Titel: Terrasson-Fougères's Ziegelformmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XCI. (S. 409–417)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/ar065091

XCI.  Terrasson-Fougères's Ziegelformmaschine.

Aus dem Portefeuille industriel du conservatoire des arts et métiers im Polyt. Centralblatt 1837, Nr. 42 und 43.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Unter mehr als 20 Ziegelformmaschinen, welche seit etwa 30 Jahren angegeben worden sind, ist die hier beschriebene (bereits in Würtemberg, Baden und Bayern patentirte) die einzige, welche sich vorteilhaft anwenden läßt, obgleich alle von Seiten der Theorie etwas Eigenthümliches und Interessantes besizen; die größte Zahl kann zwar recht gut zur Ziegelfabrication verwendet werden, doch mit nicht gerade großer Ersparniß, weil sie durch die Aufsicht über die wenigen Operationen, die sie vollbringen, fast ein gleich großes Taglohn erfordern, als dem Handarbeiter ohne alle Maschinen gegeben werden muß.

Bei Terrasson's Maschine werden die Ziegel ohne Form gestrichen; sie schneidet 10, 20, 30, selbst 40 Ziegel auf einmal, ohne Messer und Ausschneideeisen. Der Erfinder hat die Maschine nur nach und nach und durch viele Versuche bis zu dem Grade von Vollkommenheit gebracht, auf welchem sie sich jezt befindet. Anfänglich wendete er eine Art Formen an, und mit dieser Einrichtung stellte er sich als Preisbewerber bei der Société d'Encourag. im Jahre 1828 und erhielt die goldene Medaille; seine Maschine wurde allen anderen vorangestellt. Seit dieser Zeit hat er nicht aufgehört, mit seiner Maschine zu arbeiten, und hat ihr als aufmerksamer und geschikter Beobachter einen Grad von Vollkommenheit und Einfachheit gegeben, welcher alle Anerkennung verdient. Der Erfinder hätte anfangs nur ein Patent auf 5 Jahre genommen, später wurde dasselbe auf die doppelte Zeit ausgedehnt und erlischt nun erst den 31. Decbr. 1846.

Die Grundlagen der folgenden Zeichnung und Beschreibung sind vom Erfinder selbst angegeben, und zwar nach den Maschinen in Teil, in St. Etienne im Besize von Pleney, in Grenoble und in Auxonne.

Bei der Beschreibung der in Fig. 8 bis 15 auf Tab. VI abgebildeten Figuren wird zunächst 1) das Gestell, die Kette ohne Ende und die Maschine zum Formen der Ziegel, 2) die Art, wie eigentlich geformt wird, 3) das Zerschneiden der Steine und 4) die Vorbereitung der Ziegelerde auseinandergesezt werden.

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1. Gestell, Kette ohne Ende und Formapparat.

Das Gestell besteht aus zwei langen Hölzern (Fig. 10, 11 und 12) A, B, C, die ungefähr 5 Meter Länge haben, und daher mit Verkämmung und Verschraubung aus 2 Stüken zusammengesezt seyn können. An den Enden sind diese Hölzer durch die Querstüke A', C' mit einander verbunden und befestigt, in der Mitte durch 3 Zwischenstüke B' in gehöriger Entfernung von einander gehalten. Sie ruhen mit den gegen einander gestemmten Spreizen a'a', b'b', c'c' auf drei Paar Rädern a, b, c; die ganze Vorrichtung kann daher, wie ein gewöhnlicher Wagen, von einem Orte zum anderen bewegt werden.

Die endlose Kette, welche an einem Ende zwischen diesen Bäumen angebracht ist, wird ihrer Einrichtung nach am deutlichsten durch ihre später anzugebende Bestimmung erklärt. Sie ruht auf sechs hölzernen Rollen, welche paarweise auf drei eisernen Achsen d', e', g' angebracht sind, deren Lage und Form am besten aus dem Längendurchschnitte, Fig. 12, und aus dem Querdurchschnitte, Fig. 8, zu erkennen sind.

