Titel: Sicheres Mittel die Kahnen im Weine zu verhüten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XVII./Miszelle 12 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066017_12

Sicheres Mittel die Kahnen im Weine zu verhüten.

Es ist bekannt, daß die meisten, und namentlich die Nekarweine, die Eigenschaft haben, daß sich auf ihrer, wenn auch noch so kleinen, Oberfläche im Faß die sogenannten Kahnen bilden, was der Einwirkung der Luft zugeschrieben wird. Da diese nicht ganz abgehalten werden kann, wenn das Faß nicht beinahe täglich aufgefüllt und so das Verdunstete sogleich wieder ersezt wird, da vielmehr, wenn dieß nicht geschieht, in dem Fasse zwischen der Oberfläche des Weins und dem Spunde ein mit Luft angefüllter Raum sich bildet und mit der fortwährenden Verdunstung des Weins durch die Poren des Holzes und durch den Zwischenraum zwischen dem Spunde und der Spundöffnung sich vergrößert, so bilden sich die Kahnen. Daß dieser Schimmel dem Weine nicht zuträglich seyn kann, daß er vielmehr demselben leicht einen üblen Geschmak mittheilt, weiß jeder Weinbesizer. Es gibt aber ein sehr leicht anwendbares Mittel diese Kahnen zu verhüten, welches vor einigen Jahren in den Miszellen im Polyt. Journal mitgetheilt wurde, und das ich seitdem ganz erprobt gefunden habe. Es besteht darin, daß man einen 2 bis 3 Zoll breiten Streifen reiner Leinwand durch die Spundöffnung bis unter die Oberfläche des Weins einhängt, über der Oeffnung zurükschlägt und mit dem ebenfalls mit reiner Leinwand umwikelten Spunde befestigt. Ich habe dieses einfache Mittel in verschiedenen Fässern angewandt. In Fässern, die ganz gefüllt waren, zeigte sich nach 3 Monaten (ich wartete absichtlich so lange mit dem Auffüllen), daß nicht nur sehr wenig verdunstet war, sondern auch gar keine Kahnen sich gebildet hatten. In einem Fasse, das nicht vollkommen aufgefüllt war, und bei welchem nach 3 Monaten die Oberfläche sich etwa 2 Zoll |79| unter der Spundöffnung befand, waren ebenfalls auf dem Weine gar keine Kahnen zu bemerken. Dagegen war bei den ersteren der Leinwandstreifen ganz rein geblieben, bei dem lezteren war der Streifen von da an, wo er aus dem Weine herausging, bis zu dem Spunde herauf mit einer Menge Kahnen behängt, die nun mit dem Streifen aus dem Fasse gezogen werden konnten, ohne daß der Wein im Geringsten verunreinigt wurde. Ob dieses Mittel auch dann zur Verhütung der Kahnen ausreicht, wenn ein größerer Raum im Fasse leer und eine größere Oberfläche des Weines mit Luft in Berührung gesezt ist, habe ich noch nicht versucht, werde es aber auch thun, indem ich vermuthe, daß es auch in diesem Falle von Wirkung seyn werde, wenn man einen breiteren oder mehrere Leinwandstreifen anwendet. Doch dieß muß erst durch die Erfahrung sich ergeben. Sollte es nicht der Fall seyn, so wäre gleichwohl die Anwendung dieses Mittels bei ganz vollen oder wenigstens beinahe ganz vollen Fässern Gewinn genug; daher ich jedem Weinbesizer dasselbe empfehle und zugleich zu Proben bei weniger vollen Fässern auffordere, auch Kundige zu Erklärungsversuchen über die Art der Wirksamkeit dieses einfachen Mittels ermuntern möchte. (Riecke's Wochenblatt.)

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