Titel: Beschreibung über Solly's Instrument.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXXI. (S. 321–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065071

LXXI. Beschreibung eines Instrumentes, womit man Schrauben in die inneren Wandungen von Röhren einlassen kann, und welches von Hrn. Edmund Solly jun. erfunden ward.40)

Aus den Transactions of the Society of arts. Vol. LI. P. I. S. 98.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Man pflegt die zu Teleskopen oder anderen optischen und mathematischen Instrumenten bestimmten Metallröhren sehr dünn zu machen; theils um ihnen so wenig Gewicht als möglich zu geben; theils aber auch, weil ihnen ihre Form an und für sich schon eine genügende Stärke verleiht. Häufig wird es jedoch nöthig auf diesen dünnen Röhren starke Sattelstüke oder andere derlei Gegenstände zu befestigen; und geschieht diese Befestigung von Außen durch Einschrauben, so gewährt sie gar häufig nicht die genügende Festigkeit, indem die Schrauben bei der geringen Dike der Röhren nur mit zwei oder drei ihrer Gänge fassen können. Um diesem Uebelstande zu steuern, pflegt man an jenen Stellen, an denen die Schrauben eingesezt werden sollen, an der inneren Wand der Röhre ein Stük Metall anzulöthen: ein Aushülfsmittel, welches nicht immer thunlich ist. Manchmal löthet man die Sattelstüke auch wohl von Außen auf; allein dadurch wird nicht nur die Dike an Stellen, die ohnedieß schon die dikeren sind, vermehrt, sondern der Arbeiter kann die Röhren auch nach dem Löthen nicht mehr so gut reinigen, so wie er nach dem Poliren und Lakiren auch gehindert ist, an irgend einem Theile der Röhren noch andere Dinge zu befestigen. Unter diesen Umständen nun lassen sich die Sattelstüke, Stege etc. am besten und haltbarsten dadurch befestigen, daß man die Schrauben umkehrt; d.h. dadurch, daß die breiten Köpfe derselben auf die innere Wandung der Röhre zu drüken haben, während die Schraubengänge außen in das dike Metall eingreifen. Leider hat es aber seine Schwierigkeiten von Innen an die Schrauben zu gelangen und sie von Innen aus gehörig fest anzuziehen. Manchmal bewerkstelligt man dieß, indem man in die der Schraube gegenüber liegende Wand der Röhre ein Loch einschneidet, |322| durch welches man einen Schraubenzieher einsenkt, und welches man später wieder mit einem metallenen Dekel verschließt: eine Methode, die dem äußeren Ansehen der Arbeiten schadet, und die sehr oft auch ganz ungeeignet ist. Man erfand daher, um von Innen an die Köpfe der Schrauben zu gelangen, innere Schraubenzieher, die man mit einem Drehbogen oder mit einem Bandrade in Bewegung sezte. Diese Vorrichtung entsprach jedoch nicht so gut, daß sie allgemein in Anwendung gekommen wäre, was denn auch Hrn. Solly veranlaßte, das Instrument, von dem es sich hier handelt, und welches vor allen bekannten bei weitem den Vorzug verdient, auszudenken.

Fig. 46 gibt eine Darstellung dieses Instrumentes vom Rüken her; in Fig. 47 sieht man es von Oben und im Durchschnitte; Fig. 48 gibt eine Ansicht von Vorne.

