Titel: Ueber das Bäuchen der Wäsche unter Anwendung von Dampf
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXX./Miszelle 8 (S. 318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065070_8

Ueber das Bäuchen der Wäsche unter Anwendung von Dampf

ist in neuerer Zeit von einem Rathe des königl. Gerichtshofes in Poitiers, Hrn. Bourgnon de Layre, unter dem Titel: Traité pratique de lessivage du linge à la vapeur de l'eau ein Werk erschienen, welches im Mémorial encyclopédique sehr günstig beurtheilt wird. Die Dampfbäuche ward von Chaptal erfunden, später von Cadet-Devaux und Curaudeau vervollkommnet. Es erstanden in Paris auch mehrere Wäschereien, die nach diesem Systeme arbeiteten: namentlich die Militärwäscherei, wo monatlich 30 bis 40,000 Leintücher, das Paar zu einigen Centime gebäucht werden; und die Wäscherei im Hospital-Saint-Louis. Beide haben nun das Verfahren des Hrn. Bourgnon de Layre angenommen, welches auf einer weiteren Verbesserung der Apparate Curaudeau's beruht, und die Kosten des Waschens um 5/6 vermindert. Die Wäsche wird, nachdem sie in alkalische Lauge getaucht worden ist, durch Wasserdampf beinahe bis zur Siedhize erhizt; der Dampf verdichtet sich in ihr, und die Lauge tropft in Verbindung mit den in der Wäsche enthaltenen Unreinigkeiten in den Kessel ab, aus welchem nur wieder Dampf, nichts aber von den Unreinigkeiten emporsteigt. Die Wäsche braucht dann nur mehr gespült zu werden. Man erspart auf diese Weise 9/10 des Brennstoffes, die Seife, einen großen Theil Arbeitslohn und viel Zeit, indem 1000 Kilogr. trokene Wäsche in 6 Stunden gewaschen sind. Da die schwache und nur auf 80° R. erhizte Lauge nur auf den färbenden Theil und auf die Unreinigkeiten, welche in der Wäsche enthalten sind, keineswegs aber auf die Leinenfaden wirkt, so leidet die Wäsche bei diesem Verfahren weit weniger als sonst beim Reiben, Bürsten, Bläuen etc. Man nimmt auf 100 Pfd. trokene Wäsche 4 bis 5 Pfd. krystallisirte Soda, welche man in 45 bis 50 Pinten Wasser auflöst, um die Wäsche damit zu imprägniren. Der ganze Apparat besteht aus einem Ofen, einem Kessel mit aufgebauchtem Boden, und aus einem großen über diesem angebrachten Behälter. – Wir reihen hieran das Wesentliche dessen, was in einer der lezten Sizungen der Société d'encouragement in Paris über eine Waschmethode vorkam, die von Hrn. Duvoir empfohlen wurde, und die eigentlich in den Baumwollbleichereien und Drukereien längst bekannt ist. Die Lauge soll nämlich hienach in Dampf verwandelt werden, und da dieß in einem genau schließenden Behälter zu geschehen hat, so wird der Dampf die Lauge durch eine Röhre emportreiben, deren obere Mündung sich über der zu waschenden Wäsche befindet. Die Lauge wird daher auf die Wäsche herabfallen, und nachdem sie diese von ihrem Unrathe befreit, in den Kessel herabfallen, um dann neuerdings wieder emporzusteigen. Die Versuche, welche im Hospital St. Louis nach dieser Methode und im Vergleiche mit jener Curaudeau's vorgenommen wurden, haben gezeigt, daß sie zwar in Hinsicht auf Kostenersparniß nichts vor dieser voraus hat; daß die Wäsche aber vollkommener gewaschen wird. Die Gesellschaft beschloß, nachdem sie auch noch den Waschapparat des Hrn. Descroizilles und jenen des Hrn. Bonnemain in Betracht gezogen, und nachdem sie sich auch über einen unausgeführten Vorschlag des Hrn. Solle Bericht erstatten ließ, dem gemäß die Wäsche mittelst des bekannten Waschrades zu gleicher Zeit der Einwirkung der Lauge und des Dampfes ausgesezt werden soll, Hrn. Duvoir ihre bronzene Medaille zuzuerkennen, und einen Preis auf ein Waschverfahren auszusezen, welches nicht nur größere Vortheile gewährt, als irgend ein anderes der bisher bekannten, sondern zugleich auch die der Dampfwäscherei vorgeworfenen Mängel beseitigt. Aus dem im Eingange Gesagten dürfte hervorgehen, daß dieser Aufgabe durch Hrn. Bourgnon de Layre wenigstens zum Theil Genüge geleistet worden ist.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: