Titel: Guillot's Zellenwagen zum Transporte der Sträflinge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 65, Nr. CI./Miszelle 8 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj065/mi065101_8

Guillot's Zellenwagen zum Transporte der Sträflinge.

Das Mémorial encyclopédique enthält in seinem Juliushefte folgende Beschreibung der Wagen, welche man dermalen in Frankreich zum Transporte der Sträflinge verwendet, und an denen Hr. Guillot das Zellen- und Absperrungssystem, welchem man in Frankreich, in den Vereinigten Staaten und zum Theil auch in England huldigt, auf den höchsten Grad der Entwikelung gebracht haben dürfte. Der Zellenwagen hat bei einer Länge von 14 Fuß die Gestalt eines Omnibus, in welchem die Sträflinge jedoch nicht neben einander, sondern gegenüber sizen. Die beiden Zellenreihen sind durch einen Gang getrennt, welcher 5 Fuß 4 Zoll Höhe hat, höher liegt als die beiden Seiten, und in welchem sich die Wächter von einer Zelle zur anderen begeben können. Zu jeder Seite dieses Ganges befinden sich 6 Zellen, in denen die Sträflinge unter fortwährender Aufsicht der Wächter sizen, ohne unter sich oder nach Außen durch Laute oder Gesicht communiciren zu können; so zwar, daß die Sträflinge von einem Orte zum anderen geschafft werden, ohne daß einer eine Sylbe gesprochen und einen seiner Gefährten auch nur mit einem Blike gesehen hat. Jede Zelle hat 22 Zoll Breite und 38 Zoll Länge, für die Füße ist eine eigene Verlängerung angebracht. Im Inneren, welches mit Roßhaarpolstern ausgefüttert ist, befinden sich 2 lederne Taschen, von denen die eine zur Aufnahme des dem Sträflinge zu reichenden Brodes und die andere für den Wein bestimmt ist. Diese Nahrungsmittel werden täglich 3 Mal erneuert. In der Deke des Wagens ist ein durchlöchertes Blech angebracht, welches zur Ventilirung dient und durch welches jeder Sträfling mittelst einer Klappe |464| eine größere oder geringere Menge Luft in seine Zelle eintreten lassen kann. Zur Erleuchtung der Zelle dient ein Gukloch von 3 bis 4 Zoll. Unter jedem Size befindet sich eine Nachtstuhlbrille, von der ein Trichter aus Zink oder Eisenblech ausläuft, damit der Unrath solcher Maßen auf die Straße abgeleitet wird. Der Sträfling wird bei der Abfahrt in seine Zelle gebracht, und verläßt diese erst nach seiner Ankunft an dem Ort seiner Bestimmung. An ein Entweichen ist nicht zu denken. Die Thüren aus Eichenholz sind mit Eisen beschlagen, und jede derselben hat ein doppeltes Fach, wovon das eine zum Einführen der Nahrungsmittel dient, während das andere, welches vergittert ist, die Beaufsichtigung der Sträflinge erleichtert. Nach Außen zu sind gar keine Oeffnungen im Wagen angebracht; vielmehr hat hier der Wagen überall eine Fütterung aus Blech. Abgesehen von den beiden im Inneren des Wagens sizenden Wächtern, sizt auch noch Außen ein Gensdarme; weitere Escorte ist keine nöthig. Diese Wagen sind, was kaum glaublich scheinen dürfte, leichter als die gewöhnlichen Diligencen, und werden mit 5 Pferden bespannt. – Dieß sind die von den Sträflingen so gefürchteten Wagen, von denen in den öffentlichen Blättern so Schauderndes erzählt wurde!

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