Titel: Lemoine's Condensator für Hochdrukdampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXX./Miszelle 3 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065070_3

Lemoine's Condensator für Hochdrukdampfmaschinen.

Schon viele Mechaniker versuchten den an den Hochdrukdampfmaschinen verloren gehenden Dampf zu benuzen; da man jedoch hiebei den Dampf immer direct benuzen wollte, so erhielt man seinen Wärmenuzeffect nur auf Kosten der Triebkraft der Maschine, welche durch den Widerstand, den der Dampf beim Austritt aus dem Cylinder erfuhr, bedeutend beeinträchtigt wurde. Hr. Lemoine, Färber in Rouen, hat nun aber einen Condensator erfunden, an welchem diese Schwierigkeit glüklich überwunden seyn soll. Er ging von dem Grundsaze aus, daß die Benuzung der Wärme des Dampfes seinem dynamischen Nuzeffecte keinen Eintrag thun sollte; und nahm sich vor die Wärme dieses Dampfes zu sammeln ohne seiner Entwikelung zu schaden: er hat vielmehr diese Entwikelung erleichtert und dadurch die Kraft der Maschine erhöht. Er läßt zu diesem Zweke den aus dem Cylinder austretenden Dampf in ein Gehäuse mit doppeltem Boden treten, durch welches Gehäuse zahlreiche, kleine, senkrechte Röhren geführt sind, welche sich einerseits über dem Gehäuse, andererseits aber in den doppelten Boden und nirgendwo in dieß Gehäuse selbst öffnen. Ein von Oben herab gelangender Wasserstrom fließt durch die ersten Röhren in den doppelten Boden hinab, von wo aus er dann gezwungen wird in den folgenden Röhren emporzusteigen um wieder auf sein Niveau zu gelangen, und so geht es durch alle Röhren fort. Da das Wasser auf diesem Wege durch dünne, außen mit Dampf umgebene Röhren strömt, so wird es sich hiebei bis zum Sieden erhizen; man erhält also nicht nur eine bestimmte Quantität siedenden Wassers, sondern es wird zugleich auch das Austreten des Dampfes erleichtert, indem der mit den Röhren in Berührung kommende Dampf verdichtet wird. Ein Condensator dieser Art, welcher seit 3 bis 4 Monaten in der Kattundrukerei der HH. Daniel u. Comp. in Déville thätig ist, liefert täglich 1200 Eimer siedenden Wassers, die lediglich durch Benuzung des Dampfes einer Hochdrukmaschine von 8 Pferdekräften gewonnen werden. Der Condensator liefert also 12,000 Liter auf 98 Centigr. erwärmten Wassers; und nimmt man an, daß das Wasser schon vorher 12° hatte, so bleiben 12,000 Liter auf 86° erhizt. Da nun zu dieser Erhizung wenigstens 260 Kil. |316| Steinkohlen erforderlich wären, so werden mehr als 2/3 des zum Heizen der Dampfmaschine verwendeten Brennmateriales realisirt. (Aus dem Temps.)

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