Titel: Ueber die Verwandlung unauflöslicher Salze in Krystalle, und die künstliche Darstellung von Rubinen und Corunden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXXXVII./Miszelle 11 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065087_11

Ueber die Verwandlung unauflöslicher Salze in Krystalle, und die künstliche Darstellung von Rubinen und Corunden.

Hr. Gaudin legte der Akademie der Wissenschaften in Paris unauflösliche Salze vor, welche er in mikroskopischen Krystallen von großer Vollkommenheit vermittelst eines Verfahrens erhielt, von dem er glaubt, daß es auf alle diese Körper anwendbar ist und sie in Krystallen von jeder Größe zu liefern vermag. Dasselbe besteht nämlich darin, gewisse Auflösungen in eine künstliche Atmosphäre zu bringen; stellt man z.B. unter dieselbe Gloke eine Schale mit befeuchtetem kohlensaurem Ammoniak und ein Glas, welches mit einer schwachen Auflösung eines Kalk-, Baryt-Bleisalzes etc. gefüllt ist, so sezen sich nach einigen Stunden an den Seiten des Glases sehr reine Krystalle von kohlensaurem Kalk, Baryt etc. ab. Schwefelsauren Baryt erhielt er, indem er unter eine Gloke eine Flasche mit rauchender Salzsäure und ein Standglas mit Wasser, schwefelsaurem Kalk und kohlensaurem Baryt brachte. Auflösungen eines reinen Kalksalzes liefern gewöhnlich Krystalle von der Form des Rhomboeders mit den Hauptmodificationen, während Auflösungen von Arragonit gleichzeitig Krystalle von der Form des Doppelspaths und des kohlensauren Baryts geben. Eine Auflösung von gewöhnlichem salzsaurem Kalk, die ziemlich rein von Baryt und Strontian war, lieferte auf derselben Glasplatte einerseits fast bloß Krystalle von der Form des kohlensauren Baryts und andererseits solche von der Form des Doppelspaths. Seit einiger Zeit beschäftigt sich Hr. Gaudin mit der Darstellung von symmetrischen, d.h. unzusammenhängenden Krystallen, die sich also in einem flüssigen oder gasförmigen Medium bilden müssen; so erhielt er in einen: Wirbel von Schwefeldampf Krystalle von Schwefelzinn, ähnlich denjenigen, welche der Schnee oft zeigt.

In einer früheren Sizung der Akademie zeigte Hr. Gaudin künstlich erzeugte Rubine oder Corunde, die er erhielt, indem er Kali- oder Ammoniakalaun in einem Tiegel aus Lampenschwarz mittelst des Knallgasgebläses schmolz. Eines der vorgelegten Stüke war weiß und seine mit bloßem Auge sichtbaren Krystalle wurden unter der Luppe als Würfel oder Rhomboeder erkannt; die fünf anderen Proben hatten die Farbe des |400| orientalischen Rubins, weil bei ihrer Bereitung 4 bis 5 Tausendtheile chromsaures Kali zugesezt wurden. Hr. Malaguti erhielt bei der Analyse dieser künstlichen Rubine 97 Theile Alaunerde, 1 Theil Chromoxyd und 2 Theile Kieselerde und Kalk nebst Verlust. Ihre Härte ist nicht geringer als die der natürlichen Rubine; sie rizen den Bergkrystall, Topas, Spinell und den härtesten Stahl. – Diese Entdekung ist nicht bloß in wissenschaftlicher Hinsicht interessant, sondern verspricht auch für die Industrie wichtig zu werden, indem man es vielleicht noch dahin bringen wird, sich für Uhren und physikalische Instrumente Zapfen und schneidende Werkzeuge von derselben Harte, wie sie diejenigen aus natürlichen Edelsteinen besizen und dabei von viel größeren Dimensionen zu verschaffen. (Mémorial encyclop. Jul. 1837.)

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