Titel: Essex, über die Emailmalerei.
Autor: Essex, Alfred
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XVI. (S. 64–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/ar066016

XVI. Ueber die Emailmalerei, von Alfred Essex.

Im Auszuge aus dem Philosoph. Magazine. Jun. 1837, S. 442.

Die schäzbare Abhandlung über Glasmalerei, welche vor einiger Zeit im Philosoph. Magazine (Polyt. Journal Bd. LXV. S. 141) mitgetheilt wurde, veranlaßt mich zur Mittheilung einer kurzen Nachricht über die mit jener in naher Verbindung siehende Emailmalerei.

Es sey mir vorher gestattet, ein paar Bemerkungen über Glasmalerei mitzutheilen.

Cooper bemerkt in der Abhandlung über die Zusammensezung des alten Rubinglases (Ann. of philosophy sec. ser. v. VII. 105.), der vorzüglichste Unterschied zwischen altem und neuem Rubinglase bestehe darin, daß jenes ein hartes und strengflüssiges Crownglas zur Basis habe; das jezige aber Flintglas. Dieß gilt noch jezt (Cooper schrieb 1824), und man kann hinzufügen, daß das neue Rubinglas auch noch in anderer Hinsicht dem alten nachstehe; während nämlich das leztere der Hize des Glasofens ausgesezt ist, seine Farbe unverändert beibehält, so leidet das erstere dabei beträchtlich und wird bisweilen fast schwarz. Die Wichtigkeit dieses Umstandes ist einleuchtend, wenn man erwägt, daß zu Folge desselben es unmöglich ist, auf neues Rubinglas zu malen, da die zum Einschmelzen der Farben nöthige Hize dasselbe verderben würde. Um diese Schwierigkeit zu umgehen, nehmen die neueren Künstler zu folgendem |65| Mittel ihre Zuflucht. Sie malen auf gewöhnliches Glas in der Nüance der Farben, die der Rubingrund fordert, und befestigen dann das Rubinglas auf der Rükseite, so daß das Fenster in diesem Falle aus zwei Platten besteht.

Der Verf. jener Abhandlung bemerkt, daß das Material, womit die alten Glasmacher ihr Glas roth färbten, Kupferoxydul gewesen sey; indessen ergibt sich aus der von Cooper angestellten Analyse, daß er auch einen reichlichen Niederschlag von Chlorsilber erhielt.10)

Man glaubt gewöhnlich, und auch der Verf. jener Abhandlung nimmt es an, daß Kupfer das Grün in der Emailmalerei liefert. Diese Angabe ist richtig, wenn man sie auf die Erzeugnisse der Künstler beschränkt, welche vor Hrn. Charles Muß im Email malten. Dieser Künstler aber wandte, wie ich es auch thue, Chromoxyd zur Erzeugung des Grün an, und entfernte das Kupfer gänzlich. Eben so wende ich zur Erzeugung der Emailfarben weder Eisen noch Mangan an.

Wenn der Verf. des Aufsazes über Glasmalerei bemerkt, daß die Nachrichten, welche man in verschiedenen Werken über diese Kunst findet, keineswegs genügend und vollständig sind, so kann man diese Bemerkung mit vollem Rechte auch auf die eben so interessante und schöne Kunst der Emailmalerei anwenden. Die Schriftsteller über das Emailliren werfen die Kunst in Email zu malen mit der Kunst auf Glas oder Porzellan zu malen zusammen, obgleich diese drei |66| Künste eben so verschieden sind, als ihre Produkte: ein gemaltes Fenster, eine reich verzierte Vase und ein Emailgemälde.

Email ist eine Substanz, die zur Basis ein weißes und vollkommen durchsichtiges Glas hat. Wird eine kleine Menge Goldoxyd, Kupferoxyd, Kobaltoxyd oder einiger anderen Metalloxyde zu dieser Basis gesezt, so liefert sie ein gefärbtes durchsichtiges Email. Dieses Email wird auf Silber und Gold gelegt, und zur Verzierung von Dosen, Uhrgehäusen und ähnlichen Artikeln angewandt. Vor der Anwendung des Emails werden verschiedene Muster in das Metall gravirt, die durch die Reflexion des Lichts in ihren glänzenden Zügen dem gefärbten Email ein sehr schönes Lüstre geben. Bisweilen werden diese emaillirten Bijouteriewaaren noch mit Gemälden in Email verziert, die man auf einen durchsichtigen Grund legt, hinter welchem das gravirte Gold sich befindet, das dann einen großen Glanz über das Bild verbreitet. Den schönsten Effect bringt in dem Falle, daß darauf gemalt werden soll, das opalescirende Email hervor, welches die Emailleurs Opal nennen; die milchweise und glänzende Farbe des Edelsteins wird diesem Email durch Arsenikoxyd ertheilt.

Wird dem erwähnten durchsichtigen Email Zinn- oder Antimonoxyd zugesezt, so entsteht ein undurchsichtiges Email. Ich vermuthe, bin dessen aber nicht gewiß, daß Antimonoxyd in einigen Venetianischen Emails enthalten ist. Ich habe ein Email mit bloßem Antimonoxyde als färbende Substanz bereitet, welches weißer war, als die Proben aus ausländischen Fabriken, und in hohem Grade das wachsartige Ansehen besaß, das früher so sehr von den Verfertigern der Zifferblätter für Uhren geschäzt wurde. Indessen die Substanz, welcher das Email gewöhnlich seine weiße Farbe und Undurchsichtigkeit verdankt, ist Zinnoxyd.11)

Das Email, welches zur Verfertigung der Platten dient, auf welchen man die Emailbilder ausführt, kommt aus Venedig. Es hat die Gestalt runder Kuchen von 3 bis 7 Zoll Durchmesser, 1/2 bis 3/4 Zoll Dike und 12 bis 3 Pfd. an Gewicht. Es ist milchfarben, schwer, weniger spröde als Glas, und hart genug, um Crownglas zu rizen. Sein Bruch ist muschelig, und besizt einen harzartigen Glanz; es schmilzt bei einer Temperatur, die etwas niedriger liegt, als der Schmelzpunkt des Goldes. Der Preis desselben schwankt zwischen 12 bis 20 Schillingen das Pfund. Ich habe es nicht analysirt, |67| aber seine Bestandtheile sind nach verschiedenen Autoren Kieselerde, ein Alkali und die Oxyde von Blei und Zinn, so wie, nach meiner obigen Vermuthung, auch Antimonoxyd.

Jede Emailfarbe besteht, wie das Email selbst, aus einem vollkommen farblosen und durchsichtigen Glase als Basis, und verdankt seine Färbung einem Metalloxyde. So bilden Kieselerde, Borax und das rothe Bleioxyd die Basis oder den Fluß einiger Farben. Die Eigenthümlichkeiten der Oxyde machen es nöthig, jedes derselben nach seiner Weise zu behandeln, so ist z.B. der Fluß, welcher sich am besten eignet, um eine schöne Farbe mit Gold zu erzeugen, ohne Wirkung, wenn er mit Kobaltoxyd gebraucht wird.

Die Platten für die Emailmalerei werden folgendermaßen zubereitet: Eine Platte von Gold oder Kupfer12) wird nach einander mit 3 verschiedenen Lagen von Email überzogen. Man reibt das Email zuerst in einem Agatmörser, und schmilzt es dann lageweise auf. Nachdem die Platte auf diese Weise vorbereitet ist, beginnt der Künstler das Gemälde in derselben Weise auszuführen, wie der Maler in Oehl- oder Wasserfarben. Der Hauptunterschied besteht darin, daß während dieser nur zu warten braucht, bis eine Lage getroknet ist, um eine neue auftragen zu können, der Emailmaler sein Werk jedes Mal durchs Feuer muß gehen lassen. Hiedurch werden die Farben verglast und mit ihrer Unterlage völlig verschmolzen. Dieß ist nicht so vollkommen bei Glas- und Porzellanmalerei der Fall. Die Farben der lezteren sind gewöhnlich nur an der Oberfläche befestigt, und unter gewissen Umständen können sie abspringen. Auch können Glas und Porzellan keiner so hohen Temperatur ausgesezt werden, als die Emailplatten, daher sind die Farben für diese Art der Malerei weit leichtflüssiger, als die der Emailmalerei. Diese Leichtschmelzbarkeit wird ihnen durch eine größere Menge von Bleioxyd oder Alkali, oder auch von beiden zugleich ertheilt. Dieser Ueberschuß macht aber auch die Mischung zu einem unvollkommenen Glase, und macht sie der zersezenden Einwirkung der schädlichen Gase |68| zugänglich, die sich bisweilen in der Atmosphäre in Folge fauliger Ausdünstungen u.s.w. befinden.

