Titel: Morin's dynamometrischer Zaum.
Autor: Morin, Arthur Jules
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXI. (S. 282–285)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065061

LXI. Beschreibung eines dynamometrischen Zaumes zum Messen des Nuzeffectes der Triebkräfte. Von Hrn. A. Morin.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Mai 1837, S. 180.38)

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Dieser Apparat besteht, wie man aus Fig. 5 und 6 sieht, aus einem gußeisernen Ringe a, der aus zwei Theilen, welche bei b, b mit Ohren, Bolzen und Schraubenmuttern verbunden sind, zusammengesezt ist. Der innere Durchmesser dieses Ringes mißt 0,80 Met., so daß man ihn selbst an große Räderwellen anlegen kann; er hat 0,16 Met. in der Breite, und in der Mitte eine Dike von 0,03 Met. An den Seiten ist er durch einen Randvorsprung g verstärkt, damit er auf diese Weise größere Steifheit erlange, und damit das seitliche Abglitschen der sich reibenden Stüke verhütet werde.

Die äußere Oberfläche der Kehle ist mit Sorgfalt abgedreht worden, weßhalb man sie in Hinsicht auf die Welle A, an welcher der Ring aufgezogen wird, nur zu centriren braucht, um eine mit dieser Welle vollkommen concentrische, cylindrische Oberfläche zu erhalten. Um diese Operation zu erleichtern, sind außen um den Ring herum symmetrisch sechs große Schrauben mit vierekigen Köpfen c, c angebracht, und durch die ihnen als Schraubenmuttern dienenden Ohren d, d geführt. Wenn der Ring an die Welle angelegt ist, so wird es ein Leichtes seyn, seine äußere Oberfläche durch gehörige Handhabung dieser Centrirschrauben zu adjustiren. Da jedoch die Gewalt, die ihn um die Welle zu drehen strebt, öfter sehr groß ist, so könnten die Schrauben verbogen und die Oberfläche der Welle ausgefurcht werden, wenn diese aus Holz bestünde. Um dieß zu verhüten, muß man den Ring nach vollbrachter Centrirung mit Keilen, die zu zwei und zwei so angebracht sind, daß ihre äußeren Oberflächen stets mit der Achse parallel laufen, stark an die Welle treiben. Das Eintreiben dieser Keile muß allmählich und nach einander geschehen, damit die ringförmige Oberfläche keine excentrische Curve bekommt.

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Wenn der Ring ein Mal concentrisch an der Welle aufgezogen ist, so umgibt man ihn mit einem gegliederten Reibungsbande h, h, welches aus 8 blechernen Platten, die durch Bolzen verbunden und nach einem etwas größeren Halbmesser als der Ring centrirt sind, zusammengesezt ist. Diese Vorkehrung ist getroffen, damit die Winkel der Glieder das Fett und die fremden Körper, welche zwischen die sich reibenden Oberflächen gelangen, aufnehmen können. Das gegliederte Band endigt sich in zwei an den Enden verstärkte und hakenförmig gebogene Halbglieder, die in die durchbohrten Köpfe zweier großer Bolzen e, e eingreifen. Leztere sind durch den aus Tannenholz bestehenden Balken B, der den Hebelarm des Zaumes bildet, geführt. Zur Befestigung dieser Bolzen an dem Balken B dienen die beiden Schraubenmuttern i, i, welche auf großen Rosetten ruhen, und welche an den mit einem Schraubengewinde versehenen Theil der Bolzen e geschraubt werden. In den unteren Theil des Balkens B ist ein Lager aus hartem Holze C eingesezt, welches Lager mit einem centrirten und mit dessen Oberfläche concentrischen Theile auf dem Ringe a aufruht. Ein oder mehrere Löcher, welche durch den Hebel und das Lager gebohrt sind, gestatten einiges Oehl nachzugießen, um die Oberfläche des Ringes schlüpfrig zu erhalten. An dem Ende des Hebelbalkens befindet sich ein Haken f, in den die Waagschale, auf welche das Belastungsgewicht des Zaumes gelegt wird, eingehakt ist. Dieser Haken muß oben eine Schraubenmutter und unten eine Verschulterung haben, und zwischen diesen beiden muß der Balken eingezwängt seyn, damit bei allenfallsigen Erschütterungen die Aufhängung nicht in Unordnung geräth.

Von der Anwendung dieses Zaumes.

Wenn man den Nuzeffect eines Wasserrades bestimmen will, so hat man sich zuerst Gewißheit darüber zu verschaffen, ob dasselbe sowohl in Hinsicht auf die äußeren Formen, als auch in Hinsicht auf die Coincidenz seines Schwerpunktes mit seiner Rotationsachse gehörig centrirt ist. Man hat daher die Schaufeln oder Eimer in guten Zustand zu versezen und so anzuordnen, daß ihr Spiel sowohl in Hinsicht auf den Zuführ- als den Abführlauf und auf die Seitenwinde gleich ist. Befände sich das Rad um seine Achse herum nicht im Gleichgewichte, so müßte man an seiner inneren Seite an den geeigneten Stellen Gegengewichte anbringen, welche das Gleichgewicht herzustellen im Stande wären. Ist dieß geschehen, so adjustirt man die Zapfenlager und die Zapfen, wobei man sie gehörig befettet, so wie auch dafür sorgt, daß an den Enden der Welle und der Zapfen keine Reibung der Ausladung Statt findet.

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Wenn der Zaum nun solcher Maßen adjustirt worden ist, so bringt man den Hebel in horizontale Stellung, worauf man vor und hinter der Welle für Böte oder Stüzpunkte sorgt, die dem Hebel zwar über und unter dieser Stellung einen Spielraum von 2 oder 3 Graden gestatten, dafür aber seine Oscillationen auf unwandelbare Weise beschranken. Diese Anordnung verhütet alle Gefahren, welche aus einer zufälligen Steigerung der Reibung des gegliederten Bandes und des Ringes erwachsen könnten; denn in Folge dieser würde der Hebel emporgehoben und mit seiner Belastung mit in die allgemeine Bewegung des Rades hineingezogen werden. Sie gewährt überdieß auch noch den Vortheil, daß die mit dem Instrumente angestellten Beobachtungen hinreichend genau werden, wenn man den Hebel des Zaumes nur dann als wirklich im Gleichgewichte befindlich betrachtet, wenn er leicht zwischen seinen beiden Stüzpunkten hin und her schwankt.

Man muß sich außerdem aber auch noch davon Gewißheit verschaffen, daß die Trägheit der in Bewegung begriffenen Massen während der Dauer des Versuches keine so großen Quantitäten Arbeit zu entwikeln vermag, daß hieraus ein merklicher Einfluß auf die Resultate erwachst. Diesen Zwek erreicht man, wenn man die Dauer der zu einer bestimmten Anzahl von Umgängen erforderlichen Zeit zu wiederholten Malen zählt; ist diese constant, so kann man gewiß seyn, daß die Bewegung gleichförmig oder wenigstens periodisch ist, und daß die durch die Trägheit entwikelte Totalarbeit für den beobachteten Zeitraum Null ist.

Ist der Apparat ein Mal zusammengestellt, so lassen sich die Versuche damit eben so leicht als in kurzer Zeit vornehmen. Von dieser Leichtigkeit soll man aber auch stets profitiren, um mehrere den verschiedenen Oeffnungen der Schuzbretter und den verschiedenen Wassertrachten, unter denen die Maschine arbeiten kann, entsprechende Reihen von Versuchen vorzunehmen. Endlich wird es gut seyn, bei jeder Reihe die Belastung allmählich von Null, wobei das eigene Gewicht des Zaumes auf die Distanz des Aufhängepunktes Beziehung hat, bis zu jener Belastung, bei der die Maschine zum Stillstehen oder dem Stillstande möglichst nahe kommt, abzuwechseln. Auf diesem Wege läßt sich leicht durch Versuche ermitteln, bei welcher Geschwindigkeit die Triebkraft am vorteilhaftesten arbeitet.

Der Zaum wiegt mit dem Ringe, dem Bande, dem Bolzen, dem Zapfenlager, dem Haken, und dem Schlüssel zum Anziehen der Schraubenmuttern nur 200 bis 250 Kilogr.; er ist daher ziemlich leicht transportabel, so daß sich jeder Maschinenbauer einen zur Bemessung |285| der Kraft der von ihm hergestellten Werke anschaffen kann und soll.

Dieser Artikel ist aus einem Werke entnommen, welches Hr. Morin unter dem Titel: „Experiences sur les roues hydrauliques “ erscheinen ließ.

A. d. O.

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