Die Welle e', welche in der lezteren Figur gesehen werden kann, dreht sich in hölzernen Zapfenlagern, welche unten an die vorher erwähnten Längbäume angeschraubt sind; sie ist auf der einen Seite nach Außen verlängert, um das Zahnrad F, welches ihr die Bewegung mittheilt, die es selbst durch das Getrieb f erhält, welches sich an der Kurbelwelle F' befindet, und zum Beweger der Maschine wird (vergl. Fig. 10, eine obere Ansicht eines Theiles der endlosen Kette). Die beiden Scheiben E, E, welche sich auf der Achse e' befinden, lassen sich nach Beschaffenheit der zu liefernden Arbeit weiter oder näher von einander feststellen, zu welchem Zweke die Stellschrauben, die sich zu beiden Seiten von E, E befinden, angewendet werden. Die beiden Scheiben E, E haben vollkommen gleichen Durchmesser und sind beide mit etwas vorspringenden eisernen Kränzen e versehen, in welchen sich die eisernen Bolzen e'' befinden.

Die Wellen d' und g' sind der vorhergehenden ganz gleich construirt, nur sind sie nicht über die Langbäume hinaus verlängert; sie sind beide mit den Scheibenpaaren D und G versehen, welche eben so groß sind als die Scheiben E und eben so gestellt werden können; jede der Scheiben D und G ist ebenfalls mit vorspringenden Kränzen d' und g' versehen, jedoch haben diese Kranze nicht wie der Kranz e eiserne Bolzen. Die drei Wellen d'e'g' liegen in horizontaler Ebene, es wird daher auch bei gleicher Stellung der Scheiben D, E, G der zwischen den Gränzen d, e und g auf der einen und anderen Seite eingeschlossene Raum parallele Begränzungslinien haben.

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Die Zapfenlager der Welle g' ruhen auf dem Eisenstük g'' (Fig. 12), welches beweglich ist und sich an der einen Seite in eine Schraube endet; es ist durch diese Vorrichtung möglich, die Welle g' mehr oder weniger von d' zu entfernen und daher der endlosen Kette eine größere oder geringere Spannung zu ertheilen.

Die endlose Kette ist doppelt, und besteht aus zwei gleich langen Lederriemen von hinreichender Breite, welche mit der gehörigen Haltbarkeit die hinreichende Geschmeidigkeit verbinden; man erhält sie daher auch immer gut im Fett, um ihr Starrwerden zu verhüten. Den einen dieser Riemen sieht man bei H, Fig. 12, in voller Stärke, er ruht auf den drei vorher beschriebenen Scheiben D, E, G, und stemmt sich gegen die ebenfalls erwähnten Glänze d, e, g. Beide Riemen sind im Durchschnitt auch in Fig. 8 zu sehen. Auf jedem Riemen sind mit Bolzen oder Schrauben eine Art hölzerne Zähne h, h befestigt, deren Höhe und Form aus den Fig. 12, 8 und 10 zu ersehen ist; alle diese Zähne sind vollkommen gleich und bilden zwei vollkommen entsprechende Ketten, von denen jede auf die Wellen d, e und g weggeführt wird. Um ihnen eine gleichförmige Bewegung zu ertheilen und zu verhüten, daß die Zahne der einen Kette vor denen der anderen Kette etwas zurükbleiben, sind die Füße dieser Zähne entsprechend durchlocht, und durch die Löcher von je zwei gegenüberstehenden Zähnen Eisenbolzen h' geschoben, die zu beiden Seiten über die Zähne hervorstehen und mit den vorstehenden Bolzen des Radkranzes e eine Art Getriebe bilden. Es greifen nun natürlich allemal zwei Bolzen e'' gleichzeitig in einen durchgehenden Bolzen h' und verhindern eine Ungleichförmigkeit in der Bewegung beider Ketten; da die Bolzen h' in ihren Oeffnungen ein wenig hin- und hergleiten können, so lassen sich auch unbeschadet ihrer Wirksamkeit die beiden endlosen Ketten in größerer oder geringerer Entfernung von einander feststellen; sie werden immer in vollkommen gerader Linie ihre Bewegung zurüklegen, da sich alle einzelnen Glieder an die in gerader Linie liegenden vorspringenden Radkränze d, e, g andrüken.

Zwischen den Walzen D, E und G wird das Gewicht der Kolben durch die Laufräder T getragen, über welche die Riemen weglaufen; ihre Wellen bewegen sich in harthölzernen Zapfenlagern an den Längbäumen.

