasser erhizte, löste er sich darin zum Theil auf und Zeugstükchen, welche in dieser Auflösung gefärbt wurden, lieferten schöne und solide Farben. Hr. H. Schlumberger hat nach seiner Methode33) das Färbevermögen |213| desselben bestimmt und gefunden, daß es eben so groß wie beim Alizarin ist, d.h. daß er 60 Mal so viel färbt, als ein gleiches Gewicht Krapp.

Der Niederschlag A blieb hingegen beim Erhizen mit destillirtem Wasser an dem Gefäß hängen und färbte selbst durch anhaltendes Kochen die Flüssigkeit nur sehr schwach, so daß man in derselben keine Zeugstükchen ausfärben konnte. Als man diesen Niederschlag A hingegen mit Alkohol behandelte, löste er sich darin sehr leicht auf, und die Flüssigkeit, welche nach dem Verdünnen mit Wasser sehr gut färbte, lieferte solide Farben; sein Färbevermögen wurde nicht bestimmt.

Beim Glühen in einem Platintiegel entbanden die beiden Farbstoffe zuerst viel gelbe Dämpfe, wurden schwarz und kamen in Fluß, indem sie im Tiegel wie ein Schwamm sich auftrieben; in der Weißglühhize hinterließen sie endlich eine leichte flokige Substanz, welche 5 bis 6 Proc. vom Gewicht der angewandten Farbstoffe betrug, sich in den Säuren nicht auflöste und nach meiner Analyse größten Theils aus schwefelsaurer Thonerde und etwas schwefelsaurem Kalk bestand.34)

Aus diesen vergleichenden Versuchen geht nun offenbar hervor, daß der Niederschlag vom Extract eines geschönten Zeuges eine Verbindung fetter Sauren mit Farbstoff ist.

Ich habe diese Versuche auch mit dem pulverförmigen Farbstoff wiederholt, welcher mit schwefelsäurehaltigem Alkohol aus Avignon- und Elsasser-Krapp ausgezogen und wie der von den Zeugen abgezogene behandelt worden war. Ich glaubte, daß man durch langes Aussüßen dieses pulverförmigen Extracts mit Wasser ein reineres Product erhalten dürfte, welches solidere Farben liefern könnte. Die Resultate waren auch allerdings genügender als beim directen Färben in einer mit Ammoniak gefällten Flüssigkeit, doch erhielt ich keine Farben, die als solid betrachtet werden konnten. Durch Zusaz von Kreide wurden die Farben auffallend besser, gerade so wie bei der angeführten Flüssigkeit.

Die pulverförmigen Farbstoffe von den beiden Krappsorten waren dunkelbraun, fast schwarz. Beim Einäschern verhielten sich alle beide wie das Pulver von gefärbten Zeugstükchen und lieferten eine eben so große Menge eines weniger flokigen Rükstands, welcher ebenfalls aus schwefelsaurem Kalk und etwas schwefelsaurer Thonerde bestand; bei dem aus Avignon-Krapp dargestellten herrschte der Kalk vor.

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Ich habe nun die vergleichende Untersuchung der pulverförmigen Farbstoffe von geschönten und nicht geschönten Zeugen, so wie die Untersuchung derselben Substanz, welche man auf directem Wege aus Elsasser- und Avignon-Krapp erhält, mitgetheilt; nun entsteht aber noch die Frage, was die Ursache der verschiedenen Resultate beim Färben ist. Warum färbt das Extract von Zeugen, sie mögen geschönt worden seyn oder nicht, solid, der aus Krapp direct ausgezogene Farbstoff aber nicht? Die Erklärung dieses Umstandes muß ich Anderen überlassen; so viel geht jedoch aus meinen sämmtlichen Versuchen hervor:

1) daß der rothe Farbstoff des Krapps dadurch, daß er sich mit den auf den Zeugen befestigten Beizen vereinigt, hinsichtlich seiner färbenden Eigenschaften nicht modificirt wird;

2) daß die Schönungsoperationen seine Eigenschaften durchaus nicht verändern;

3) daß der rothe Farbstoff des Krapps eine einfache Pflanzensubstanz und keineswegs ein Gemisch oder eine Verbindung mehrerer Pigmente ist;

4) daß dieser Farbstoff, nachdem er schon auf dem Zeuge befestigt ist, durch die Seifenpassagen noch eine innige Verbindung mit den fetten Säuren eingeht.

Bericht des Hrn. Heinrich Schlumberger über diese Abhandlung.

