Titel: Ueber die Prüfung oder Conditionirung der Seide.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXIII./Miszelle 14 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065023_14

Ueber die Prüfung oder Conditionirung der Seide.

Da die Seide eine in hohem Grade hygroskopische Substanz ist, so kann ihr Gewicht Verschiedenheiten von 6 bis zu 8 Proc. darbieten, wenn sie entweder auf natürlichem Wege oder in Folge von Betrügereien eine größere oder geringere Menge Feuchtigkeit eingesogen hat. Man hat daher schon vor 60 Jahren in Lyon eine öffentliche Anstalt, Condition genannt, errichtet, wo die Seiden einem Hizgrade, bei dem sie ihre Feuchtigkeit verlieren, ausgesezt werden. Man hat berechnet, daß diese Anstalt ihrer Unvollkommenheiten ungeachtet den Lyoner Fabriken allein jährlich einen Verlust von einer Million Franken erspart! Bei den Fortschritten, welche die Kunst zu betrügen jedoch täglich macht, wurde dieses Verfahren immer ungenügender, es wurden deßhalb auch von Talabot, hierauf von Renaux, und in neuester Zeit von Ozanam in Lyon Vorschläge zu einer vervollkommneten Conditionirung gemacht. Die beiden ersteren dieser Methoden vermögen der Seide nur die Feuchtigkeit zu entziehen, keineswegs aber die übrigen Substanzen, womit man deren Gewicht betrügerischer Weise zu erhöhen suchte, und wozu man hauptsächlich Melasse, Honig, Kautschukauflösung, Kirschengummi, den Saft der Seidenraupenpuppen u. dergl. zu verwenden pflegt. Die Conditionirung des Hrn. Ozanam, welche sehr einfach und wohlfeil ist, und zu deren Ausführung nur 7 bis 8 Stunden erforderlich sind, während die gegenwärtig gebräuchliche ihrer 24 bis 48 erheischt, soll nun auch allen diesen Betrügereien steuern. Die Seide enthält in ihrem natürlichen unverfälschten Zustande gegen 24 Proc. fremdartiger Stoffe, welche aus Gummiharz, einem Farbstoffe und aus einem flüchtigen thierischen Oehle bestehen. Hr. Ozanam schlägt vor, um den absoluten Werth der Seide zu erfahren, sowohl diese Stoffe, als auch die zur Verfälschung angewendeten dadurch zu beseitigen, daß man die Seide mit ihrem zwanzigfachen Gewichte einer Soda-Auflösung, welche 3° am Aräometer zeigt, und mit ihrem sechsfachen Gewichte Olivenöhl bis auf 60° R. erwärmt und dann troknet. (Aus dem Mémorial encyclopédique, April 1837, S. 227.)

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