Die Schwierigkeit, die Emailfarben zu behandeln, macht die Emailmalerei langsam, und deßhalb ist sie selten zum Malen nach der Natur, und meist nur zum Copiren angewandt worden. Ein Vorzug der Emailmalerei besteht noch darin, daß während Glas- und Porzellanmalereien nicht über 3 bis 5 Mal ins Feuer kommen dürfen, der Emailmaler in dieser Hinsicht keine andere Gränze hat, als die Vollendung des Bildes. Man bringt die Bilder 10 bis 12 Mal und noch öfters ins Feuer. Um die Pracht des Colorits der vorzüglichsten Meister der Malerei zu erreichen, muß natürlich der Emailmaler im Besiz von Farben seyn, welche die Oehlfarben ersezen können. In diesem Bezuge waren die Maler in früherer Zeit sehr beschränkt.13) Glüklicherweise aber haben die Entdekungen der neueren Chemie das Material dargeboten, um diesem Mangel abzuhelfen. Von den Metallen, welche bis vor Kurzem nur den Chemikern bekannt waren, und als bloße Curiositäten betrachtet wurden, Platin, Uran und Chrom werden bereits vier der schönsten und nüzlichsten Farben für die Palette des Emailmalers bereitet. Vor der Einführung des Platinoxyds durch Muß kannte man kein schönes und intensives Braun auf Email; brachte man diese Farbe durch Mischung von anderen zu Stande, wie es üblich war, so veränderte sie sich bei wiederholtem Erhizen, wurde dunkler und mager, und nahm das Ansehen von Lehm an. Dagegen gibt das Platinoxyd ein schönes, unzerstörbares, durchsichtiges Emailbraun, welches durchaus nicht vom Feuer verändert wird.

Cooper bemerkt, daß man mit schwarzem Platinoxyd ein intensives Schwarz für die Emailmalerei erzeugen könne. Ich habe viele Versuche damit angestellt, es gibt zwar ein Schwarz, aber dieses ist nicht intensiv genug, um es anwenden zu können. Ich besize ein Schwarz von Intensität, welches unveränderlich im Feuer ist, und worin sich kein schwarzes Platinoxyd befindet. Ich habe es 40 Mal der Hize des Emaillirofens ausgesezt, ohne daß seine Farbe sich verändert hätte.

Man kann im Handel keine Farben für die Emailmalerei erhalten; die, welche zu diesem Zweke verkauft werden, taugen bloß für die Porzellanmalerei. Ich habe viele Zeit auf die Verbesserung derselben verwendet für meinen Bruder, den Emailmaler W. Essex.

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Vorzüglich bin ich so glüklich gewesen, es dahin zu bringen, daß die Farben auf der Palette fast dieselbe Farbe haben, wie wenn sie aus dem Feuer kommen. Mit Farben dieser Art ist der Künstler im Stande, den Effect seines Bildes schon während des Malens zu beurtheilen, und es ist dadurch möglich geworden, genauer zu copiren.

Brogniart behauptet in seiner Arbeit über die Schmelzfarben, daß alle Oxyde, welche nur wenig Sauerstoff, und diesen im lose gebundenen Zustande enthalten, nicht als Schmelzfarben angewandt werden könnten, weil sie in der Hize ihren Sauerstoff verlören. Dieß ist indessen nicht richtig, denn keine Farben sind so unzerstörbar im Feuer, als die mit Gold und Platin erzeugten, und schon Cooper bemerkt als eine interessante Thatsache, daß das Platinoxyd, welches an sich so leicht zersezbar ist, mit dem Emailfluß geschmolzen, ohne Zersezung der größten Hize ausgesezt werden könne.

