Titel: Ueber Jametel's und Lemare's Bakofen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XLIII. (S. 208–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/ar066043

XLIII. Beschreibung des von den HH. Jametel und Lemare erfundenen Bakofens.33)

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Januar 1837, S. 25.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Die Société d'encouragement hat den Erfindern des Bakofens, der den Gegenstand gegenwärtigen Aufsazes bildet, im Jahre 1836 ihre silberne Medaille zuerkannt. Sie ergänzt nun die bereits früher über diese wichtige Erfindung gegebenen Andeutungen durch eine Beschreibung und Abbildung der verschiedenen zu ihr gehörigen Theile.

Der neue Bakofen, dem die Erfinder den Namen Four aérotherme gaben, hat 4 Meter Länge auf 3 Meter Breite, und ist ganz aus Baksteinen gebaut. Man sieht ihn in Fig. 3 in einem Grundrisse, welcher im Niveau des Bodens oder nach der Linie a, b von Fig. 8 genommen ist. Fig. 4 ist ein Grundriß in der Höhe der Rauchcanäle D oder nach der Linie c, d; Fig. 5 ein eben solcher in der Höhe des Luftcanales oder nach der Linie e, f; man sieht hier in Gängen Baksteine aufgestellt, welche den Heerd des Ofens zu tragen haben. Fig. 6 ist ein horizontaler Durchschnitt des Herdes des Ofens S nach der Linie g, h von Fig. 8. Fig. 7 zeigt den Ofen von Vorne; Fig. 8 ist ein senkrechter Längendurchschnitt nach der Linie i, k Fig. 4; Fig. 9 endlich ist ein Querdurchschnitt nach der Linie l, m.

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An allen diesen Figuren sind zur Bezeichnung gleicher Theile auch einerlei Buchstaben gewählt.

Der Zugang B zu dem Feuerherde A ist mit einer gußeisernen Thüre a, und damit die Wärme nicht so schnell verloren gehe, außerdem auch noch mit einer doppelten Thüre b verschlossen. C, C, C sind Gänge oder Behälter für die heiße Luft, welche den Feuerherd umgeben. Die Züge D, D, D dienen zur Circulation des Rauches, der endlich durch den in der Dike der Mauer angebrachten Schornstein E entweicht. Der Schlauch F leitet die heiße Luft des Behälters direct in den Ofen; er läuft von dem oberen Theile der Gänge C, C, C aus und steigt bis zum Anlaufe des Gewölbes des Ofens empor. Der Schlauch G führt die abgekühlte Luft aus dem Ofen in den Behälter oder in die Gänge zurük, und läuft also vom Herde des Ofens beginnend bis zum Boden dieses Behälters. Die Schläuche H, H leiten die erhizte Luft des Behälters direct in den Luftcanal R; sie entspringen von dem höchsten Punkte des Behälters oder Ganges und endigen sich im unteren Boden des Luftcanales; auch sind sie mit Schiebern, an denen Stangen angebracht sind, versehen, damit man sie nach Belieben öffnen oder schließen kann. Die Schläuche I, I, welche die erhizte Luft aus diesem Luftcanale in den Ofen leiten, beginnen von dem oberen Theile des Luftcanales und steigen bis zum Anlaufe des Gewölbes des Ofens empor. k, k sind die Thürchen des Feuerherdes. L ist ein in die Dike des Gemäuers eingesezter Kessel oder Wasserbehälter, welcher mit einem Hahne M ausgestattet ist. Die Fallthüren oder Tampons N, N dienen zum Einlassen von kalter Luft in den Luftcanal, um dadurch den Herd des Ofens abkühlen zu können. Der über den Mündungen des Ofens aufgesezte Mantel leitet den Rauch im Momente des Anzündens und auch einen Theil des Dunstes, der beim Einschießen entweicht, ab. R ist der Luftcanal; S der Ofen; T das Aschenloch; U ein unter dem Boden des Feuerherdes befindlicher leerer Raum, der zur Einführung der atmosphärischen Luft in die Gänge oder Behälter dient. a, b sind gußeiserne Thürchen, welche sich am Eingange des Feuerherdes befinden. c, c sind Träger oder Säulen, auf denen das den Behälter C bildende Gewölbe ruht. d ist der Schieber des Schlauches F: e jener des Schlauches G: f, f jene der Schläuche H, H: g, g jene der Schläuche I, I. Die Röhre h führt vom Ofen an den Kessel L; in ihr ist der Schieber i angebracht.

Dieser Ofen arbeitet nun folgendermaßen. Das Brennmaterial, welches gewöhnlich aus Kohks besteht, wird auf den Feuerherd A gelegt. Sobald es daselbst angezündet worden ist, circulirt die Flamme in den Zügen D, D, bis endlich nach Abgabe der Wärme an die |210| seitlichen Gänge C, C und an den Canal R der Rauch bei dem Rauchfange E entweicht. Die äußere atmosphärische Luft dringt durch die unter dem Boden des Feuerherdes angebrachte Spalte U in den Raum C, C, der an mehreren Orten durch gemauerte Pfeiler, welche sich in Bogengewölbe endigen, und welche das Mauerwerk des Ofens zu tragen haben, abgetheilt ist. Die Luft circulirt in Folge dieser Einrichtung frei um den Feuerherd und um das Aschenloch, und wird durch die Berührung, in welche sie hiebei mit den Wänden des Herdes gelangt, bis auf einen bedeutenden Grad erhizt, um dann durch die Schläuche H, H, welche sich an dem oberen Theile des Behälters und der Thüre des Ofens gegenüber befinden, in Canäle zu entweichen, die unter dem Ofenherde und über den Zügen D, D angebracht sind. Nachdem sie auf diesem Wege eine noch höhere Temperatur erlangt hat, gelangt sie in den Luftcanal R, aus dem sie sich durch die in der Nähe der Sohle ausmündenden Schläuche I, I in den Ofen begibt. Zugleich steigt die in C erhizte Luft durch den Schlauch F bis zu dem Gewölbe des Ofens empor, dem sie eine Wärme von 200 bis 220° Celsius mittheilt. Wenn das Brod in diesem Momente bei den Thüren K, K eingeschossen worden ist, so verschließt man sämmtliche Zugänge, indem die durch das Mauerwerk dringende Luft zur Unterhaltung der Verbrennung hinreichen wird. Während das Baken von Statten geht, werden die Gase, welche im Inneren des Ofens durch den Dunst des Brodes und durch den gewöhnlichen Verlust an Wärmestoff abgekühlt werden, specifisch schwerer, wo sie dann durch den Schlauch G in den unteren Behälter gelangen, um daselbst neuerdings wieder erhizt zu werden, und abermals zum Behufe der Circulation im Ofen durch den Schlauch F emporzusteigen. Jede zur Circulation der Luft dienende Oeffnung ist mit einem Schieber versehen, womit man den Zug ermäßigen und nöthigen Falls auch ganz unterbrechen kann.

Hieraus ergibt sich, daß die Gase des Feuerherdes nicht in unmittelbare Berührung mit der circulirenden Luft gerathen, und daß sie auch nicht in den Ofen eindringen können. Es wird ferner beinahe aller Wärmestoff zu Gunsten des Ofens verwendet, so daß die verbrannte Luft, nachdem sie allmählich ihres Wärmestoffes beraubt worden ist, endlich bei einer mehr oder minder niedrigen Temperatur durch den Schornstein E entweicht. Da sich in dem Ofen eben so wenig Staub ansammelt, wie in dem zur Bereitung des Teiges dienenden Geräthe, so erhält man auch ein reineres und weißeres Gebäk.

Man kann in dem beschriebenen Ofen in 24 Stunden 16 bis 20 Trachten, jede zu 170 Kilogr. baken. Das Baken geht ohne |211| Unterbrechung von Statten, und zwar mit einer großen Ersparniß an Brennmaterial und Arbeitslohn, so wie auch mit größter Reinlichkeit.

Ein derlei Ofen, den man in der Bäkerei der Civilspitäler in Paris anwendet, gab die genügendsten Resultate. Man hat in demselben von Montag 2 Uhr bis Samstag 2 Uhr bei einem Verbrauch von 945 Kilogr. Kohks 11965 Kilogr. Brod gebaken. Die Kosten des Bakens beliefen sich auf 47 Cent. per Tracht von 120 Kilogr.; mit den gewöhnlichen, mit Holz geheizten Baköfen belaufen sie sich auf das Doppelte dieses Betrages. Man hat gefunden, daß es zur Unterhaltung des Feuers vollkommen genügend ist, wenn man nach 3 bis 4 Trachten einige Schaufeln voll Kohks auf den Feuerherd wirft. Der Heizer hat demnach sehr wenig zu thun, und kann sich anderen Beschäftigungen hingeben. Die Arbeiter brauchen nicht wie bisher brennend heiße, der Gesundheit nachtheilige Luft einzuathmen, und das Brod wird, indem im ganzen Ofenraume überall eine gleiche Hize herrscht, auf das Vollkommenste gebaken.

Eine der Wirkungen der Circulation der heißen Luft um den Feuerherd ist: daß die Verbrennung, wenn sie ein Mal begonnen hat, eine unbestimmt lange Zeit fortwährt, ohne daß irgend eine bemerkbare Aufnahme von äußerer atmosphärischer Luft Statt findet: ja dieß geht so weit, daß sie selbst dann noch fortwährt, wenn man sowohl die Thüre des Feuerherdes, als jene des Ofens verschließt. Es folgt also hieraus, daß die Verbrennung nur mit jener geringen Menge Luft, welche durch das Mauerwerk des Ofens dringt, unterhalten wird.

Man vergleiche was wir über diesen Bakofen, der in Frankreich immer mehr und mehr in Aufnahme kommt, im Polyt. Journ. Bd. LV. S. 320, Bd. LVI. S. 475 und Bd. LXI. S. 481 berichtet haben.

A. d. R.

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