Titel: Steyrische Methode kalt- und rothbrüchiges Eisen zu reinigen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 4 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_4

Steyrische Methode kalt- und rothbrüchiges Eisen zu reinigen.

Das Journal des connaissances usuelles, Januar 1837, S. 25 gibt folgende Methode an, nach welcher man angeblich in Steyermark kaltbrüchiges Eisen zu reinigen pflegt. „Man röstet das Eisenerz mit einem Holzfeuer, dem man vor dem Kohlenfeuer den Vorzug gibt, und sezt es dann einige Zeit über der Luft und allen atmosphärischen Einflüssen aus. Dann bringt man es an einen Ort, an welchem das Wasser, welches darauf gegossen wird, nicht abfließen kann. Wenn es 2 bis 3 Tage lang im Wasser verweilt, so sezt man es neuerdings und bis zum vollkommenen Abtroknen der Luft aus, worauf man es abermals für 2 bis 3 Tage in's Wasser bringt, um es dann wieder zu troknen. Damit wird so lange fortgefahren, bis das Erz vollkommen rein erscheint. Man sucht das Eisen, wie die Arbeiter glauben, auf diese Weise von der mit ihm verbundenen Phosphorsäure zu befreien; es scheint jedoch, daß es mehr zur Beseitigung des Mangans, welches immer in größerer oder geringerer Menge damit verbunden ist, dient. Man müßte, um diese Frage zu lösen, das angewendete Eisenerz und das Wasser, in welches es eingeweicht wurde, einer Analyse unterwerfen. Dem sey übrigens wie ihm wolle, so sieht man in Steyermark sorgfältig darauf, daß das Erz so lange im Wasser bleibt, als noch Spuren von schwefelsaurem Kalke daran zu bemerken sind. Nach Beendigung dieser Operationen schreitet man zum Einschmelzen des Erzes, zu welchem Zweke man ihm, um den Fluß zu beschleunigen, und um das Eisen von der allenfalls noch im Erze enthaltenen Phosphorsäure zu befreien, Schiefer und Kalk beisezt.“

„Zur Reinigung und Verbesserung des rothbrüchigen Eisens bedient man sich eines ebenso einfachen und leicht ausführbaren Verfahrens. Man röstet die Erze zuerst lange und stark, und wiederholt diese Operation drei Mal, bis man glaubt, daß der größere Theil des Schwefels ausgetrieben worden ist. Dieses Rösten muß gleichfalls bei einem Holz- und nicht bei einem Kohlenfeuer vorgenommen werden. Nach demselben schreitet man zum Einschmelzen, wobei man zur Beförderung des Flusses und zur Abscheidung des Schwefels Kalk und Thon zusezt.“

„Man darf hieraus nicht schließen, daß der Phosphor und der Schwefel allein es sind, welche das Eisen kalt- und rothbrüchig machen; es können vielmehr mancherlei andere Umstände, wie z.B. die Verbindung des Eisens mit metallischen Erden, einen großen Einfluß dabei haben. Uebrigens hat die Erfahrung |235| gezeigt, daß Eisen, welches in 100 Theilen 30 Theile Kieselerde enthielt, nichts von seinen Eigenschaften verloren hatte und namentlich noch hämmerbar war; während andererseits schon ganz geringe Quantitäten anderer Stoffe hinreichen, um das Eisen ganz und gar zu verändern.“

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