2. Die Art, wie die Ziegel geformt werden.

Das Streichen erfolgt, ohne daß ein Maschinentheil vorhanden wäre, welcher im eigentlichen Sinne des Wortes mit dem Namen einer Form belegt werden könnte.

Auf die Querbolzen h, welche alle in gleicher Horizontalebene |412| liegen, wird eine Platte K von bestimmter Länge, vollkommen gleicher Stärke und genau abgeglichener Oberfläche geschoben, welche so genau als möglich den Raum zwischen den hervorstehenden Zähnen der gegenüberstehenden endlosen Ketten ausfüllt. Diese Platte ist mit Sand bestreut, und ist dazu bestimmt, die gehörig vermengte, durchgearbeitete und gehörig angefeuchtete Ziegelerde aufzunehmen, welche entweder mit der Schaufel aufgetragen oder durch eine am Ende angebrachte Knettonne herbeigeführt wird, wie sie in Fig. 12 dargestellt ist. Nun kann der Arbeiter mit der Kurbel die Ketten ohne Ende in Bewegung sezen, durch welche die darauf liegende Platte fortbewegt und unter dem Preßcylinder L (Fig. 8, 10, 12) hindurchgeführt wird. Hier erfährt die Erde die erste Pressung; es ist fast so, als würde sie (wie Draht) durch eine Ziehöffnung hindurchgeführt, denn sie wird zwischen die Platte K der Ebene der Zähne an den endlosen Ketten und der Oberfläche des Preßcylinders, dessen Höhe so regulirt ist, daß er sich immer an der oberen Kante der Zähne abwindet, hindurchgedrängt, wobei alle vier Seitenebenen beweglich sind. Ist die Erde mit der Schaufel aufgetragen, so muß man sie vor dem Preßcylinder etwas ausgleichen; bei der Knettonne ist dieß nicht nothwendig, weil dieselbe, wenn einmal die Ausgangsöffnung und ihre Geschwindigkeit richtig gestellt sind, immer einen gleichförmigen Erdkörper liefert. Ist die erste Platte gehörig weit vorgerükt, so wird eine zweite angestoßen, welche die erste unmittelbar berührt, an diese eine dritte, und so fort, so daß die an einander gestoßenen Platten eine endlose Ebene über den Querbolzen der endlosen Ketten bilden.

Nachdem die Ziegelerde diese erste Pressung erfahren hat, kommt sie über die Walzen D, D; hier ziehen sich nach und nach an ihr vorüberstreichend die Zähne von ihr ab, indem sie durch D eine kreisförmige Bewegung erhalten, die sie nach Unten führt. Die erste Platte sezt aber mit der darauf befindlichen Erbmasse ihren Weg geradlinig fort, indem sie auf die Leitungswalzen I', I' trifft, die sie in ihrer Richtung erhalten und ihre fortschreitende Bewegung begünstigen; sie kommt unter die zweite Preßwalze M, durch welche die Dike der Erdmasse genau bestimmt wird, indem sie zwar noch etwas zusammengedrükt wird, doch zu beiden Seiten auch etwas heraustritt, da sich an diesen Seiten kein einengendes Hemmniß mehr vorfindet. Um die ungleichen Seiten, welche die Ziegelsteinmasse dadurch angenommen hat, wieder zu entfernen, sind in einiger Entfernung hinter dem zweiten Preßcylinder zwei Drähte n in den gehörigen Entfernungen von einander aufgespannt, welche durch die Gewichte n in ihrer schiefen Lage straff erhalten werden und durch Abschneiden |413| des Ueberflüssigen die Masse in Bezug auf Breite calibriren, wie es vorher der Cylinder M in Bezug auf die Stärke that.

Immer durch die gleichbleibende Bewegung vorwärts getrieben, kommt der Anfang der Platte K an die Zugöffnung O (Fig. 12 und 14), welche zum Zwek hat, die Seiten und Kanten der Erdmasse glatt und scharf herzustellen, da sie durch die vorhergehende Bearbeitung nicht als regelmäßig vorausgesezt werden können. Keineswegs soll diese Oeffnung eine Formveränderung hervorbringen, denn die Masse kommt schon mit denselben Dimensionen gegen sich in die Oeffnung, welche sie später behalten soll. Aber wohl soll in dieser Oeffnung noch eine Theilung der Masse bewirkt werden, wenn dieselbe erfordert wird, und zwar geschieht dieß durch den Draht o, welcher in der erforderlichen Höhe quer über die Oeffnung herabgeht.

So hat nun die Erdmasse, wenn sie durch O hindurchgegangen ist, die nöthigen Bearbeitungen bis auf das Zerschneiden in die Steingröße erfahren, und befindet sich immer noch auf der anfänglich eingelegten Platte.

Was das Detail der jezt beschriebenen Theile betrifft, so ist der erste Preßcylinder L von Holz fest zusammengeschlossen und genau rund; er bewegt sich mit seiner eisernen Achse in dem Stüke l, welches ebenfalls von Eisen ist und in dem Holze L und dem darauf geschraubten Bügel l' sich auf- und niederbewegen kann. Dieß leztere Stük l ist oben und unten mit Schrauben versehen, und kann durch die Schrauben l'', l'' in erforderlicher Lage festgestellt werden, wodurch sich die Höhe der Achse von L und somit die Stärke der Pressung bestimmt. Die beiden Schraubenbolzen L'' befestigen den erwähnten Bügel l' an die Länghölzer und verhindern, daß der Cylinder beim Durchgehen der Erdmasse in die Höhe gedrängt werde. Endlich ist bei j ein Draht gerade herüber an dem Preßcylinder vorbei ausgespannt, welcher das Anhangen der Erdmasse an den Preßcylinder verhindert, ein Uebelstand, welcher bei so vielen der bisherigen Ziegelstreichmaschinen eingetreten ist, aber durch dieß einfache Mittel sehr glüklich überwunden wurde, indem sich die Erde vollkommen von der Oberfläche des Preßcylinders ablöst.

Der Calibrircylinder M ist ebenfalls von Holz mit eiserner Achse; seine Oberfläche ist mit Filz oder grobem Tuche bedekt, und wird stets genezt durch zwei kleine Wasserstrahlen, welche aus dem Gefäße M' (Fig. 12 und 13) niederfließen. Durch die Schraube m kann seine Höhe ähnlich wie vorher bei L justirt werden.

Die Glättöffnung O ist von Holz, und ihre Wirkung zu begünstigen |414| und das Anhangen der Masse zu verhindern, sind aus dem Gefäße M' zwei kleine geneigte Röhren o' geführt, welche die nöthige Menge Wasser auf die Erbmasse bei O ausgießen.

3. Das Abschneiden der Steine.

Die auf einander folgenden Platten K, welche die bewegliche endlose Ebene bilden und die Erdmasse fortführen, haben alle an ihrer unteren Seite eine kleine Fuge p' von ungefähr einem Zoll; diese Fugen sind so genau angebracht, daß die Entfernung von zwei auf einander folgenden immer gleich groß ist. Kommt die Platte in die Gegend des Rades a, so läßt die Fuge einen kleinen Hammer p niederfallen, welcher plözlich gegen die Gloke P schlägt und dadurch dem Arbeiter ein Zeichen gibt, daß er plözlich die Bewegung der Maschine aufhalten soll. Die fortschreitende Bewegung der Ziegelmasse wird einige Augenblike unterbrochen, und in dieser Zeit wird ein Stük derselben in die erforderlichen Theile zerschnitten, welche nun wirklich geformte Ziegel darstellen können; nachher beginnt nach einer Unterbrechung von ein paar Secunden die Bewegung von Neuem. Bei der hier gezeichneten Einrichtung werden durch die Einrichtung, welche vom Erfinder das Fallwerk (la bascule) genannt wird, 22 Ziegel auf einmal abgeschnitten.