Wer die bekannten Emailrecepte kennt, muß sich über die sonderbar zusammengesezte Mischung derselben wundern, welche sie fast alle darbieten. Von der Nothwendigkeit ihrer Vereinfachung, und dem Grade, bis zu welchem diese möglich ist, möge das Folgende ein Beispiel geben.

In den Transactions of the society for the encouragement of arts Vol. XXXV. p. 49 ist angegeben, daß man Hrn. Wynn für seine Vorschriften zur Bereitung von Emailfarben u.s.w. 20 Guineen votirt habe. Eines dieser Recepte, für Grün, lautet folgendermaßen:

Fritte für durchsichtiges Grün.
Nimm: Feuerstein gepulvert 3 Theile.
Fluß Nr. 2 3
Grünes pot-metall Glas 1 1/2
Mennige 7 1/2
Rohen Borax 2 1/2
Grünes Kupferoxyd 1 1/4

schmelze dieß in einem Tiegel, gieße die Masse aus, und stoße sie in einem irdenen Mörser.

Nimm dann
von der grünen Fritte 3 Theile.
von der gelben Emailfarbe 1 1/2

ist sie zu weich, so seze man Neapelgelb zu.

Um die ganze Complexität dieses Recepts zu übersehen, wollen wir es zergliedern, und dann mit der Einfachheit vergleichen, welche der Erfahrung gemäß an die Stelle jener treten kann.

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Textabbildung Bd. 66, S. 70

Man sieht hier Kieselerde 4 Mal und Bleioxyd 6 Mal, und außer in einem Falle, wo die erste, und zweien, wo die lezte Substanz angewandt wird, kann der Künstler gar nicht wissen, in welcher Menge diese Stoffe in den künstlichen Mischungen enthalten sind, die er anwendet. Außerdem sind noch fremde Substanzen vorhanden, wie Eisen, Mangan u.s.w., die selbst in den kleinsten Quantitäten schädlich werden können. Sie sind in der vorhergehenden Analyse nicht mit angeführt, weil sie zufällig sind.

Vergleichen wir nun diesen verwikelten Proceß mit den Resultaten, zu welchen die Chemie heutzutage dieselben zurükführen lehrt. Folgendes sind gleichzeitig die Materialien, wie die wirklichen Bestandtheile der grünen Emailfarbe, welche Hr. Essex benuzt.

Kieselerde

Borax

Bleioxyd

Chromoxyd.

Hier sind alle Substanzen, welche in die Mischung eingehen, dem Verfertiger bekannt, und die Verhältnisse, in welchen sie in dieselbe eingehen sollen, stehen ganz in seiner Hand.

