Titel: Ueber die Verbesserung des Eisens durch Anwendung von Kochsalz und Braunstein
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXXVII./Miszelle 12 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065037_12

Ueber die Verbesserung des Eisens durch Anwendung von Kochsalz und Braunstein

liest man in den französischen Zeitschriften folgenden, von Hrn. Bergingenieur Thirria bekannt gemachten Artikel. „Man hat neuerlich in Deutschland gefunden |155| daß Eisen von mittelmäßiger Qualität bedeutend verbessert werden kann, wenn man das Roheisen beim Frischen der Einwirkung von Chlor aussezt. Ich habe folgende Aufschlüsse über diese wichtige Entdekung gesammelt.

1. An den Hüttenwerken Rheinpreußens, wo das Affiniren durch den Puddlingproceß in Zug- oder Reverberiröfen vorgenommen wird, wirft man während der ganzen Dauer der Operation in kleinen Portionen einige Kilogramme eines Gemenges auf das Roheisen, welches man sich aus Kochsalz, Braunstein und Thon bereitet, und aus welchem sich unter der Einwirkung der Wärme Chlor entwikelt.

2. Im Departement des Niederrheins, wo das Affiniren in Oefen geschieht, die den in der Franche-Comté gebräuchlichen ähnlich sind, wirft man bloß während des Garaufbrechens der Luppe (avalage de la loupe) von einem Gemenge auf sie, welches in 100 Gewichtstheilen aus 23 Theilen Kochsalz, 58 Th. Braunstein und 19 Th. Thonerde besteht. Man verbraucht auf jede Operation, welche 85 Kilogr. Eisen liefert, 1,15 Kilogr. von diesem Gemenge.

3. An den Hüttenwerken in Audincourt, Dept. du Doubs, erzielte man dadurch eine Entwikelung von Chlor, daß man während des Feinmachens zu verschiedenen Zeitpunkten auf den Frischheerd, und während des Zängens (cinglage) selbst auf die Luppe Chlorkalk warf. Man verbrauchte hiebei aus jede Operation, welche 65 Kilogr. Eisen gab, 1/2 Kilogr. dieses Salzes.

„Es scheint, daß die Verbesserung des Eisens nicht bloß der Einwirkung des Chlors auf die im Eisen enthaltenen schädlichen Substanzen, nämlich den Schwefel und den Phosphor, sondern auch der Einwirkung des Alkali zuzuschreiben ist; denn man versuchte in einem Hüttenwerke in Franken auch die Anwendung von Salpeter, und erzielte damit eine merkliche Verbesserung in der Qualität des producirten Eisens.“

„Die im Dept. de la Haute-Saône gewonnenen Eisen sind von vortrefflicher Qualität; da sie jedoch nicht sämmtlich die Beschaffenheit des Feineisens haben, so könnte man ihnen diese vielleicht durch Anwendung von Chlor oder Salpeter geben. Gelänge diese Verbesserung, so könnte man an vielen Hohöfen die polithischen Eisenoxydhydrate benuzen, die gegenwärtig, selbst wenn man sie in kleinem Verhältnisse anwendet, der guten Qualität des Eisens Schaden bringen. Da diese Erze weit wohlfeiler sind, als die Bohnerze, so würde aus deren Benuzung ein sehr großer Vortheil für die Industrie erwachsen. Wir lenken daher die Aufmerksamkeit der Hüttenmeister auf diese Versuche, welche leicht und mit geringem Kostenaufwande angestellt werden können. Was bisher geschehen ist, genügt noch nicht, um sagen zu können, welche Methode dieses Verfahren auszuüben die vorteilhafteste ist: weitere Versuche allein können hierüber entscheiden.“

Wir verweisen hierüber nur noch auf das, was Schafhäutl und Böhm in ihrem Patente sagten, und was man im Polyt. Journal Bd. LIX. S. 52, und Bd. LX. S. 239 findet, so wie auf die Reinigungsmethode des Eisens mit Salpeter nach Engelhart im Polyt. Journal Bd. LIX. S. 317.

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