Titel: Verhütung des Auswachsens der Kartoffeln durch Einweichen in Ammoniakwasser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 17 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_17

Verhütung des Auswachsens der Kartoffeln durch Einweichen in Ammoniakwasser.

Wenn man Kartoffeln 4 oder 5 Tage lang in Wasser einweicht, dem auf eine Pinte eine Unze gewöhnlichen flüssigen Ammoniaks zugesezt worden ist, so verlieren sie ihre Keimkraft beinahe ganz, so daß man sie, nachdem sie an einem luftigen Orte getroknet worden sind, ein Jahr lang aufbewahren kann. Die Kartoffeln erleiden dabei keine Veränderung; sie werden höchstens mehliger, und bei der großen Flüchtigkeit des Ammoniaks ist nach dem Troknen auch nicht eine Spur davon zu entdeken. Hr. W. H. B. Webster von Ipswich, der diese Mittheilung der Society of art in London machte, glaubt, daß man auf diese Weise hauptsächlich die zur Verproviantirung von Schiffen bestimmten Kartoffeln behandeln soll. läßt man die Kartoffeln anstatt der 5 Tage 3 Wochen lang in der erwähnten Flüssigkeit, so schrumpfen sie ein, und troknet man sie dann in Stüke geschnitten, so werden diese sehr dicht, jedoch nicht sehr hart, und spröde wie Schiffszwiebak. Der eigenthümliche Kartoffelgeschmak geht hiebei ganz verloren, und an dessen Stelle tritt ein rein mehliger, jedoch keineswegs unangenehmer. Beim Sieden verhalten sich diese Stüke beinahe wie Sago oder wie Stärkmehl, ohne jedoch ihre Gestalt zu verlieren. Hr. Webster glaubt, daß bei der angegebenen Behandlung der Kartoffeln keine chemische Veränderung derselben, sondern nur eine mechanische Consolidation, und die Austreibung von Feuchtigkeit vor sich gehe. Ganz dieselbe Veränderung soll nämlich erfolgen, wenn man die Kartoffeln in eine starke Auflösung von Salz in Wasser einweicht und wenn man dann durch wiederholtes Abwaschen wieder alles Salz wegschafft. Hr. Webster meint, daß ausgeschossene Kartoffeln mit Salzauflösung behandelt, ein vortreffliches Viehfutter geben. Endlich empfiehlt er auch noch Kartoffelstarkmehl mit etwas Kalk zu versezen und mit Wasser zu kochen, um sich einen sehr harten, halbdurchsichtigen, unauflöslichen Kleister oder Kitt zu verschaffen. (Aus den Transaction of the Society of arts. Vol. L.)

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