Dieß Fallwerk zeigt Fig. 9 (auf Tafel VI) im Querdurchschnitte, Fig. 11 von Oben angesehen, und Fig. 12 im Längendurchschnitte; es dreht sich in Gelenken an den Enden der beiden Säulen q, q, welche auf den Trägern Q ruhen; das eine Ende der lezteren ist mit den Langhölzern verschraubt, das andere Ende durch Q' verbunden. Das Fallwerk selbst ist eine Art Holzrahmen, welcher aus den beiden Haupthölzern R, R (die oben um q drehbar sind), aus den drei Querhölzern S, T, U und den beiden Steifen r, r besteht; alle diese Stüke sind fest und gut mit einander verbunden. Der Hebel V, dessen Drehpunkt oben in dem Träger V' liegt, ist mittelst einer Schnur oder eisernen Gelenkes v mit der Mitte des äußeren Querholzes S verbunden. Der Arbeiter, welcher die neuen Platten K auf die endlose Ebene auflegt, kann leicht in ganz kurzer Zeit am äußeren Ende des Hebels V den Rahmen aufheben oder fallen lassen. Die beiden ersten Querhölzer, S und T, sind jedes mit 11 Rollen versehen, s und t, die sich an einer frei beweglichen eisernen Achse befinden; an dem dritten Querholze U befindet sich eine Eisenplatte mit 11 Löchern u, welche diesen Rollen entsprechen; endlich zwischen den Trägern Q eine eiserne Achse mit 11 ähnlichen Rollen q und an der entgegengesezten Seite ein langer Stab x, durch die Träger x, x an die Länghölzer der Maschine befestigt (s. Fig. 9 und 11).

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Ist nun das Fallwerk wie in Fig. 9 aufgehoben und mit 11 Eisen- oder Kupferdrahten x', die eine gehörige Länge haben, so versehen, daß dieselben an X befestigt über die Rollen s und unter den Rollen t vorbeigehen, durch die Löcher u nach den Rollen q geführt sind und alsdann senkrecht nach den Gewichten X' niedergehen, mit welchen sie durch Spiralfedern verbunden sind, so wird man an dem Ende des Hebels V eine größere oder geringere Kraft anbringen müssen, um das Fallwerk am Niederschlagen zu verhindern, wozu es theils durch sein eigenes Gewicht, theils durch die Schwere der Gewichte X' getrieben wird, welche die Drähte mit größerer oder geringerer Kraft niederziehen.

Wird aber der Hebel V nicht zurükgehalten, sondern er sowohl als das Fallwerk der Einwirkung der Schwere überlassen, so wird dasselbe aus der in Fig. 9 gezeichneten Stellung in die angedeutete punktirte treten; dabei werden die Gewichte aus der Stellung X' in die Stellung X'' übergehen und die Drähte nöthigen, nach der Richtung ihrer Länge ein Stük hinzugleiten, oder eine Bewegung anzunehmen, welche der einer Sage gleicht.

Diese Drähte wirken nun beim Zerschneiden der Ziegel als Messer, ihre Wirkung wird durch die längere Bewegung bei gehöriger Spannung sehr begünstigt. Jeder dieser Drahte muß mit Genauigkeit justirt werden; alle müssen in einer Ebene und vollkommen gleich weit von einander entfernt liegen, und zwar so weit, als es die Breite der Ziegel bedingt.

Wenn die Ziegelmasse bei O nicht durchschnitten wird, so wird man auf die angegebene Art mit 11 Drähten 11 Ziegel auf einmal abschneiden; im entgegengesezten Falle aber 22 oder ein Vielfaches von 11. Denn man könnte die gestrichene Ziegelmasse leicht breiter machen und auch nach der Richtung der Höhe durch einen Draht theilen lassen. Natürlich kann man auch ein längeres Fallwerk eine richten, welches eine größere Anzahl von Ziegeln gleichzeitig abschneidet.

Sind die Ziegel auf die ganze Höhe der Masse durchgeschnitten, so hebt der Arbeiter den Hebel V, die Maschine wird durch die Kurbel wieder in ihre alte Bewegung gesezt, welche sie fortsezt, bis ein neuer Glokenschlag dem Arbeiter an der Kurbel das Zeichen zum plözlichen Anhalten gibt; der Arbeiter, welcher das Auftragen besorgt, sezt nun das Fallwerk wieder in Thätigkeit, und auf diese Art gehen die beiden Operationen des Formens und Schneidens ununterbrochen vor sich.