Der Emaillirofen, in welchem die kleinen Platten zubereitet und erhizt werden, ist ein vierekiger Raum von etwa 12 Zoll Höhe, Tiefe und Weite, von solidem Mauerwerk umgeben, der sich in einen verticalen Zug öffnet, in welchem ein Schieber zur Regulirung der Hize sich befindet. Er ist in passender Höhe vom Boden angebracht, und hat vorn einen aus einer eisernen Platte bestehenden Heerd, um die Platten und Gemälde vor und nach dem Erhizen darauf zu legen. Der Boden des Ofens, wenn er zum Gebrauche vorgerichtet ist, wird |71| etwa 3 Zoll hoch mit Kohls14) bedekt, und auf diesen die Muffel gesezt. Die Muffel hat weder Boden noch Rükwand, und wird ganz mir Kohks umgeben, bis auf die Vorderseite. Eine eiserne Thür mit einer Oeffnung von der Größe der Vorderseite der Muffel schließt das Ganze. Der ganze Luftzug, welcher den Ofen speist, zieht durch die Muffel. Die Platten und Gemälde ruhen auf dünnen Platten von ausgeglühter Thonmasse, die man in der Kunstsprache Planchen nennt. Wenn das Feuer gehörig in Brand gekommen ist, wird die Platte oder das Bild, nachdem sie auf der eisernen Platte gehörig getroknet sind, allmählig unter die Muffel gebracht, wobei die Planchen auf dem Kohk ruhen. Die größte Hize ist natürlich im hinteren Theile der Muffel; die Platte muß deßhalb, während sie im Feuer ist, gedreht werden, um sie gleichmäßig überall zu erhizen. Dieß geschieht mit einer Federzange. Wenn die Farben gehörig geschmolzen sind, so wird das Gemälde herausgenommen, und auf dem eisernen Heerde der Abkühlung überlassen. In diesem Ofen können Gemälde bis zu 5 Zoll im Durchmesser eingeschmolzen werden, für größere Werke ist aber ein Ofen von anderer Einrichtung erforderlich. Die Muffel des großen Ofens hat Boden und Hinterwand, und ist durch eine Thür von Eisen oder feuerfestem Thon geschlossen. Weil sie überall geschlossen ist, nennt man sie die geschlossene Muffel, die vorherbeschriebene dagegen die offene Muffel. Der Hauptunterschied besteht darin, daß durch die leztere der ganze Zug geht, die erstere aber gar nicht vom Luftzuge berührt wird. In dem größeren Ofen wird das Feuer bloß unter die Muffel gebracht, und liegt auf eisernen Roststäben, so daß die Construction ganz der eines gewöhnlichen Zugofens gleicht. Der Zug geht zwischen den Stäben durch, und führt die Flamme in den Feuercanal, welcher am oberen Theile einer der Seiten des Feuerraums beginnt, sie über die Muffel führt, und dadurch mit dem Boden der Muffel in gleicher Ebene liegende Füchse an der gegenüberstehenden Seite ableitet. Die Flamme spielt, nachdem sie die Muffel umgeben hat, gegen den Boden eines eisernen Trokenofens. Dieser enthält verschiedene Bänke; er dient dazu, die Gemälde anzuwärmen, was nöthig ist, damit sie nicht im Feuer zerspringen, was geschehen würde, wenn man sie plözlich der Hize der Muffel aussezen wollte. Der Ofen ist so construirt, daß der Boden des Anwärmofens dunkelrothglühend wird, während die Muffel die Temperatur annimmt, die nöthig ist, um die Gemälde aufzunehmen. Dieser Zeitpunkt wird |72| dadurch angezeigt, daß das Innere der Muffel orangeglühend wird, wobei die Muffel etwa die Hize, die zur Schmelzung von Gußeisen erforderlich ist, auszuhalten hat. Bei dieser Anordnung werden die Gemälde, wenn man sie in den Anwärmofen, so lange er noch kalt ist, legt, allmählich erhizt, bis sie zu der Temperatur gekommen sind, bei welcher sie mit Sicherheit die höhere Temperatur der Muffel aushalten.

Der Vorwurf, welchen man der Emailmalerei macht, daß sie keine Schärfe und demnach keine charakteristische Darstellung der Oberflächen gestatte, weil die Farben nach dem Schmelzen weich und verschwommen erschienen, ist besonders von Muß praktisch durch sein unübertroffenes Emailbild the Greyhound widerlegt worden, welches jezt einen Bestandtheil der Sammlung des Königs von England ausmacht. Durch welche Mittel Muß seinen Zwek erreichte, die krause Eigenthümlichkeit des Originals wiederzugeben, ist nicht genau bekannt. Das Resultat einiger Versuche, welche ich selbst angestellt habe, um Farben darzustellen, die leicht schmelzen und dabei doch alle Schärfe der Formen beibehalten, war die Erzeugung von Farben, die nach dem vollkommenen Verglasen selbst die Schärfe eines Nadelstichs beibehalten.

Was endlich die Größe der Emailbilder betrifft, so war diese früher immer sehr beschränkt. H. Bone war der erste, welcher größere Productionen hervorbrachte. Petitot malte ein Bild von 9 3/4 Zoll Höhe und 5 3/4 Breite, das von Walpole als das vorzüglichste Emailbild gerühmt wird. Es gehört dem Herzoge v. Devonshire. Unter der Regierung der Königin Anna unternahm ein Künstler Namens Boit ein Emailgemälde von 24 bis 22 Zoll Höhe und 16 bis 18 Zoll Breite; es verunglükte aber, nachdem er einen Vorschuß von 1700 Pfd. Sterl. erhalten, und etwa 800 Pfd. auf seine Versuche gewendet hatte. Es scheint demnach, daß die größten Emailbilder sind: Bacchus und Ariadne nach Titian von Bone, und die heilige Familie nach Parmegiano von Muß. Ersteres hat 18 Zoll Höhe und 16 1/2 Zoll Breite, und wurde von Hrn. Bowles für 2200 Guineen gekauft, und befindet sich gegenwärtig im Besiz der Miß Rushout. Muß's Gemälde hat 20 1/2 Zoll Höhe und 157) Breite und scheint demnach das größte zu seyn. Es wurde von Georg IV. um 1500 Guineen gekauft.

