Titel: Ueber eine von Hrn. Lang erfundene Maschinerie zur Fabrication von Tauen und Seilen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. LXXXVII./Miszelle 9 (S. 397–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065087_9
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Ueber eine von Hrn. Lang erfundene Maschinerie zur Fabrication von Tauen und Seilen.

In Greenoch erschien kürzlich eine Broschüre, worin die Principien einer Maschine, die Hr. James Lang zum Behufe des Spinnens von Seilergarn erfand, so wie auch der Einfluß des neuen Verfahrens auf die Stärke und Dauerhaftigkeit der Tauwerke auseinander gesezt sind. Das Wesentliche dieser Broschüre ist dem Mechanics' Magazine gemäß in Folgendem enthalten. „Als man gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts die Seilerei nach wissenschaftlichen Principien zu betrachten und zu untersuchen begann, fand man, daß bei dem bis dahin üblichen Verfahren das Garn nicht gleichmäßig der Gewalt ausgesezt werde, und daß folglich hieraus ein bedeutender Verlust an Kraft erwachsen müsse. Die Anerkennung, welche diese Bemerkung fand, und der Eifer, mit dem man dem aufgedekten Fehler abzuhelfen suchte, ergibt sich daraus, daß vom Jahre 1783 bis zum Jahre 1807 in England nicht weniger als 22 Patente auf Verbesserungen in der Seilerkunst und der dabei zu verwendenden Maschinen genommen wurden. Eine der berühmtesten unter diesen Maschinen ward die von Capitän Huddart in London erfundene, die i. J. 1802 von den HH. Laird und Comp. in Greenock eingeführt, bald aber durch Hrn. W. Chapman in Newcastle wesentlich verbessert und vereinfacht wurde. Das Princip dieser Verbesserungen, durch welche die Taue gegen 30 Proc. an Stärke gewannen, beruhte lediglich darauf, daß man die Strange der Taue so verfertigte, daß jedes Garn seinen verhältmäßigen Antheil der auf dasselbe wirkenden Gewalt zu tragen bekam. Durch noch weitere Verfolgung dieses Principes, welches nothwendig die größte Stärke und Dauerhaftigkeit der Taue bedingt, mußte man offenbar zu noch größerer Vollkommenheit gelangen. Dazu war aber auch eine Verbesserung in der Zubereitung des Garnes erforderlich; denn durch die gewöhnliche Handspinnerei bekam das Garn augenscheinlich nicht jenen Grad von Stärke, den es der Natur des Materiales nach hätte bekommen können. Drei Patente wurden daher auch in dieser Hinsicht auf Maschinen genommen, von denen jedoch keine entsprach; nur in einigen Fabriken findet man deßhalb noch die bessere davon, nämlich die von Chapman erfundene. Jederman muß sich bei einigem Nachdenken überzeugen, daß wenn die Stärke und Dauerhaftigkeit der Taue einerseits von der gehörigen Anordnung und gleichmäßigen Vertheilung der Gewalt auf die einzelnen Garnstränge abhängt, nicht weniger auch auf die Regelmäßigkeit der Drehung des Garnes ankommt. Dieser Anforderung zu entsprechen war auch das Einzige, was nach dem erwähnten auf wissenschaftliche Principien zurükgeführten Baue der Taue noch übrig blieb. Hr. Lang, der seit mehreren Jahren sein Augenmerk auf diesen Gegenstand richtete, und der seit längerer Zeit die Werke in Greenock leitete, hat diesem Bedürfnisse durch mehrere Maschinen abgeholfen, welche sich bei wiederholter Prüfung als ihrem Zweke vollkommen entsprechend bewährten. Das Garn, welches bisher mühsam und schlecht mit der Hand gesponnen wurde, kommt nunmehr regelmäßig gesponnen aus der Maschine. Zugleich wird aber auch der Hanf, indem er über viele kleine Hecheln gezogen wird, so regelmäßig gespalten und geöffnet, daß ein Patentgespinnst aus demselben beinahe eine doppelt so große Zahl von Fasern zahlt, als ein Handgespinnst von gleicher Dike. Daß dieß gar sehr zu einer größeren Stärke beitragen muß, wird jedermann zugestehen. Abgesehen von dieser Vervielfältigung der Fasern werden dieselben auch vollkommen ausgestrekt und gerade neben einander gelegt, wodurch nicht nur eine regelmäßigere Drehung, sondern auch eine gleichmäßigere Vertheilung der Gewalt auf die einzelnen Fasern möglich wird: so zwar, daß jede einzelne Faser ihren Antheil zur Stärke des Taues beiträgt. Dieß ist auch von dem besten Handgespinnste nie zu erwarten, und doch erwächst hieraus noch ein anderer größerer Vortheil. Bei der Handspinnerei kann nämlich der Hanf nur von der Mitte gesponnen werden, so daß nur die Hälfte seiner Länge im Garne erscheint. Die Folge davon war, daß man manchen Hanf, der an und für sich eben so gut war, und den man bei seiner Wohlfeilheit sehr gut hätte brauchen können, wegen seiner Kürze verwerfen mußte. Dieß ist nun nicht der Fall mit der Lang'schen Maschine, in der der Hanf von dem Ende seiner Faser her gesponnen, und also nicht in der halben, sondern in seiner ganzen Länge in das Garn eingesponnen wird. Es erwächst Hieraus ein bedeutender Gewinn, ohne den geringsten Nachtheil für die Stärke |399| und Güte der Fabricate. Wenn man bedenkt, wie gedrükt die Taufabrication in England seyn muß, indem es unseren Nachbarn auf dem Continente nicht schwer fiel uns auf fremden Märkten zu verdrängen; wenn man ferner berüksichtigt, von welch großer Wichtigkeit die Sache für unsere Schifffahrt ist, so wird man eine Erfindung, wie diese, gewiß eifrig unterstüzen und sie auch in politischer Hinsicht als ein allgemeines Gut betrachten.“

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