Titel: Ueber die Verrükung des Nullpunktes an den Queksilberthermometern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LVI./Miszelle 9 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065056_9

Ueber die Verrükung des Nullpunktes an den Queksilberthermometern.

Die Verrükung des Nullpunktes an den Queksilberthermometern ist eine den Physikern bekannte Thatsache; unbekannt dagegen ist dermalen noch, in welcher Zeit sie eintritt, welche Ausdehnung sie erreichen kann, und von welchen Umständen sie bedingt ist. Hr. Legrand stellte in dieser Hinsicht mehrere Beobachtungen an, die für die Wissenschaft von Nuzen seyn dürften, und deren Hauptresultate sich in Folgendem zusammenfassen lassen. 1) Die Verrükung zeigt sich sowohl an Instrumenten, die einer constanten Temperatur ausgesezt sind, als auch an solchen, die den atmosphärischen Variationen unterliegen, sie scheint unter diesen Umständen an gleichen Instrumenten in gleichem Grade von Statten zu gehen. 2) Die Verrükung scheint nach Ablauf einer Zeit, welche nicht über vier Monate beträgt, ihre größte Höhe erreicht zu haben. 3) Die Verrükung ist selbst nicht an Instrumenten, die von einer und derselben Person zu gleicher Zeit verfertigt worden sind, eine und dieselbe. Die Differenz hängt weniger von der Gestalt des Reservoirs, als von dessen Beschaffenheit oder von der Dike und dem Abkühlen des Glases ab. 4) An den Thermometern mit Reservoir aus Glas beträgt die Verrükung 0,3 bis 0,5° des hundertgradigen Thermometers; an den Instrumenten mit Reservoir aus Krystallglas oder aus Email hingegen ist sie im Allgemeinen null und nichtig. 5) Die Verrükung erfolgt nicht gleichförmig; am raschesten |237| entwikelt sie sich unmittelbar nach Verfertigung des Instrumentes, nie aber so, daß die Veränderungen von einem Tage zum anderen bemerkbar wären. 6) Wenn man den Thermometer nach geschehener Verrükung bis zum Sieden des Queksilbers erhizt, und wenn man ihn dann an der Luft abkühlen läßt, so fällt der Nullpunkt wieder bis dahin, wo er nach Verfertigung des Instrumentes stand; nach und nach steigt er jedoch wieder wie früher. 7) Wenn ein Thermometer bis auf 300° erhizt und sehr langsam in einem Oehlbade abgekühlt wird, so steigt der Nullpunkt viel mehr, als wenn dieß nicht mit ihm vorgenommen worden wäre. Bei einer Reihe von Versuchen, wobei die Temperatur nicht über 290° C. stieg, betrug die Verrükung an gläsernen Reservoirs 1,4°, an Reservoirs aus Krystallglas hingegen 1,2°. 8) Ein Thermometer, der ein Mal auf 300° erhizt gewesen ist, erleidet keine Verrükung seiner Scala mehr, wenn man ihn der Luft aussezt. 9) Ein bei 300° ausgekochter, und bis zum Sieden des Queksilbers erhizter Thermometer zeigt, wenn man ihn an der Luft abkühlen läßt, ein Fallen des Siedepunktes, doch sinkt dieser nicht mehr bis auf die Stelle herab, die er unmittelbar nach Verfertigung des Instrumentes einnahm. 10) Wenn die Temperatur, bei der man einen Thermometer aussott, bedeutend geringer ist als 300°, so ist auch die Verrükung des Nullpunktes geringer. 11) Die Verrükung findet sowohl an offenen, als an solchen Thermometern Statt, aus denen die Luft ausgetrieben worden ist. Endlich kann die Verrükung nicht, wie einige Physiker glaubten, von einem durch Luftentwikelung bedingten Steigen des Queksilbers herrühren, weil sie mit Reservoirs aus Krystallglas bei gewöhnlicher Temperatur nicht eintritt, und weil sie nicht verhütet werden kann, wenn man den Thermometer offen läßt; sie scheint vielmehr nothwendig durch eine Zusammenziehung oder Verengerung des Reservoirs bedingt zu seyn. (Aus dem Mémorial encyclopédique.)

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