Zwischen zwei auf einander folgenden Glokenschlägen muß die bewegliche Ebene mit der Ziegelmasse genau um 11 Ziegelbreiten (bei der hier beschriebenen Maschine) vorgerükt seyn, denn wenn sie noch |416| nicht so weit oder etwas weiter gekommen wäre, so würde der lezte Ziegel etwas zu schmal oder zu breit abgeschnitten werden; deßhalb müssen denn auch die in den Platten K angebrachten Einschnitte in genau gleichen Entfernungen von einander stehen. Im Allgemeinen stehen die Längen der Platten K mit der Menge der abgeschnittenen Ziegel in einem solchen Zusammenhange, daß, wenn eine Anzahl von Ziegeln auf einmal abgeschnitten wird, die Gesammtbreite gleich der Länge einer der erwähnten Platten ist.

Man kann mit Leichtigkeit in der Minute das Fallwerk vier Mal niederschlagen lassen, oder 80 Steine in der Minute, d.h. 4800 in der Stunde, oder 48,000 in 10 täglichen Arbeitsstunden erzeugen. Da nun aber die Arbeiter eine so angestrengte Arbeit nicht während 10 Stunden ununterbrochen verrichten können, so kann man bei fortgesezter Fabrication nach dem Erfinder auf den Tag eine Production von 20–25,000 Stük Steinen rechnen, wobei der Arbeiter mit der Kurbel in der Minute 14 Umdrehungen macht.

Die Platten, auf welchen die Steine liegen, laufen auf einer Leitung, die unten mit Rollen versehen ist, weiter fort bis zu dem Punkte, wo die Ziegel getroknet werden sollen; die nachfolgenden Platten werden dabei zu den Bewegern der Platten mit bereits fertigen Ziegeln.

Die Drahte, deren sich der Erfinder zum Durchschneiden der Masse bedient, sind Eisen- oder Kupferdrähte von Nr. 6; er knüpft sie nicht direct an die Welle X, sondern mittelst zwischengebundener Schnüre, welche ziemlich so lang sind, daß sie von X bis t reichen, wenn das Fallwerk in der tiefsten Stellung ist. Die Gewichte X' sind ungefähr 7 Kilogr. schwer; die Spiralfedern x'' sollen zur Verminderung und Auffangung des Stoßes und plözlichen Bewegungswechsels dienen.

4. Vorbereitung der Ziegelmasse.

Terrasson bedient sich zur Vorbereitung der Ziegelmasse der Knettonne Y (Fig. 12), welche seit längerer Zeit in den Fabriken angewendet wird, wo man eine genügende Durcharbeitung und Mengung ohne vorhergehendes Schlemmen erreichen will.

Die Ziegelerde befindet sich in einer Grube eingesümpft; eine endlose Kette Z, mit Brettern oder Schaufeln z versehen, ergreift sie hier und bringt sie oben in die Tonne Y; eine stehende Welle mit drei oder vier Pferden bewegt die horizontale Welle W mit dem Zahnrade w und dem Winkelrade w'; das erste greift in z' und sezt somit die Achse Z' und die obere Walze der endlosen Kette in Bewegung; das Winkelrad w' ist mir dem ähnlichen Winkelrade y' verbunden, |417| welches sich an der Achse Y der Knettonne befindet. Hiedurch wird also ein Mal die endlose Kette, und dann zugleich die Masse, welche an Y' sich befinden, in Thätigkeit gesezt. Die Schneidemesser y'' sind schief an der Welle Y' und aufeinanderfolgend in einer spiralförmig sich um Y' windenden Ebene befestigt; sie schneiden und zertheilen daher die oben eingeschüttete Masse viel Mal, ertheilen ihr aber auch zugleich stets einen Druk nach Unten, in Folge dessen die Erdmasse durch eine am Boden angebrachte Oeffnung y austritt, welche durch die Schraube y''' und einen Schieber in ihrer Größe gestellt werden kann.

Wenn man das Kneten der Erde und Formen der Ziegel gleichzeitig verrichten will, so ordnet man die beiden Vorrichtungen so an, wie es in Fig. 12 dargestellt ist, wobei die Knettonne die bearbeitete Ziegelmasse gleich auf die bewegliche Ebene auflegt; da aber die Arbeit der Knettonne nicht so exact vor sich geht, als die der Formmaschine, so ist es vortheilhafter, erst zu kneten und die vorräthig bereitete Masse durch einen Arbeiter mit der Schaufel auf die Ebene der Platten werfen zu lassen.

Sämmtliche Abbildungen dieser Maschine sind im 20sten Theile der natürlichen Größe gezeichnet.

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