Titel: Statistische Notizen über Frankreich, England und Nordamerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXIII./Miszelle 18 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065023_18

Statistische Notizen über Frankreich, England und Nordamerika.

Wir entnehmen aus den Auszügen, welche das Echo du monde savant aus den Vorlesungen mittheilt, die von Hrn. Blanqui in Paris über Staatsökonomie gehalten werden, folgende Daten in Betreff der Hauptfactoren der Industrie der drei angegebenen Länder.

1) Steinkohlen. England gewinnt jährlich 17 Mill. Tonnen Steinkohlen, die von 150,000 Menschen zu Tage gefördert werden, und die ein Capital von 250 Mill. Fr. in Bewegung sezen. Frankreich gewinnt aus seinen 209 Gruben, von denen jedoch im Jahre 1834 nur 140 betrieben wurden, mit einem Betriebscapitale von 40 Mill. Fr. und unter Verwendung von 18,000 Menschen, jährlich nur 2 1/2 Mill. Tonnen; es steht in dieser Hinsicht dem kleinen Belgien, welches jährlich 9,200,000 Tonnen zu Tage fördert, weit nach. Nordamerika kann dermalen noch nicht in Betracht kommen, es wird aber bei seinen ungeheuren Steinkohlenlagern in Kürze nicht nur seinen eigenen Bedarf deken, sondern selbst noch eine bedeutende Ausfuhr machen.

2) Eisen. England producirt jährlich 700,000 Tonnen dieses Metalles; Frankreich nur 180,000 Tonnen. Die Tonne gewöhnlichen englischen Eisens kostet in gewöhnlichen Jahren im mittleren Durchschnitte 7 Pfd. Sterl. oder 175 Fr.; in Frankreich hingegen kostet sie 320 bis 350 Fr.!

|80|

3) Baumwolle. England verarbeitet jährlich mit 720,000 Arbeitern 150 Mill. Kilogr. rohe Baumwolle, und erzeugt damit einen Werth von 860 Mill. Fr., wovon 330 Mill. auf den Arbeitslohn, und mehr als die Hälfte auf die Interessen des Capitals und den Gewinn der Unternehmer kommen. Frankreich verarbeitet mit 600,000 Arbeitern nur 40 Mill. Kilogr. zu einem Werth von 600 Mill. Fr. Die Vereinigten Staaten verarbeiten dermalen nur 18 Mill. Kilogr. rohe Baumwolle und beziehen zur Stunde noch einen großen Theil ihres Bedarfes an Baumwollwaaren aus England und Frankreich.

4) Transportmittel. England besizt 1000 Stunden Canalstreken; die Vereinigten Staaten nur um etwas weniger, dafür sind ihre Canäle aber riesenartig. Frankreich zählt nur gegen 500 Stunden Canäle. England hat 141 Stunden vollendeter und 180 Stunden im Bau begriffener Eisenbahnen. Die Vereinigten Staaten übertreffen England hierin bei weitem, in Frankreich dagegen sind bis jezt nur einige Stunden vollendet. – England besizt 480, die Vereinigten Staaten 386 und Frankreich nur 121 Dampfboote, von denen 37 dem Staate und 84 Privaten angehören. In Hinsicht auf die Tonnenzahl kommen auf die englische Marine 2,225,000 Tonnen, auf die amerikanische im Jahre 1832 1,440,000 und im Jahre 1834 1,759,000; auf die französische 670,000 Tonnen. Im Jahre 1834 betrug die Aus- und Einfuhr zu Schiff in Frankreich 6,571,000 Tonnen; in England hingegen das Vierfache: nämlich 25,223,000 Tonnen. Auf den Hafen von London kommen 571,385; auf jenen von New-York 298,832; auf jenen von Liverpool 261,780; auf jenen von Bordeaux 69,660; auf jenen von Marseille 68,310: und auf jenen von Havre 68,070 Tonnen. England führt fast nur Erzeugnisse seiner Industrie aus; an Frankreichs Ausfuhr kommen 2/3 auf landwirthschaftliche und 1/3 auf industrielle Erzeugnisse; von jener der Vereinigten Staaten kemmen 9/10 auf Erzeugnisse des Bodens.

5) Geld. Die Vereinigten Staaten besaßen im Jahre 1834 in ausgeprägtem Gelde 342 Millionen, und außerdem waren für 560 Mill. Bankbillete in Umlauf. England besaß im Jahre 1835 an Geld 1200 Mill., wovon 4/5 in Gold, und außerdem für 1100 Mill. Bankbillets. In Frankreich ist der Geldreichthum am größten, denn es besizt für 4 Milliarden ausgeprägtes Geld, wovon 3 Milliarden in Silber und eine in Gold. Von dieser Summe fließt jedoch kaum die Hälfte dem inneren Verkehre zu, da man rechnen kann, daß sich in den Händen der Geizhälse und der Zaghaften allein eine Milliarde aufgespeichert findet! (Als Ergänzung hiezu mag Folgendes über die Banken dienen. Die französische Bank in Paris, welche ein Filial in Reims und zu St. Etienne hat, ward im Jahre 1806 mit einem Capital von 90 Mill. Fr. in Actien zu 1000 Fr. gegründet; gegenwärtig ist ihr Capital auf mehr als 100 Mill. Fr. angewachsen. Sie gibt Billete zu 1000, 500 und 250 Fr. aus; von ersteren beiden hat sie gegen 200 Mill. Fr. in Umlauf. Sie wirft im Durchschnitte eine Dividende von 9 Proc. ab; sie escomptirt und macht Vorschüsse gegen Depositen, ihre Hauptgeschäfte macht sie mit dem Staate, dem sie im Jahre 1831 über 3 Mill. Fr. vorschoß. Sie hat dermalen für 40 Mill. Depositen in ihren Cassen, wofür sie keine Interessen bezahlt. – Außerdem besteht in Lille eine Bank mit 4, in Bordeaux mit 3, in Lyon, Marseille und Rouen je zu 2 Mill. Fr. Capital und in Nantes eine mit 900,000 Fr. – Die Centralbank in London, welche 11 Filiale hat, besizt ein Capital von 275 Mill. Fr. Der Betrag ihrer in Umlauf befindlichen Billete zu 20, 10 und 5 Pfd. Sterl. beläuft sich auf 500 Mill. Fr. Außerdem zählt England noch 106 anonyme Localbanken und 638 Landbanken (country-banks). – Die Bank der Vereinigten Staaten besizt ein Capital von 198 Mill. Fr., und gibt Billete zu 5 und 10 Dollars aus. Sie zählt 25 Filiale, abgesehen von den 500 Localbanken, deren Anzahl sogar noch täglich wächst. Leztere Daten sind aus dem Journal statistique entnommen.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: