Titel: Ueber lange und kurze Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. XXXVII./Miszelle 6 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065037_6

Ueber lange und kurze Eisenbahnen.

Hr. J. C. Robinson, Secretär der Eastern-Counties-Railway-Compagnie, entwikelt in seinem Berichte über die Fortschritte der Arbeiten an jenen Bahnen folgende Ansicht: „Es ist ein großer, obwohl ziemlich allgemein verbreiteter Irrthum, wenn man glaubt, daß man auf kurzen Bahnstreken den vollen Vortheil aus der Benuzung der Dampfkraft ziehen könne. Je kürzer der Lauf eines Flusses, um so geringer ist im Durchschnitte seine Wassermenge, und um so mehr ist er einerseits Ueberschwemmungen und andererseits dem Vertroknen ausgesezt. Dasselbe gilt auch von den Eisenbahnen: denn je kürzer die Distanz, um so geringer ist die Durchschnittszahl des auf ihr verfahrenen Gewichtes, und um so leichter wird der Fall eintreten, daß bald zu viel, bald zu wenig Verkehr auf ihr ist. Ich bin aus der London-Greenwich-Eisenbahn zu Zeiten gefahren, wo sich in dem Wagenzuge, der von einer Maschine von 40 Pferdekräften fortgeschafft wurde, 300 Personen befanden; ich fuhr aber auch zu Zeiten, wo die ganze Gesellschaft kaum aus einem Duzend Köpfen bestand. Welches Mißverhältniß waltete hier zwischen der aufgewendeten Kraft und den erzielten Resultaten ob? In dem einen Falle ergab sich ein schöner Gewinn, in dem anderen dagegen ein bedeutender Verlust. Es ist auch keine Abhülfe möglich; denn die Maschine von 40 Pferdekräften muß arbeiten, sie mag 5 oder 500 Passagiere zu befördern haben. Derselbe Fall trifft sich an der Eisenbahn zwischen Dublin und Kingstown. Ich weiß aus sehr guter Quelle, daß an dieser aus dem angegebenen Grunde allein volle 9/10 der Dampfkraft verloren gehen; obschon sie sich dieses Verlustes ungeachtet gut rentirt. Es ergibt sich, daß, je länger eine Bahn ist, um so größer |153| auch die Bevölkerung wird, die ihrer bedarf; um so größer wird ferner die Gewißheit eines im Durchschnitte auf der Bahn zu verführenden Gewichtes, und um so sicherer wird mithin auch der Ertrag. Eine Maschine, welche von London nach Yarmouth zu fahren hat, kann stets mit mehr Sicherheit auf eine volle Befrachtung rechnen, als eine solche, die nur die beiden Endstreken dieser Bahn, d.h. die Streke von London nach Chelmsford, und von Yarmouth nach Norwich befährt.“

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