Man hat schon seit langer Zeit angenommen, daß die verschiedenen Farben, welche man beim Färben mit Krapp erzielen kann, von einem und demselben Farbstoffe herrühren, hatte aber bis jezt keinen sicheren Beweis dafür. Einige Chemiker glaubten in dem Krapp zwei verschiedene Farbstoffe gefunden zu haben, wovon der eine beim Färben das Roth und der andere das Violet gibt; diese verschiedenen Producte, welche sie bei ihren Analysen erhielten, müssen aber einer Veränderung des Farbstoffs durch die zur Ausscheidung desselben angewandten Agentien zugeschrieben werden. Die Versuche des Hrn. Gustav Schwartz sezen diese Frage außer Zweifel und beweisen genügend, daß alle Krappfarben, das Roth, Rosenroth, Violet etc. durch ein und dasselbe Pigment hervorgebracht werden und daß die Entstehung der einen oder anderen einzig durch die Natur des auf dem Zeuge befestigten Beizmittels bedingt ist.

Aus denselben Versuchen hat Hr. Schwartz gefolgert, daß der Farbstoff des Krapps weder während des Färbens, noch durch die Schönungsmittel modificirt wird und daß leztere an die bereits auf |215| dem Zeuge befestigte Verbindung von Pigment mit Mordant noch fette Säuren abgeben.

Ich bin von dem Ausschuß für Chemie beauftragt worden, seine Versuche zu wiederholen, und will nun meine Resultats mittheilen.

Der schwefelsäurehaltige Alkohol ist ein vortreffliches Mittel um den Farbstoff von Zeugen abzuziehen; behandelt man geschönte violette und rosenrothe Muster damit, so löst er sich leicht schon in der Kälte und augenbliklich in der Wärme auf; die Alaunerde und das Eisenoxyd, welche die Basis dieser beiden Farben bilden, werden dem Zeuge vollständig entzogen.

Merkwürdig ist, daß der von gefärbten und geschönten Zeugen abgezogene Farbstoff in dieser Flüssigkeit, obgleich sie sehr sauer ist, seine Eigenschaft solid zu färben, vollkommen behält, während eine ähnliche Auflösung, die man durch Behandlung von pulverförmigem Krapp (mit schwefelsäurehaltigem Alkohol) erhält, er mag nun zuvor mit Wasser ausgewaschen worden seyn, oder nicht, beim Färben nur unsolide Farben liefert.

Hr. Schwartz folgert aus seinen Versuchen, daß der rothe Farbstoff des Krapps, indem er sich mit den auf Zeugen befestigten Beizmitteln verbindet, in seinen färbenden Eigenschaften nicht modificirt wird. Meiner Meinung nach reichen jedoch die Versuche des Hrn. Schwartz nicht aus, um diesen Schluß zu ziehen; ich glaube im Gegentheil, daß der Farbstoff während des Färbens modificirt wird und daß ihn dann das Lösungsmittel, womit man ihn von den Zeugen abzieht, wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurükführt. In einer Abhandlung, welche ich demnächst der Gesellschaft vorlegen werde, beweise ich, daß der Farbstoff des Krapps während der Färbeoperation oxydirt wird; das Gemisch von Schwefelsäure und Alkohol ist dann natürlich sehr geeignet, um ihn zu desoxydiren und in den Zustand zurükzuversezen, worin er sich im Krapp befand.

Daß das durch Behandlung von Krapppulver mit schwefelsäurehaltigem Alkohol bereitete Extract weniger solide Farben liefert, könnte daher rühren, daß in diesem Falle das Lösungsmittel auf den desoxydirten Farbstoff wirkt und ihn so modificirt, daß er nicht mehr solid färbt, während es bei seiner Einwirkung auf den durch die Färbeoperation schon oxydirten, auf dem Zeuge befindlichen Farbstoff, ein zum Solidfärben geeignetes Extract liefert.

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Bei einem anderen Versuche erhielt ich einen Niederschlag N von dunkel zimmtbrauner Farbe, was wohl daher rührt, daß derselbe viel länger ausgesüßt worden war; übrigens besaß et dieselben Eigenschaften wie jener.

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Polyt. Journal Bd. LVII. S. 457.

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Die in der geistigen Pigmentlösung gefärbten Zeugstükchen enthalten stets Alaunerde und Kalk, wovon man sich durch Einäschern derselben überzeugen kann.

A. d. O.

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