Titel: Ericsson's neuer Treiber für Dampfboote.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXXXVII./Miszelle 3 (S. 395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065087_3

Ericsson's neuer Treiber für Dampfboote.

Nach den Berichten, welche im Mechanics' Magazine. No. 721 enthalten sind, hat der neue Treiber, auf den sich Capitän Ericsson am 13. Jul. 1836 ein Patent ertheilen ließ, eine ihm günstige Probe ausgehalten. Das Experimentirdampfboot Francis B. Ogden, an welchem der neue Apparat angebracht ist, und welches 45 Fuß in der Länge, 8 Fuß in der Breite mißt und ohne Kiel 2 Fuß 3 Zoll tief im Wasser geht, hat nämlich das amerikanische Paketboot Toronto von 630 Tonnen, welches 14 Fuß 6 Zoll tief geht, mit einer Geschwindigkeit von 4 1/2 Knoten in der Zeitstunde gegen Wind und Fluth aus der Themse bugsirt. Der Treiber befindet sich am Hintertheile des Fahrzeuges und arbeitet ganz unter Wasser. Sein Princip beruht auf einer eigenthümlichen Anwendung der alten und bekannten Wasserschraube, durch welche eine große Triebkraft auf einen kleinen Raum concentrirt wird. Man kann sich einen Begriff von dieser Concentration machen, wenn man bedenkt, daß die angegebene Geschwindigkeit unter jenen mißlichen Umständen mit einem Apparate erzielt ward, der nur 5 Fuß 2 Zoll im Durchmesser mißt, und durch eine Hochdrukdampfmaschine betrieben wird, welche 2 Cylinder von 12 Zoll im Durchmesser und 14 Zoll Kolbenhub hat, und an der während des Versuches nur 60 Hube auf die Minute, und nicht mehr als ein Druk von 50 Pfd. auf den Quadratzoll kamen. Der neue Treiber besteht aus zwei kurzen, aus dünnem Schmiedeisen gebauten Cylindern, welche von eigens geformten Armen getragen werden, und die sich am Hintertheile des Fahrzeuges ganz unter Wasser nach entgegengesezten Richtungen um einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt drehen. An dem äußeren Umfange eines jeden dieser Cylinder ist eine Reihe spiralförmig gestellter Platten oder Flächen angebracht, die sich je nach der zu erzielenden Wirkung unter jeden beliebigen Winkel stellen lassen. Der Apparat läßt sich nach Belieben abnehmen, und auch die zu seinem Betriebe dienende Maschine läßt eine Ortsveränderung zu, so daß sie auch auf dem Verdeke und zwar an jeder Stelle desselben arbeiten kann. Segelschiffe können demnach, wie das Mechanics' Magazine meint, mittelst dieser Vorrichtung allen möglichen Nuzen von dem Dämpfe ziehen, ohne daß deßhalb irgend eine Veränderung ihres ursprünglichen Baues nöthig wäre.

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