Titel: Beschreibung von Winter's Waschmaschinen.
Autor: Odolant‐Desnos, Joseph Jacques
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XCIV. (S. 431–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/ar066094

XCIV. Beschreibung einer von Hrn. Winter erfundenen Waschmaschine. Auszug aus einem Berichte des Hrn. Odolant-Desnos.56)

Aus dem Journal de l'Academie de l'Industrie.

Von allen den zahlreichen Geräthen, die sowohl in England als in Frankreich als Ersazmittel des Bläuels und der Bürste in Vorschlag kamen, hat noch keines vollkommen entsprochen. Wir wollen sehen, ob Hr. Winter mit seiner Maschine glüklicher war.

Diese Maschine besteht aus einem hölzernen, auf vier Füßen stehenden Gestelle von beiläufig 1 1/2 Meter Länge, aus dessen Mitte zwei Pfosten emporsteigen, die einen hölzernen, mit Zink ausgefütterten Kasten tragen. Aus diesem Kasten läuft das in ihm enthaltene reine oder alkalische Wasser durch einen Hahn in eine mit vielen Löchern durchbohrte Rinne, damit es aus dieser in Gestalt eines Regens auf die Wäsche gelange. Der Kasten hat 5 Fuß Länge auf 2 Fuß in der Breite und 18 Fuß Tiefe, und ist durch eine Scheidewand in zwei Fächer abgetheilt, von denen jedes an seinem unteren Theile mit einem Hahne ausgestattet ist. Vor der Maschine befindet |432| sich ein gepolstertes Brett, welches von Vorne gegen die Mitte hin eine Neigung hat, und auf welches die zu behandelnde Wäsche gelegt wird. Dieses Brett ruht oben an beiden Enden auf Lagern, und kann sich auf und nieder bewegen; Elasticität ist dieser Bewegung durch Federn, auf denen die untere Fläche des schief geneigten Endes des Brettes ruht, gegeben. Etwas weiter gegen die Mitte des Gestelles zu befindet sich der wichtigste Theil der Maschine, nämlich eine mit einem Getriebe ausgestattete Welle, an deren beiden Enden sich zwei gußeiserne Querstüke oder Kreuze, die mit 4 um sich selbst umlaufenden Cylindern versehen sind, befinden. Diese aus Holz geformten, glatten, oder mit einem Zeuge überzogenen Cylinder sind über dem erwähnten, schief geneigten Brette angebracht, und treffen, wenn man die Welle, welche die Kreuze trägt, in kreisende Bewegung versezt, auf die zwischen die Cylinder und das Brett gebrachte Wäsche. Um diese Bewegung zu erzielen, ist an dem einen Ende der genannten Welle ein Getrieb aufgezogen, welches in ein großes Zahnrad eingreift. An dem einen Ende der Welle dieses lezteren befindet sich eine Kurbel, die von einem Manne umgetrieben wird; an dem anderen hingegen ist zur Ausgleichung der Bewegung ein Schwungrad angebracht. Dieser Apparat nimmt die eine Hälfte des Gestelles ein; die andere Hälfte dient zur Aufnahme eines vollkommen ähnlichen Apparates, so daß also der Arbeiter durch Umdrehen der Kurbel zwei Schlägelvorrichtungen zugleich in Thätigkeit bringen kann.

Die Art und Weise, auf welche diese Maschine arbeitet, erhellt beinahe von selbst. Wenn nämlich die Schlägel (batteurs) durch das beschriebene Räderwerk in Bewegung gesezt worden sind, so kommt die auf das gleichfalls beschriebene Brett gelegte Wäsche in deren Bereich, während zugleich aus der erwähnten durchlöcherten Rinne Wasser oder Lauge auf sie herab tropft. Die Wäsche wird hiebei zuerst in senkrechter Richtung geschlagen; gleich darauf wird aber das mit dem Schmuze gesättigte Wasser durch den Druk der um ihre Achse umlaufenden Cylinder aus ihr ausgetrieben. Die Wäsche wird hiedurch keiner für sie nachtheiligen Gewalt ausgesezt; denn sie ist nirgendwo fixirt, sondern bewegt sich dem schief geneigten Brette folgend von Oben nach Unten. Zu noch größerer Sicherheit hat sich jedoch Hr. Winter durch einen Tretschämel oder durch ein sogenanntes Pedal zum Meister der Bewegung der Maschine und der Kraft, die man den Schlägeln mittheilen will, gemacht. An diesem Pedale ist nämlich eine Schnur befestigt, welche an eine unter dem schiefen Brette befindliche Schraube läuft. Man kann daher, je nachdem man mehr oder minder stark auf das Pedal drükt, dieses |433| Brett den Cylindern annähern oder es davon entfernen, und dadurch die Kraft ihrer Schläge und ihrer Reibung erhöhen oder vermindern. Wir haben bei unseren Versuchen gefunden, daß, wenn diese Maschine von einem Manne und sechs Weibern bedient wird, von denen zwei bloß mit dem Einseifen der Wäsche beschäftigt sind, sie in 10 Stunden 4000 Stüke Wäsche zu reinigen im Stande ist. Bei dieser großen Raschheit erfolgt die Reinigung überdieß auch noch so vollkommen, daß die schmuzigsten Abwischtücher eben so rein aus ihr kommen, wie minder schmuzige Wäsche. Die Maschine liefert demnach in jeder Hinsicht, namentlich auch was den Kostenpunkt betrifft, sehr günstige Resultate, und es wäre sehr zu wünschen, daß man sie in den Wäschereien einführen möchte. Wir tragen darauf an, ihrem Erfinder die Ehrenmedaille der Gesellschaft zuzuerkennen.

Die Winter'sche Waschmaschine war bei der im Jahre 1832 in Paris gehaltenen Industrieausstellung zuerst zu sehen; sonderbarer Weise findet sie sich aber in dem von Héricart de Thury erstatteten Berichte nicht ein Mal erwähnt. Hr. Harel, der sie in seiner Waschanstalt bereits eingeführt hatte, mußte sie wegen der Drohungen seiner Wäscher und Wäscherinnen wieder aufgeben!

A. d. O.

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