Titel: Ueber den Handel, der in Frankreich mit Menschenhaaren getrieben wird,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 15 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_15

Ueber den Handel, der in Frankreich mit Menschenhaaren getrieben wird,

liest man im Mémorial encyclopédique, Junius 1837, S. 359 Folgendes: „Die Pariser Haarschneider pflegen in den Monaten April und Mai auf allen Markten und Jahrmärkten herumzulaufen, und zwar besonders in der Normandie, in der Auvergne und in der Bretagne. Sie sammeln daselbst jährlich gegen 100,000 Kilogr. Haare, welche sie auf dem Kopfe mit 10 Fr. das Kilogr. bezahlen. Diese Haare, welche demnach schon auf den Köpfen ein Capital von einer Million Fr. bilden, werden in Paris und in den übrigen größeren Städten zu 20 Fr. das Kilogr. verkauft, so daß sie in den Magazinen angelangt, schon auf 2 Mill. im Werthe gestiegen sind. Nach dem Entfetten und Reinigen gelangen sie dann aus den Magazinen in die Hände verschiedener Haarkünstler, welche das Kilogr. im mittleren Durchschnitte mit 80 Fr. bezahlen, und folglich das Capital schon auf 8 Mill. Fr. erhöhen. Nimmt man nun an, daß alle diese Haare zu dem allerwohlfeilsten Gegenstände, nämlich zu Perrüken, verarbeitet werden; daß man zu einer Perrüke 3 Unzen Haare braucht; und daß eine fertige Perrüke im Durchschnitte 25 Fr. kostet, so gibt dieß eine Summe von 25 Mill. Fr., wovon 8 Mill. auf den Rohstoff, 1 Mill. auf den nöthigen Tüll und auf Bänder, und 100,000 Fr. auf Federn u. dergl. kommen, während der Rest für Arbeitslohn |240| und Gewinn bleibt. Bedenkt man aber, wie viele Haare zu weit werthvolleren Gegenständen, als zu Perrüken verarbeitet werden, so wird man einen Begriff von der Ausdehnung und der Einträglichkeit des Gewerbes bekommen, welches die französischen Haarkünstler treiben.“

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