Titel: Ueber die Anwendung des Torfs in den Flammöfen zum Umschmelzen des Gußeisens in Königsbrunn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. CI./Miszelle 12 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065101_12

Ueber die Anwendung des Torfs in den Flammöfen zum Umschmelzen des Gußeisens in Königsbrunn.

Die Hütte in Königsbrunn auf der Alb (Würtemberg) besteht aus einem mit heißer Luft und Holzkohlen betriebenen Hohofen, zwei Flammöfen zum Umschmelzen des Gußeisens, einigen mit heißer Luft betriebenen Frischfeuern und einem Blechschmelzwerke. In den Flammöfen brannte man bis 1833 nur Holz, seit dieser Zeit aber hat man angefangen, mit Vortheil Torf anzuwenden. Nach den Angaben des Hüttendirectors Weberling theilen Regnault und Sauvage in ihrem Reisejournal Folgendes darüber mit:

Der in der Nahe von Königsbrunn vorkommende Torf ist sehr schön dunkelbraun, enthält nur wenig erdige und sehr wenig unzerstörte pflanzliche Theile; seine Asche besteht größten Theils aus kohlensaurem Kalk. Man verkauft ihn in Steinen von der Größe der Ziegelsteine, nachdem man ihn hat 6 Wochen an der Luft troknen lassen. Auf den würtembergischen Centner gehen dann circa 130 solcher Torfsteine; das Tausend kostet 50 kr., der Transport bis zur Hütte 2 fl. – Der lufttrokene Torf ist indessen noch lange nicht brauchbar für den Zwek. Man versuchte ihn durch Pressung zu verdichten, fand aber, daß man mit Handpressen keine hinreichende Kraft anwenden könnte, daß der Torf nur wenig Wasser verlor. Man schritt daher zur künstlichen Troknung, bei welcher man auch stehen |466| geblieben ist. Der Trokenofen besteht aus einer 9 bis 12' hohen, 8' breiten, 9' tiefen gemauerten vierseitigen Kammer; der Boden derselben wird von einer gußeisernen Platte gebildet und unterhalb dieser befindet sich die Feuerung; Rost und Thür der lezteren befinden sich an der anderen Wand; die Flamme und heiße Luft streicht unter der Platte nach Hinten und gelangt dann in ein Abzugsrohr, welches hinter der Hinteren Wand der Kammer, bis zur Deke in die Höhe, dann wieder herab und unten zum Ofen herausgeführt wird; dieses gekrümmte Abzugsrohr befindet sich demnach in einer zweiten, hinter der Kammer gelegenen Abtheilung des Ofens von gleicher Höhe und Breite, aber vier Mal geringerer Tiefe wie die Kammer selbst; der Boden dieser Hinteren Abtheilung ist bloß gemauert. In der Hinteren Wand der Kammer, welche dieselbe von der zweiten Abtheilung trennt, befinden sich eine große Anzahl vierseitiger Löcher, jedoch erst 2' über der Bodenplatte beginnend. Die vordere Wand der Kammer hat unten eine Eintragsthür für den Torf, welche bis in die halbe Höhe emporreicht; ganz nahe an der Bodenplatte befinden sich auch in der vorderen Wand Oeffnungen. Die Hintere Wand der zweiten Abtheilung, durch welche unten das Rauchrohr geht, hat oben eine ziemlich weite Oeffnung. Der Luftzug tritt also durch den unteren Theil der Vorderwand ein, geht durch die Kammer hindurch, durch die Löcher der Hinterwand in die zweite Abtheilung und endlich zu der oberen Oeffnung der lezteren hinaus ins Freie. Die Krümmung des Rauchrohrs in der zweiten Abtheilung erwärmt diese ebenfalls und befördert dadurch den Luftzug. Wenn man den Trokenofen füllt, so legt man auf die Bodenplatte zuerst etwa 1' hohe hölzerne Bänke, auf diese Latten, und schüttet dann den Torf auf, indem man nur hin und wieder in die Masse Canäle von Latten einschließt, um den Luftzug durch die Masse, welcher die Wasserdämpfe hinwegführen soll, zu erleichtern. Der Ofen faßt etwa 11 1/2 Tausend Torssteine. Man feuert mit Kohlenklein und Torfabfällen. Das vollkommene Austroknen der 11 1/2 Tausend Torfsteine fordert 9 bis 10 Tage Zeit, 80 würtemb. Kubikfuß Brennmaterial. Der vollkommen ausgetroknete Torf hat fast die Hälfte an Gewicht und an Volumen verloren, ist sehr dicht, zieht aber leicht Feuchtigkeit an der Luft an, daher man ihn schnell verwenden muß.

Der Flammofen hat eine 8' lange, an der Brüke 3' breite Sohle, welche nach der am Hinteren Ende befindlichen Abstichöffnung etwas zusammen- und zu, gleich niedergezogen ist. Das Gewölbe des Ofens ist bei der Brüke 11'', hinten 8'' von der Sohle entfernt. Der Rost ist 36'' breit und liegt 18'' unter der Brüke. Das Verhältniß des Rostdurchschnitts zu dem Durchschnitt des Fuchses muß für Torf = 7 : 1 seyn. Das Kamin ist 66' hoch. Man schmilzt innerhalb 5 Stunden 40 Cntr. Gußeisen. Da der Torf fast augenbliklich verbrennt, so muß fortwährend nachgeschüttet werden, und es sind zu dem Ende in der vordern Ofenwand über dem Roste zwei Arbeitslöcher angebracht.

Man hat gefunden, daß zum Umschmelzen eines würtemb. Centners Gußeisen durchschnittlich 176 Stük Torfsteine erforderlich waren und daß der Eisenverlust nur 5,9 Proc. betrug. Bei Anwendung von Holz betrug lezterer 7,8 Proc. Die Verf. schreiben die Verminderung des Verlustes der größeren Hize und dem schnelleren Schmelzen zu.

Die Verf. sind überzeugt, daß man auch zur Anwendung des Torfs in Hohöfen gelangen werde. Freilich würde dann ein Hohofen viele Trokenöfen erfordern, da eine Beschleunigung des Troknens darum nicht räthlich ist, weil der stark erhizte Torf an der Luft Feuer fängt. Indessen ließe sich die Troknung des Torfs durch zwekmäßigere Einrichtungen der Apparate wohl beschleunigen; auch die Gichtflamme ließe sich hiezu verwenden. (Annal. d. Min. X. S. 289. Polyt. Centralbl. Nr. 26.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: