Titel: Dr. Reid's Lufterneuerungs-Methode.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. CI./Miszelle 7 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065101_7
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Dr. Reid's Lufterneuerungs-Methode.

Hr. Dr. Reid beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit einer Verbesserung des Ventilirsystemes im Hause der Gemeinen in England. Die in dieser Hinsicht vorgenommenen Versuche, bei denen man 540 Personen in den Saal sperrte, sollen günstig ausgefallen seyn Die getroffenen Vorrichtungen bestanden im Wesentlichen in Folgendem. Unter dem ursprünglichen Boden des Saales ward ein zweiter Boden angebracht, in welchen 20 bis 30 Löcher von beiläufig 18 Zoll im Durchmesser geschnitten waren. Durch diese Löcher hätte die kalte oder heiße Luft einzutreten, und um sie zwischen den beiden Boden gleichmäßiger zu vertheilen, waren unmittelbar über den Löchern Tafeln angebracht, die auf sehr kurzen Füßen ruhten. In den Saal selbst drang die Luft endlich durch 350,000 Löcher, welche in den eigentlichen Boden gebohrt waren und an dessen Oberfläche nur 4 Millimeter im Durchmesser hatten, während sie sich nach Unten zu, um deren Verstopfung zu verhüten, erweiterten. Zum Behufe des Austrittes der verdorbenen Luft ward jedes Hauptbrett des mittleren Feldes der Deke um einige Zoll über seine stehenden Siegel emporgehoben. Ferner ward in einer Entfernung von 20 Fuß von der östlichen Mauer des Gebäudes eine große kreisrunde Säule errichtet, in welcher sich in einer Höhe von 10 Fuß über dem Erdboden ein sehr großes Kohlenfeuer befand. Dieses hätte die in dem übrigen Theile der Säule enthaltene Luft zu verdünnen. Der unter dem Feuer befindliche Theil der Säule communicirte mit einem vierekigen Canale, der mit dem Saale in unmittelbarer Berührung stand, und der sich bis zu dem zwischen dem inneren Plafond und dem alten Dache des Gebäudes befindlichen Raume erstrekte. Wenn die Luft in der Säule erhizt und mithin verdünnt wurde, so mußte in dem vierekigen Canale ein von Oben nach Unten führender Luftzug entstehen, der nothwendig die verdorbene Luft aus dem Saale entfernte. Die Thätigkeit der Säule und des Canales könnte natürlich durch Ventile regulirt werden. Um die Wirksamkeit dieses Systemes zu erweisen, erfüllte man den Saal so sehr mit Rauch, daß man kaum auf 14 Fuß vor sich sehen könnte. Der Rauch verschwand in Folge der Thätigkeit der Säule in 1 1/2 Minuten. Ebenso schnell könnte ein starker, durch Aether und andere Dinge verbreiteter Geruch entfernt werden. Bei allen diesen Versuchen wechselte die Temperatur nur um 2° F.; Hr. Reid machte sich übrigens anheischig, die Temperatur im Saale zu jeder Zeit bis auf jene der äußeren atmosphärischen Luft herab abzukühlen. Minder günstig sollen die Versuche über die Fortpflanzung des Schalles ausgefallen seyn, womit sich Dr. Reid gleichfalls beschäftigte. (Recueil industriel. Mai 1837, S. 212.)

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