Titel: Ueber die Erscheinungen, welche bei der Verbrennung der aus den Hohöfen entweichenden Gase Statt finden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 5 (S. 235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_5

Ueber die Erscheinungen, welche bei der Verbrennung der aus den Hohöfen entweichenden Gase Statt finden.

Hr. Aubertot theilte Hrn. Curaudau vor längerer Zeit eine Methode mit, deren er sich bediente, um von der aus den Hohöfen entweichenden Hize Nuzen zu ziehen. Lezterer vermuthete, daß die hieraus erwachsenden Vortheile weniger der Hize zuzuschreiben seyen, die Aubertot benuzen wollte, sondern vielmehr jener, deren Entwikelung hiebei zufällig begünstigt wurde. Er versuchte, um dieß zu beweisen, ein Blatt Papier durch die Hize zu entzünden, welche die aus dem Ofen emporsteigende Flamme erzeugte. Da dieß nur mit Mühe gelang, so fing Aubertot an zu zweifeln, daß eine Flamme, die nur so wenig Kraft besäße, die auf ihre Benuzung verwendete Mühe lohnen dürfte. Diese Ansicht bekämpfte nun aber Hr. Curaudau durch einen sehr einfachen Versuch, durch den er bewies, daß diese scheinbar schwache Flamme Wasserstoffgas und gekohltes Wasserstoffgas, die sich beide entzünden lassen, enthalte. Er leitete nämlich die aus dem oberen Theile des Ofens entweichende Flamme horizontal unter die Wölbung eines hiezu eingerichteten Zug- oder Reverberirofens, in welchem sich die Gase, nachdem die Wölbung ihrer Hize theilhaftig geworden war, unter gleichzeitigem Zuflüsse von atmosphärischer Luft entzündeten, und eine wirklich überraschende Hize entwikelten. Zur Erklärung, wie eine so intensive Hize entstehen konnte, während man doch nur die aus dem Ofen entweichende Hize zu benuzen suchte, dient: 1) daß der Heerd, auf dem die Schmelzung des Erzes von Statten ging, mit einer Kohlensäule, welche über 6 Meter Höhe hatte, bedekt war; 2) daß sich diese Gaule bis auf 2/3 ihrer Höhe in rothglühendem Zustande befand, ohne daß jedoch die sie durchströmenden Gase verbrannt wurden; 3) daß sich bei der solcher Maßen angehäuften Hize aus der Kohle fortwährend eine bedeutende Menge Wasserstoffgas und gekohltes Wasserstoffgas entwikelte, welches, da es nicht mit Sauerstoff in Berührung kam, ohne Veränderung an den oberen Theil des Ofens gelangte; 4) daß sich diese Gase in dem Momente ihres Anlangens an dem oberen Theile des Ofens auf einer zu niedrigen Temperatur befanden, als daß sie durch die Berührung, in die sie mit der kalten atmosphärischen Luft, die ihnen noch mehr Wärme entzog, kamen, entzündet werden konnten; und daß sie also der Verbrennung entgingen, weßhalb man sie bisher als ausgebrannte und nicht weiter mehr verbrennbare Rükstände betrachtete; 5) daß die Einleitung dieser Gase unter ein Gewölbe deren Abkühlung verhinderte, und daß hiedurch eine solche Ansammlung ihrer Wärme erfolgte, daß sie sich entzündeten, so wie sie mit der atmosphärischen Luft, die man zugleich mit ihnen einströmen ließ, in Berührung kamen. Es kann daher dieses Verfahren den Hüttenmeistern nicht genug empfohlen werden, indem sich durch verschiedene Modificationen desselben großer Nuzen daraus ziehen läßt. (Journal des connaissances usuelles. Jan. 1837, S. 24.)

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