Titel: Ueber Sicherheitspapiere und Sicherheitstinten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. LXVIII. (S. 303–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/ar066068

LXVIII. Ueber die Methoden, wodurch das Ausbleichen der Schrift von gebrauchtem Stempelpapiere und die Verfälschung von öffentlichen und Privatacten verhütet werden kann. Auszug eines Berichtes an die Pariser Akademie.42)

Im Jahre 1831 hat sich eine Commission der Pariser Akademie auf Veranlassung der Regierung mit einer Untersuchung über die Mittel beschäftigt, wodurch die Verfälschung von öffentlichen und Privatacten verhütet werden kann;43) sie suchte überdieß auch Methoden ausfindig zu machen, durch welche die Regierung dem Bleichen bereits gebrauchter Stempelpapiere entgegenwirken könnte, welches in der lezten Zeit ziemlich im Großen getrieben wurde.

Um die Verfälschung von Schriften zu verhüten hatte die Commission die Anwendung einer unzerstörbaren Tinte, durch Einrühren von chinesischer Tusche in mit Salzsäure angesäuertem Wasser bereitet, vorgeschlagen.

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Um das Bleichen gebrauchter Stempelpapiere zu verhüten, schlug sie vor, die Papiere mit einer auf der Guillochirmaschine gravirten Vignette zu versehen, die mit einer zerstörbaren Tinte aus gewöhnlicher aber auf gewöhnliche Weise verdikten Schreibtinte gedrukt werden sollte.

Zahlreiche Versuche haben die Zwekmäßigkeit dieser Vorschläge bewiesen.

Die mit der unzerstörbaren Tinte geschriebene Schrift wider, steht nicht nur allen Versuchen der Fälschung, sondern die Tinte hatte auch im Verlauf von sechs Jahren nicht die geringste nachtheilige Wirkung auf die Papiere ausgeübt.

Die zerstörbaren Vignetten, mit verdiktem Tintensaz auf gewöhnliches Papier gedrukt, wurden vollkommen durch die Mittel ausgelöscht, durch welche man gewöhnliche Schrift zerstören kann. Es blieben nun nur noch einige technische Schwierigkeiten zu überwinden übrig.

So standen die Sachen als eine neue Anregung des Gegenstandes von Seite der Regierung erfolgte, und das Resultat der wiederholten umsichtigen Prüfung dieses Gegenstandes durch die Akademie ist folgendes:

1. Ueber das Bleichen des alten Stempelpapieres.

Um das Bleichen alter Stempelpapiere völlig unmöglich zu machen müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

1) das Papier muß mit einer durch eine wässerige Tinte hervorgebrachten Zeichnung bedekt werden, die auf keine Weise direct übergetragen werden kann;

2) die Zeichnung muß von solcher Zartheit seyn, daß es der geschiktesten Hand unmöglich ist, die Züge derselben mit einer fetten Schwärze zu überziehen und auf diese Weise dann die Uebertragung auf Stein zu bewirken;

3) diese Zeichnung muß jedes Jahr geändert werden, um jeden Versuch einer Nachahmung durch die Mittel zu verhüten, mit welchen sie selbst hergestellt worden ist.

Das typographische Verfahren ist hiezu nicht geeignet. Das Einfachste würde immer seyn, auf die Anwendung des endlosen Papiers, eines gravirten Cylinders und einer wässerigen Tinte zurükzukommen. Die Commission will die Zwekmäßigkeit ihrer Vorschläge beweisen.

Sie hat sich überzeugt, daß die gewöhnliche Tinte mit Gyps verdikt sich sehr gut zum Walzendruk eignet, und sie legte der Akademie einige auf diese Weise erhaltene Druke vor. Sie hat ferner |305| gesucht, die Vortheile, welche die Anwendung einer wässerigen Tinte darbietet, beizubehalten, ohne zu dem Papier ohne Ende ihre Zuflucht zu nehmen. Sie fand, daß eine Maschine zum Druke von Platten sich gleichfalls eignete, um die zartesten Zeichnungen mit einer wässerigen Tinre wiederzugeben. Die Regierung könnte sich also, in so fern nicht die Drukkosten entgegenstehen, der Platten statt der Walzen bedienen, oder das Maschinenpapier durch aneinandergeleimte Bogen ihres Formpapiers ersezen, und dabei sich der gewöhnlichen Verdikten Tinte ohne Dazwischenkunft eines Firnisses bedienen.

Um auf typographischem Wege eine Vignette hervorzubringen, und das Bleichen gebrauchter Stempelpapiere zu verhüten, kennt sie nur ein Mittel; es besteht darin, die Vignette mit zwei Tinten zu druken, von denen die eine zerstörbar, die andere unzerstörbar wäre.

Es enthalte die Vignette z.B. auf einem Spizengrunde Hunderte von kleinen, überall zerstreuten, kreisrunden Figuren, und es sey jede dieser Figuren aus einer zerstörbaren und einer unzerstörbaren Hälfte gebildet, so würde dadurch das Bleichen des Stempelpapiers gewiß verhütet werden.

Wenn nämlich durch das Bleichen die zerstörbaren Theile ausgelöscht worden sind, wie sollen sie wieder hergestellt werden? Mit der Hand würde es zu theuer seyn, und durch den Druk wäre es unmöglich, denn das genaue Zusammentreffen der übrig gebliebenen Hälfte mit der neuen ist auf keine Weise zu erreichen.

Bei dieser Methode würde es gleichgültig seyn, ob die zerstörbare Tinte wässerig oder fett ist, denn der Ueberdruk würde nicht angewendet werden können.

Um ein solches Papier nachzuahmen, würde eine fabrikmäßige Einrichtung nöthig seyn, die nicht leicht verborgen bleiben könnte.

Die HH. Didot haben erklärt, daß es unmöglich seyn würde, ein Papier dieser Art nach dem Ausbleichen durch den Druk wiederherzustellen, und sie halten zugleich den Druk einer Vignette, wie wir sie vorgeschlagen haben, mit zweierlei Schwärze für sehr gut ausführbar. Proben von Papieren, die auf diese Weise mit zerstörbarer Firnißschwärze und gewöhnlicher Drukerschwärze, mit schwefelsaurem Baryt blässer gemacht, gedrukt worden sind, liegen vor.

Indessen beschrankt sich der Nuzen dieses Verfahrens bloß auf die Verhütung des Bleichens gebrauchter Stempelpapiere; Schriftfälschungen würden dadurch nicht verhütet werden können.

Wenn dagegen die Regierung sich entschlöße, das Formpapier zu verlassen und Papier ohne Ende anzuwenden, so würde sie in der Anwendung des Walzendrukes ein Mittel haben, eben sowohl dem |306| Bleichen des Stempelpapiers als den Schriftfälschungen zuvorzukommen. Dieses Mittel würde jede nöthige Garantie darbieten.

Noch ein Umstand ist zu erwähnen, der sehr häufig eintritt. Das Stempelpapier muß nämlich geeignet seyn, gewöhnlichen Letterndruk aufzunehmen, denn es werden oft Schemata im Voraus auf die Bogen gedrukt, die dann mit der Hand ausgefüllt werden. Das Stempelpapier muß also der Operation des Anfeuchtens vor dem Druke widerstehen. Versuche mit dem von der Commission hergestellten Papiere haben bewiesen, daß hierin keine Schwierigkeit liegt, die Vignetten blieben rein und scharf, und der Druk kam gut zum Vorschein.

Man kann demnach das Bleichen alter Stempelpapiere durch folgende Mittel verhüten:

1) dadurch, daß man Zeichnungen von großer Feinheit mit der Walze auf Papier ohne Ende drukt, und sich dabei gewöhnlicher mit Gyps verdikter Tinte bedient;

2) dadurch, daß man Zeichnungen von äußerster Feinheit mit derselben Tinte auf Formpapier mittelst Platten drukt;

3) dadurch, daß man auf Formpapier mittelst der typographischen Verfahrungsweise kleine Figuren drukt, die aus zwei Theilen bestehen, von denen der eine zerstörbar, der andere unzerstörbar ist. Als unzerstörbare Tinte kann man die gewöhnliche Drukerschwärze mit einem Zusaz von schwefelsaurem Baryt, um sie blässer zu machen, als zerstörbare ein Gemenge von Hutmacherschwärze mit Kreide und Firniß anwenden.

Indessen kann die Commission nur die beiden ersten Verfahrungsweisen unbedingt empfehlen.

2. Ueber die Verhinderung der Schriftverfälschungen.

Die schwierigste Art der Fälschung und die, welche sich am leichtesten verhüten läßt, ist die, welche nur einen Theil der Schrift verfälscht. Um eine solche theilweise Fälschung auf Papieren hervorzubringen, welche mit einer zerstörbaren Vignette bedekt sind, müßte diese Vignette entweder erhalten oder wiederhergestellt werden. Diese beiden Operationen erfordern Handgeschiklichkeit, und es würde leicht seyn, sie selbst der geschiktesten Hand unmöglich zu machen.

Guillochirte Muster würden hiezu hinreichen, noch besser aber würde man den Zwek mittelst einer von Hrn. Grimpé erfundenen Maschine (molette) erreichen, welche außerordentlich zarte und regelmäßig gravirte Figuren liefert, die von den geschiktesten Personen nicht nachgeahmt werden konnten. Diese Vignetten lassen sich über die ganze Fläche des Papiers ausdehnen. Die Commission hat Versuche |307| in dieser Art gemacht, wobei sie sich zum Druke der fetten zerstörbaren Schwärze bediente. Aber auch mit einer wässerigen mit Gyps verdikten Tinte lassen sich diese Muster bei geeigneter Einrichtung druken. Zu den Versuchen wurde theils Papier ohne Ende, theils zusammengeleimte Bogen gebraucht.

Papiere dieser Art würden den sichersten Schuz gegen jede Möglichkeit der Schriftfälschung gewähren. Es fragt sich nun, ob nicht die theilweisen Schriftfälschungen auch durch ein typographisches Verfahren mit zwei Arten von Schwärze zu verhüten sind? Es wird dieß schwer, wo nicht unmöglich seyn, obwohl sich unter den Verfahrungsarten, welche die Commission durch Hrn. Grimpé kennen lernte, eine befindet, die dieses System anwendbar machen könnte. Die Schwierigkeit liegt immer darin, daß die Muster, welche die Typographie hervorbringen kann, niemals von solcher Feinheit sind, daß sie nicht mit der Hand nachgeahmt werden könnten.

Eine Anwendung der gepreßten Muster, welche Hr. Grimpé vorschlug, würde die Commission gern annehmen, es ist dieß ein unzerstörbarer Stempel, der zu der zerstörbaren Vignette in Beziehung steht. Hr. Grimpé löste diese Aufgabe, indem er den Bogen mit einer zerstörbaren Vignette bedrukte, während der ganze Rand, in welchem sich die Vignette ohne Unterbrechung fortsezt, ohne Tinte bloß als trokener Stempel eingepreßt ist. Es würde gewiß leichter seyn, neues Stempelpapier zu fabriciren, als solches Papier nach dem Bleichen wieder herzustellen.

Eine zerstörbare Vignette, die sich mit der Hand nicht nachahmen läßt und nicht auf Stein übergetragen werden kann, das ist alles, was man braucht, um das Bleichen alter Stempelpapiere und jede theilweise Fälschung zu verhüten. Allein diese Art der Fälschung ist nicht die einzige, welcher man entgegenzuwirken hat.

Die leichteste Art der Fälschung, und die, welche sich am schwierigsten verhüten läßt, ist diejenige, wo man sich darauf beschränkt, einige Worte einer Schrift zu reserviren, und alles andere auslöscht, um es mit neuer Schrift zu vertauschen. Hiebei gibt man sich leine Mühe, das ganze Papier zu erhalten, sondern man entfernt z.B. den ganzen oberen oder mittleren Theil eines Stempelbogens, worauf sich die Stempel befinden, um nur den unteren Theil zu erhalten, der eine Unterschrift und einige Worte enthält, die der Fälscher benuzen will.

Diese Art der Fälschung läßt sich nur dadurch verhüten, daß man dem Papiere ein unzerstörbares Kennzeichen gibt, welches so über die ganze Fläche vertheilt seyn muß, daß man an dem kleinsten Stüke den Charakter des Stempelpapiers wiedererkennt.

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Von dieser Art ist das auf der Drukerpresse erzeugte Sicherheitspapier mit zweierlei Schwarze. Es ist in der That unmöglich, auf solchem Papier die ganze Schrift auszulöschen, ohne zugleich den Charakter des Papieres zu zerstören, denn die mit der unzerstörbaren Tinte gedrukten Züge würden stets zurükbleiben.

Da aber der Druk mit zweierlei Schwarze bloß Zeichnungen gibt, die mit der Hand nachgeahmt werden können, so bietet er in solchen Fällen keine Garantie, in welchen Zeit und Geschiklichkeit an die Fälschung gewendet werden kann.

Von allen Garantien gegen eine solche gänzliche Fälschung liegt die sicherste in der Anwendung der von der Akademie vorgeschlagenen unzerstörbaren Tinte. Mit dieser sind alle Papiere gut, ohne dieselbe erreichen sie alle ihren Zwek nicht. Sie sollte also ganz allgemein eingeführt werden. Leider ist sie bis jezt fast gar nicht in Anwendung gekommen.44)

Will man aber ein Sicherheitspapier haben, das so viel als möglich die Fälschungen verhütet, so muß man die schon vorgeschlagenen Mittel dazu benuzen. Wenn man z.B. ein Papier ohne Ende anwendete, mit einem sehr feinen unzerstörbaren Wasserzeichen, und dasselbe auf beiden Seiten mit einer sehr zarten und durch die Hand nicht nachahmbaren zerstörbaren Vignette bedrukte, so würde man hiedurch jeder Fälschung vorbeugen. Bei versuchter Fälschung würde die Vignette mit der Schrift verschwinden, und das Wasserzeichen die Fälschung verrathen. Statt des Wasserzeichens könnte auch ein Druk mit fetter Schwärze dienen. Dieß ist beinahe das Verfahren, dessen sich Hr. Coulier zur Herstellung eines Sicherheitspapiers für kaufmännische Papiere bedient. Er drukt auf die linke Seite ein unzerstörbares Muster, und wiederholt dasselbe auf der rechten Seite mit zerstörbarer Schwärze. Dieses Papier scheint das beste von allen jezt vorgeschlagenen zu seyn, allein es entspricht |309| doch nicht allen Wünschen der Commission, da diese verlangt, daß das zerstörbare und das unzerstörbare Muster gleichmäßig über die ganze Fläche ausgebreitet und ihr Ueberdruk unmöglich seyn soll.

Die Commission kann sich nicht für die Sicherheitspapiere entscheiden; dennoch wollte sie angeben, auf welche Weise man eines erlangen kann, das wenig zu wünschen übrig läßt, denn es entspricht den drei Hauptanforderungen:

1) es trägt ein charakteristisches Merkmal in seinem Wasserzeichen, so lange es als Papier besteht;

2) die zerstörbare Vignette verschwindet unter dem Einfluß der Agentien, welche die Schrift angreifen;

3) diese Vignette könnte weder mit der Hand noch mittelst Ueberdruk wieder hergestellt werden.

Man wird aber folgende Betrachtungen nicht unberüksichtigt lassen:

Dieses Sicherheitspapier verhindert nicht eine Schrift zu zerstören, sey es durch Zufall- indem einige Tropfen Säure auf das Papier fallen, sei es absichtlich und unter dem Vorwande des Zufalls. Die Sicherheitstinte dagegen ist unzerstörbar.

Das Sicherheitspapier gestattet Versuche der Fälschung, die sich zwar verrathen werden; die Sicherheitstinte aber läßt jeden Versuch scheitern.

Das beste Sicherheitspapier wiegt noch nicht die unzerstörbare Tinte auf, dennoch kann es nüzlich werden, und gewiß würde die Consumtion von Stempelpapier zunehmen, wenn es wirkliche Garantien für denjenigen darböte, der sich desselben bedient.

Bereitung der zerstörbaren und unzerstörbaren Tinten.

a) Zerstörbare Tinten ohne fettige Substanz zum Walzendruk.

1) Gewöhnliche Tinte, durch Eindampfen im Wasserbade verdikt.

2) Gewöhnliche Tinte, hinreichend mit Gyps verdikt und damit lange zusammengerieben.

Diese Tinten haben den Vortheil, daß sie der Wirkung des Wassers genug widerstehen, um die damit bedrukten Papiere anfeuchten zu können, so daß sie zum Lettern, und Steindruke angewandt werden können, ohne daß die Vignette leidet.

b) Fette zerstörbare Tinten zum Druke der typographischen Vignette mit zweierlei Schwärze.

Firniß und Schwärze 1 und 2.

Firniß. Leinöhl 60 Gr.
Fichtenharz 150 Gr.

Man schmilzt das Gemenge und seihet es durch Leinwand.

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Firnißschwärze Nr. 1.

Gewaschene und getroknete Kreide 24 Gr.
Trokener Tintensaz 3 –
Ultramarin 2 –

Firniß so viel als nöthig.

Firnißschwärze Nr. 2.

Kreide 24 Gr.
Trokener Tintensaz 1,5 –
Ultramarin 1 –

Firniß so viel als nöthig.

c) Unzerstörbare Tinten.

1) Für Gänsefedern:

Tusche in verdünnter Salzsäure von 1 1/2° Baumé zerrührt.

2) Für Metallfedern:

Tusche in einer Aeznatronlauge zerrührt, die 1° am Bauméschen Aräometer zeigt.

3) Für den Druk unzerstörbarer Vignetten:

Gewöhnliche Drukerschwärze mit einer angemessenen Menge von gemahlenem Schwerspath oder künstlich bereitetem schwefelsaurem Baryt versezt, die lange mit Wasser gerieben worden sind.

Ueber das Mozard'sche Sicherheitspapier.45)

In der neueren Zeit kam ein Sicherheitspapier unter dem Namen des Mozard'schen in den Handel, welches als ein vorzügliches Mittel empfohlen wurde, alle Schriftverfälschungen zu verhüten.

Dieses Sicherheitspapier ist weiß oder blaß gefärbt. Es verändert seine Farbe, und färbt sich fast stets sehr stark, wenn es mit einem der Reagentien zusammengebracht wird, welche auf die gewöhnliche Tintenschrift wirken. Die Säuren färben es mehr oder weniger stark blau; die Alkalien, die Javelle'sche Lauge und der Chlorkalk braun. Mit wässeriger Chlorlösung wird es braun, und die Schriftzüge darauf verschwinden augenbliklich, erscheinen aber bald wieder, um dann gänzlich zu verschwinden.

Das Papier verdankt seine Eigenschaft durch alle Substanzen, welche die Tintenschrift zerstören, eine dunklere Färbung zu erhalten, gewissen chemischen Reagentien, die in seine Masse gebracht wurden; diese sind farblos und unlöslich in Wasser, aber die Säuren, Alkalien, das Chlor und die bleichenden Chlorverbindungen zersezen sie sehr leicht und geben Veranlassung zur Bildung neuer und gefärbter Verbindungen.

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Das Papier ist nicht bloß zum Gebrauche von Privaten bestimmt, sondern man glaubte auch, daß es zu öffentlichen Acten und zur Fabrication von Stempelpapier benuzt werden könne. Die Commission der Akademie ist in Folge ihrer Prüfung jedoch nicht dieser Ansicht; denn sie hat sich überzeugt, daß man dem Mozard'schen Papiere sehr leicht die darin enthaltenen Reagentien entziehen und es dadurch in gewöhnliches Papier verwandeln kann. Eben so leicht kann man gewöhnliches Papier mit diesen Reagentien imprägniren und es dadurch in Mozard'sches Sicherheitspapier verwandeln. Mozard fügt zwar seinem Stempelpapiere ein zerstörbares Muster bei, das nicht wieder hergestellt werden kann, allein die Garantie, welche dieses gewähre, ist offenbar ganz unabhängig von derjenigen, welche die Reagentien in der Papiermasse darbieten, und dieses Muster fällt mit der von der Akademie vorgeschlagenen zerstörbaren Vignette in chemischer Hinsicht zusammen, denn sie sind beide mit gewöhnlicher Tinte hervorgebracht. An sich würde also das Mozard'sche Papier das Bleichen des Stempelpapiers nicht verhüten, sondern nur durch das zerstörbare Muster, das schon allein dazu hinreichen würde, Uebrigens ist das Mozard'sche Papier auch zu brennbar, als daß es für Stempelpapier empfohlen werden könnte.

Das Mozard'sche Papier ist bestimmt, Versuche der Fälschung durch die Entstehung gleichförmiger begrenzter Fleken zu entdeken, allein solchen Fleken dürfte kaum ein so entscheidender Werth beigelegt werden können. Das Papier würde, wie jedes andere, allen zufälligen Einwirkungen saurer und alkalischer Substanzen ausgesezt seyn, und könnte leicht durch zufällige Entstehung von Fleken zu falschen Anklagen Veranlassung geben, denn Wein, Essig, Seife, gefaulter Urin wirken darauf wie Säuren und Alkalien, selbst Kaffee und andere gefärbte Infulsionen könnten darauf Fleke erzeugen, die sehr schwer von denen zu unterscheiden seyn würden, welche ein Fälschungsversuch veranlaßt. Ja, der Fälscher würde die von ihm hervorgebrachten Fleken durch Uebergießen des Papiers mit Wein, Kaffee u.s.w. leicht verfielen.

Wir haben bis jezt angenommen, daß das Sicherheitspapier ein Reagens enthalte, welches unter allen Umständen durch die Mittel, welche die Schrift zerstören, sich färbe, aber selbst unter dieser Voraussezung verdient das Papier, wie wir gesehen haben, das Lob nicht, welches ihm von einigen Chemikern ertheilt worden ist.46) Man behauptet, daß noch Niemand im Stande gewesen sey, eine |312| Fälschung auf dem Mozard'schen Papiere auszuführen. Daß aber Fälschungen dennoch nicht unmöglich sind, ist klar. Eine allgemeine Fälschung ist sogar sehr leicht auszuführen, weil man die Reagentien dem Papiere entziehen kann. Die Commission hat auf einem Stüke die Unterschrift des Hrn. Mozard erhalten, einige Zeilen Schrift ausgelöscht und das Sicherheitspapier in gewöhnliches verwandelt; auf einem anderen Stüke hat sie die Unterschrift Hrn. Mozard's erhalten, so wie einige Worte der Schrift, dann das Ganze ausgelöscht und das Papier in gewöhnliches verwandelt. Nichts beweist gegenwärtig, daß dieses Papier Mozard'sches Sicherheitspapier gewesen sey, und übrigens könnte man ihm nöthigen Falls die Reagentien auch wieder geben. Ja die Commission war sogar im Stande, die ganze Schrift mit Ausnahme einiger Worte und der Unterschrift Hrn. Mozard's auszulöschen, ohne die Reagentien in dem Papiere anzugreifen und die Färbung des Papiers zu modificiren. Das dabei angewandte Verfahren ist weder schwer zu entdeken, noch auszuführen. Es ist sowohl für alte als neue Schrift, für gute wie für schlechte Tinte anwendbar.

Außer den Reagentien, welche das Mozard'sche Papier enthält, bedient sich der Verfertiger bisweilen eines zerstörbaren Musters, das bei der Fabrication selbst hineingebracht wird. Die Maschine liefert zwei dünne Blätter, die mit einander durch den Druk zweier Walzen vereinigt werden, nachdem das eine mit dem Muster bedrukt worden ist. Dieses ist dann zwischen beiden Blattern eingeschlossen. Dieß kann aber die allgemeine Fälschung nicht verhindern, selbst die theilweise nicht, in so fern das Muster mit der Hand nachgeahmt werden kann.

Die Commission der Akademie muß nach allem diesem über die Sicherheitspapiere im Allgemeinen folgendes Unheil fallen; sie lassen sich in vier Classen theilen:

1) diejenigen, welche gleichförmig mit einer zerstörbaren Farbe gefärbt sind. Sie gewähren keine Sicherheit, denn Jeder kann diese Färbung beseitigen und wieder herstellen.

2) Diejenigen, deren Masse ungefärbte Reagentien enthält, welche sich beim Zusammenbringen mit solchen Agentien färben, die die Schrift zerstören. Unter diese gehört das Mozard'sche Papier; diese Papiere könnten aber nur dadurch ihrem Zweke entsprechend gemacht werden, daß man Reagentien hineinbrächte, welche die gewöhnliche Tinte unauslöschbar, oder wenigstens schwer zerstörbar machten.

3) Man könnte Sicherheitspapiere herstellen, welche außer einem unzerstörbaren Wasserzeichen eine farblose oder eine sehr blasse Vignette |313| enthielten, die sich färbte, sobald eine Schriftfälschung versucht wurde. Solche Papiere würden allgemeinen sowohl als den theilweisen Fälschungen widerstehen, aber doch weniger Garantie darbieten, als die von der Commission vorgeschlagenen.

4) Endlich kommen die Sicherheitspapiere, welche die Commission vorgeschlagen hat, wo die zerstörbare Farbe als unnachahmbare Vignette aufgedrukt wird. Sie hindern jede theilweise, und vermöge ihres Wasserzeichens auch jede allgemeine Fälschung.

Annales de Chimie. Janv. 1837.

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Polyt. Journal Bd. XLIV. S. 117.

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Die Ursachen, welche die frühere Commission bestimmten, die Tinte aus chinesischer Tusche mit Salzsäure vorzuschlagen, sind sehr einleuchtend. Die Tusche enthält als färbenden Bestandtheil sehr fein zertheilte Kohle, die jeder zersezenden Einwirkung länger widersteht, als das Papier; aber so unzerstörbar ihre Farbe ist, so würde sie doch durch mechanische Mittel entfernt werden können, wenn man sie nicht in die Masse des Papieres eindringen ließe, und dieß wird durch die Salzsäure oder das Alkali bewirkt. Es muß nun aber ein gewisses Verhältniß zwischen diesen und dem Grade der Leimung des Papiers Statt finden. Je stärker das Papier geleimt ist, desto mehr Salzsäure oder Alkali ist nöthig, um das Eindringen der Tinte zu bewirken. Die von der Commission vorgeschriebenen Verhältnisse gelten für das gewöhnliche Papier des Handels. Für stärker geleimte Papiere müßte die Menge der Salzsäure größer seyn. In feuchtes Papier dringt die Tinte leichter ein und gewährt noch größere Sicherheit. Es wird also in wichtigen Fällen gut seyn, das Papier schwach anzufeuchten, einige Augenblike zu warten und dann mit frisch in der verdünnten Salzsäure aufgerührter Tusche zu schreiben.

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Annales de Chemie, Mars 1837.

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Diese Stelle bezieht sich offenbar auf Hrn. Merimée, den Berichterstatter der Société d'encouragement; man vergleiche Polytechn. Journal Bd. LXII. S. 342.

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