Titel: Ueber die Gelatine-Kapseln für den Arzeneigebrauch und zu anderen Zweken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 12 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_12

Ueber die Gelatine-Kapseln für den Arzeneigebrauch und zu anderen Zweken.

Hr. Mothes, Apotheker in Paris, hatte die glükliche Idee, Arzneistoffe, sie mögen pulverförmig oder flüssig seyn, wenn sie unangenehm zu nehmen sind, in luftdicht verschlossene Kapseln oder Kugeln aus Gallerte einzuschließen, wo man sie dann ohne allen Anstand wie Pillen verschlingen kann. Die Fabrication dieser Kapseln beschäftigt dermalen, obschon sie erst 2 Jahre alt ist, schon gegen 20 Arbeiter, und dürfte eine noch größere Ausdehnung erhalten, wenn das Patent ein Mal verfallen seyn wird. Nach den Angaben des Fabrikanten hat er in den Jahren 1835 und 1836 mehr als 2000 Kilogr. Gallerte erster Qualität und im Ganzen wohl 3500 Kilogr. verarbeitet. Die meisten wurden mit Copaivabalsam gefüllt, von dem Hr. Mothes im Jahre 1836 allein 1500 Kilogr. brauchte! Die Verfertigung dieser Kapseln ist sehr einfach. Man taucht nämlich ovale metallene Knöpfe, welche gehörig an einer Scheibe angebracht sind, in eine concentrirte |239| Gallerte-Auflösung; nimmt die Kapseln, nachdem sie hinreichend erstarrt sind, von den Knöpfen ab, was mit großem Leichtigkeit geschehen kann, und troknet sie endlich zuerst an freier Luft und dann an einem geheizten Orte. Sie verlieren durch das Troknen bedeutend an Umfang. Wenn sie ganz troken geworden sind, so tragt man den Arzneikörper ein, und verschließt sie mit einem Tropfen Gallerte-Auflösung. Zulezt überstreicht Hr. Mothes die Kugeln mit einer Auflösung von Benzoë in Weingeist, um ihnen einen angenehmen Geruch zu geben, und um sie gegen die Einwirkung der Feuchtigkeit der Luft zu schüzen. Wahrscheinlich dürften derlei Kapseln auch noch weitere Anwendung finden; z.B. zur Aufbewahrung verschiedener Stoffe, welche an der Luft eine Veränderung erleiden; zur Aufbewahrung von Knallpulvern, und verschiedener Zukerbäkerartikeln. Auch könnte man verschiedene Gefäße aus Gallerte bereiten, und diese dann einem Gerbeprocesse unterwerfen. Wir empfehlen diese aus dem Bulletin de la Société d'encouragement entnommene Notiz der Berüksichtigung unserer HH. Apotheker, da die meisten derselben selbst in unserer Hauptstadt, wo der Verbrauch an Copaivabalsam auch sehr groß ist, diese Gallertkapseln noch nicht führen, und oft nicht ein Mal kennen.

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