Titel: Ueber die Ventilirung der Eisenbahntunnels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. CI./Miszelle 6 (S. 462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065101_6

Ueber die Ventilirung der Eisenbahntunnels.

Als Nachtrag zu demjenigen, was wir unseren Lesern Bd. LXV. S. 110 über die Luft in den Eisenbahntunnels in sanitäts-polizeilicher Hinsicht vorgelegt haben, geben wir nun auch jene Versuche, welche der bekannte Luftreiniger Dr. Reid an demselben Tunnel, der unseren früheren Berichten zum Grunde lag, angestellt hat. Der Tunnel der von Leeds nach Selby führenden Eisenbahn, um den es sich hier handelt, hat bei einer Länge von 700 Yards nur zwei Ventilirschächte, und obwohl zur Beförderung der Ventilirung in denselben weder Feuer, noch irgend eine mechanische Vorrichtung benuzt wird, so ist Hr. Reid doch überzeugt, daß die darin herrschende Luft den Reisenden auch nicht die geringste Gefahr bringt. Er stüzt diese Ansicht hauptsächlich auf folgende Gründe: 1) Die Prüfung vieler und unter den ungünstigsten Umständen in dem Tunnel genommener Proben hat gezeigt, daß die durch die Maschinen entwikelte Kohlensäure nicht ein Mal ein Procent beträgt: eine Quantität, die zu gering ist, als daß sie der Gesundheit nachtheilig werden könnte. 2) Zu demselben Resultate gelangt man, wenn man die während des Durchlaufens durch den Tunnel verzehrte Quantität Kohks und die dadurch erzeugte Quantität Kohlensäure mit dem in dem Tunnel enthaltenen Volumen Luft vergleicht. 3) Die Kohlensäure ist nicht gleichmäßig im Tunnel verbreitet. Sie muß nothwendig sehr heiß seyn und eine große Menge Wasser enthalten; so wie sie sich der Luft nähert, muß ihre Temperatur sinken. Die Wärme und Feuchtigkeit heben aber alle durch die Kohlensäure erzeugte Erhöhung der Dichtheit auf; und aus zahlreichen Versuchen hat sich ergeben, daß die schwereren Gase sich nicht nur aus der Luft, mit der sie vermengt wurden, abscheiden, sondern daß sie dieselbe selbst dann zu durchdringen streben, wenn sie durch Körper, durch welche sie hindurch gelangen können, davon geschieden sind. 4) Die Temperatur der Luft im Tunnel wich während der den Versuchen gewidmeten Woche von jener der äußeren Luft nur wenig ab, da die größte Differenz nicht über 6 Grade betrug. Im Ganzen ist jedoch die Temperatur der Luft im Tunnel eine gleichmäßigere. In einem Falle stieg die Temperatur oben an dem Ventilirschachte während des Durchlaufens der Locomotive durch den Schacht rasch von 37 auf 40 Grad F.; kaum war aber der Dampf verschwunden, so sank die Temperatur wieder auf 37 herab. 5) endlich zeigte sich in keiner der genommenen Luftproben außer dem erwähnten geringen Gehalte an Kohlensäure irgend eine andere Unreinigkeit. (Revue britannique. April 1837.)

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