a ist ein kurzer Metallstab, dem eine vierekige Gestalt gegeben ist, damit er in einem Schraubstoke eingezwängt werden kann, oder damit er genau in ein vierekiges Loch, welches sich in einem gehörig fixirten Bloke befindet, eingesezt werden kann. An diesem Stabe ist ein eisernes Band b, c befestigt, welches von solcher Länge seyn muß, daß der Schraubenzieher damit so tief in eine Röhre hineingeführt werden kann, als es nöthig ist, und welches zugleich so stark ist, daß es, ohne sich zu biegen, den erforderlichen Druk auszuhalten im Stande ist. Das umgebogene Ende c dieses Bandes dient zur Aufnahme der beiden Winkelräder f und g. d ist der hintere Zapfen der Spindel d, e, in deren Ende bei e ein vierekiges, zur Aufnahme eines geeigneten Schraubenziehers dienendes Loch geschnitten ist. An dieser Spindel ist das Winkelrad f aufgezogen, welches von einem anderen Winkelrade g seine Bewegung mitgetheilt erhält. Die Achse oder Welle h dieses lezteren hat drei Stüzpunkte: nämlich einen in einem Zapfen, der sich in der Nähe des äußersten Endes des gebogenen Theiles c des eisernen Bandes befindet; den zweiten in dem Stüzpfosten i, und den dritten und lezten in dem aufgebogenen Ende b des eisernen Bandes, in dessen Nähe der achtekige Knopf oder Griff j, der zur Bewegung der Welle h dient, an dieser angebracht ist. Da ein innerer Schraubenzieher nie mit solcher Gewalt gegen den Schraubenkopf eingedrükt werden kann, wie dieß bei dem gewöhnlichen Schraubenzieher möglich ist, so wird er immer eine stärkere Neigung besizen, seitlich von dem Schraubenkopfe abzugleiten, oder die in diesem befindliche Kerbe zu verlassen. Um dieses seitliche Abgleiten zu verhüten, muß man an den Rändern des Schraubenziehers kleine Wangen anbringen, so daß er vom Ende betrachtet die Gestalt eines römischen I bekommt, wie dieß aus Fig. 49 und 50 noch deutlicher |323| erhellt. Um auch dem Verlassen der Kerbe möglichst vorzubeugen, soll diese nicht mit einer Feile, sondern mit einer Säge in den Schraubenkopf geschnitten seyn; auch sollen die Seiten des Schraubenziehers, der so kurz als möglich seyn muß, parallel seyn, damit sie so fest und genau als möglich in die Kerbe einpassen.

Man bringt die Schrauben zuweilen dadurch an Ort und Stelle, daß man sie mit Wachs an den Schraubenzieher klebt. Hier an diesem Instrumente hingegen wird die Schraube mittelst einer verschiebbaren Feder k, die man in Fig. 47 sieht, an dem Schraubenzieher festgehalten, so daß sie mittelst dieser Vorrichtung, zu deren Unterstüzung auch noch die Wangen des Schraubenziehers beitragen, mit aller Sicherheit an Ort und Stelle gebracht werden kann. Ist sie daselbst angelangt, so wird die Feder k mittelst des Knopfes l zurükgezogen, damit die Schraube fest angezogen werden kann.

In Fig. 51 und 52 sieht man einen Hohlmeißel und einen Bohrer, welcher an der Spindel e angebracht werden kann; mittelst eines solchen Hohlmeißels kann man in solchen Fällen, wo die innere verschiebbare Röhre nur wenig Raum für die Schraubenköpfe gestattet, Schrauben mit kegelförmigen Köpfen in die Metalldike der Röhre einlassen. Man müßte sich hier eines glatten Schraubenziehers ohne Wangen bedienen, um der Schraube die lezten Umdrehungen zu geben.

In Fig. 53 sieht man eine Röhre, in deren Innerem eben eine Schraube eingesezt wird, vom Ende her betrachtet. Das Sattelstük m, n soll mit vier Schrauben auf der Röhre befestigt werden; zu welchem Zweke vorher von Außen vier Löcher in die Röhre und zwei in das Sattelstük gebohrt werden, und zwar in lezteres genau in derselben Entfernung, welche die Löcher der Röhre von einander haben. Dann werden zwei Drahtstifte in diese Löcher eingestekt, womit das Sattelstük an Ort und Stelle fixirt wird, während mit dem Bohrer, Fig. 52, von Innen die für die beiden anderen Löcher n bestimmte Stelle bezeichnet wird. Nachdem dieß geschehen ist, wird der Sattel abgenommen, wo man dann die Löcher bis auf die gehörige Tiefe in ihn bohrt, womit Alles in so weit fertig ist, daß die Schrauben auf die aus Fig. 53 ersichtliche Weise von Innen eingesezt werden können. Mittelst eines kleinen, an dem Griffe j befindlichen Knopfes kann man der Schraube, so lange sie sich leicht umdreht, eine raschere Bewegung mittheilen.

Die Society of arts überreichte dem Erfinder ihre silberne Isismedaille für dieses höchst nüzliche Instrument.

A. d. R.

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