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In Bezug auf diese Stelle bemerkt Hr. Cooper in einem Schreiben an R. Taylor, welches das Juliheft des Philosophical Magazine, S. 137 mittheilt:

„Seit dem Erscheinen meiner Abhandlung über die Zusammensezung des alten Rubinglases habe ich eine Menge Rubinglasstüke von verschiedenen Orten erhalten, die ich der Analyse unterwarf, um zu erfahren, ob sie wirklich alle Silber als nothwendigen Bestandtheil enthalten, was jedoch nicht der Fall ist; in der Regel und gerade in denjenigen Stüken, welche die lebhafteste Farbe zeigten, fand ich zwar immer Spuren dieses Metalles, jedoch in wandelbarer Menge.“

„Die von Hrn. Essex mitgetheilte Thatsache, daß nämlich das alte Rubinglas übermahlt werden und beliebig oft das Feuer passiren kann, ohne seine Farbe zu verändern, erklärt sich (was mir früher entging) durch den Umstand, daß der Farbstoff desselben (das Kupferoxydul) zwischen zwei Glasschichten eingeschlossen ist und nur eine Lage von dem zweihundertsten Theile eines Zolles in der Dike ausmacht; ich erhielt unter anderem ein Stük Rubinglas von der Kathedrale in Straßburg, welches sich durch eine besonders dunkle Farbe auszeichnete und wobei zwei Kupferoxydullagen zwischen drei Schichten von gewöhnlichem Glas eingeschlossen waren. Das Eisenoxyd, welches man gewöhnlich auch im Rubinglase findet, bildet keinen Theil des färbenden Ingrediens, sondern kommt bloß in dem gemeinen Glase vor, welches aus unreinen Materialien bereitet wurde.“

A. d. R.

|66|

In den Glashütten bei London wird eine Substanz bereitet, die man im Handel Glasemail (glass-enamel) nennt, und welche ihre Undurchsichtigkeit und Weiße dem Arsenikoxyde verdankt. Sie ist glasartig, spröde, leicht zu rizen, leichtflüssig und sehr weiß. Man braucht sie für die ordinären Zifferblätter der Uhren, und die weißen halbdurchsichtigen Verzierungen an Mantelschlössern, Toiletten u.s.w.

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Mehrere Encyklopädien geben an, daß Silber zu dem Zweke angewandt werde, und Walpole erzählt in seinen Anecdotes of painting, daß Petitot Silberplatten angewandt habe. Dieß kann nicht richtig seyn, denn Silber hat die Eigenschaft, das Email in allen Richtungen zu zersprengen, so oft es ins Feuer gebracht wird. Daher wird es nöthig, dieses Metall, wenn es emaillirt worden ist, sehr starker Hize auszusezen, um das Email zu schmelzen und die Sprünge wieder zu schließen. Dieß würde natürlich die Züge eines Gemäldes ganz zerstören. Silber kann daher nur für durchsichtige Emaillirung angewandt werden, aber es gibt keinen so reichen und schönen Effect, als Gold, und wird deßhalb bloß da angewandt, wo der hohe Preis des Goldes seine Anwendung verbietet; zu Sternen der Ritterorden, maurerischen Emblemen, militärischen Ornamenten u.s.w.

|68|

Ure hat in seinem chemischen Wörterbuche eine, wie er angibt, schäzbare Reihe von Vorschriften zu Emailfarben gegeben. Der unglükliche Künstler, welcher versuchen möchte, nach diesen Vorschriften zu arbeiten, würde gewiß finden, daß sie überaus unnüz sind.

|71|

Die älteren Emailmaler bedienten sich ausschließlich der Holzkohle, bis indessen den Kohks nachsteht.

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