Titel: Ueber die kalte Klärung des Runkelrübensaftes
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXXXVII./Miszelle 8 (S. 397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065087_8

Ueber die kalte Klärung des Runkelrübensaftes

schreibt das Bulletin des Sucres in Nr. 3 Folgendes: „Die Klärung, welche die wichtigste Operation bei der Zukerfabrication ist, bringt, wenn sie unter Anwendung von Hize vorgenommen wird, große Nachtheile mit sich; besonders unangenehm ist die Einwirkung der Hize auf den im Runkelrübensafte aufgelöst enthaltenen Kleber, dessen innige Verbindung mit dem Zukerstoffe durchaus in der Kälte verhütet werden soll. Auch die Einwirkung des Kalkes auf eine schwache Zukerauflösung ist bei hoher Temperatur sehr nachtheilig. Hr. Davidow empfiehlt daher so wenig chemische Agentien als möglich anzuwenden, und namentlich die heftiger wirkenden zu vermeiden. Bei dem kalten Klaren des durch Auswaschen des Markes mit reinem Wasser gewonnenen Saftes kann man die Schwefelsäure umgehen und nur Kalk allein anwenden. Den durch Auspressen gewonnenen Saft hingegen säuert Hr. Davidow per Liter mit 4 bis 5 Grammen Alaun. Wenn sich die Flüssigkeit gesezt hat und klar abgezogen worden ist, so streut er auf die Oberfläche des Saftes gleichmäßig und zu wiederholten Malen gepulverten Aezkalk (nicht Kreide), der, ohne daß die Flüssigkeit umgerührt wird, durch seine eigene Schwere zu Boden sinkt, und auf seinem Wege durch dieselbe alle Unreinigkeiten mit sich führt. Der Kalk verbindet sich mit dem Kleber und fällt mit ihm nieder; und durch die augenblikliche Erhizung, welche der Kalk in der Flüssigkeit bewirkt, gerinnt ein Theil des Eiweißstoffes. Nach einigen Minuten wiederholt man die Operation, und damit fährt man so lange fort, bis nach der Sättigung der Säure zwei Grammen Aezkalk auf den Liter Saft genommen wurden. Eine Stunde nach dem lezten Aufstreuen des Kalkes, streut man zu wiederholten Malen thierische Kohle auf die Oberfläche des Saftes, und zwar in solchem Verhältnisse, daß im Ganzen 12 bis 15 Grammen auf den Liter Saft kommen. Diese Kohle bemächtigt sich, indem sie zu Boden fällt, des in der Auflösung zurükgebliebenen Kalkes. Nach einigen Stunden bildet sich ein Bodensaz und der Saft wird klar und rosenfarb, wo man ihn dann direct auf das Dumond'sche Filter bringt. Der trübe Saft soll jedoch vorher in einem gewöhnlichen Filter durch zwei Sake laufen, von denen der eine aus einem dichten Leinen- und der andere aus einem croisirten Baumwollenzeuge besteht. Wenn man sich zum Eindiken der Schrägflächen bedienen will, so muß man den über die gekörnte Kohle filtrirten Saft noch ein oder zwei Mal aufsieden lassen, um den in ihm zurükgebliebenen Eiweißstoff vollkommen abzuscheiden. – Eine andere Methode den gesäuerten Saft kalt zu klären, bei der kein Gyps erzeugt wird, und welche vor den übrigen Methoden einen merklichen Vorzug voraus hat, besteht darin, daß man den gesäuerten Saft über gekörnte Kohlen laufen läßt. Der Saft läuft klar und farblos von den Filtern ab; und man braucht hiezu nicht ein Mal einer gar zu großen Menge Kohle. Man kann sich sogar jener thierischen Kohle bedienen, die zur Entfärbung der Syrupe verwendet worden sind, nachdem man sie vorher auf den Filtern mit siedendem Wasser ausgewaschen. Man findet hierüber das Nähere in diesem Bande des Polyt. Journals S. 140.

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