Titel: Ueber die Anwendung des Galvanismus zu Telegraphen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XVII./Miszelle 14 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066017_14

Ueber die Anwendung des Galvanismus zu Telegraphen.

Bekanntlich hat Hr. Hofrath Gauß schon im Jahre 1833 (rergl. Polyt. Journ. Bd. LV. S. 392) in Göttingen Versuche angestellt, um den Galvanismus zu telegraphischen Signalisirungen anzuwenden, die auch mit ganzen Wörtern und kleinen Phrasen bis auf eine Entfernung von 9000 Fuß vollkommen gelangen und den Beweis liefern, daß man auf ähnliche Weise eine unmittelbare telegraphische Verbindung zwischen zweien eine beträchtliche Anzahl von Meilen von einander entfernten Oertern einrichten kann.

Ein Hr. W. Alexander theilt nun im Scotsman folgende Berechnung der Kosten eines elektro-magnetischen Telegraphen mit, welcher von London bis Edinburg reichen würde. Zur Fortpflanzung des galvanischen Stroms soll nach ihm Messingdraht verwendet und derselbe in eiserne Röhren eingeschlossen in der Landstraße vergraben werden. Das Pfund Messingdraht von 60 Yards Länge kostet 1 Sch. 6 Den., folglich würde ein Draht, der von London bis Edinburg oder 400 englische Meilen weit reicht, auf beiläufig 900 Pfd. Sterl. zu stehen kommen) wenn man also jeden Buchstaben des Alphabets durch einen besonderen Draht anzeigen wollte, so beliefen sich die Kosten aller auf 25,000 Pfd. Sterl. |80| wobei auf jeden Draht für verschiedene Unkosten noch 100 Pfd. Sterl. gerechnet sind. Die eisernen Röhren, worin die Drähte eingeschlossen werden, das Eingraben und Verbinden derselben etc. könnte im Ganzen höchstens eine Auslage von 75,000 Pfd. Sterl. verursachen, so daß der Telegraph von London nach Edinburg im Ganzen auf 100,000 Pfd. Sterl. zu stehen käme, folglich nicht höher als gegenwärtig eine Eisenbahn von 60 bis 70 engl. Meilen Länge. Der Telegraph könnte sehr leicht einen Buchstaben in einer Secunde anzeigen, daher eine Mittheilung, die 65 Worte enthielte, beiläufig fünf Minuten erfordern würde, vorausgesezt daß man alle Vocale anzeigt; nun ist aber nicht zu bezweifeln, daß sich Methoden ermitteln lassen, um die Worte abzukürzen. Wenn aber auch jeder Handlungsbrief, kurz jede Mittheilung, für welche 5 Schill, bezahlt werden sollen, fünf Minuten Zeit erfordern würde, und der Telegraph täglich nur 12 Stunden, also an jedem Orte 6 Stunden beschäftigt wäre, so würde er täglich 36 Pfd. St. oder in einem Jahre, zu 300 Tagen gerechnet, 10,800 Pfd. St. ertragen; es ist jedoch kein Zweifel, daß ein solcher Telegraph, besonders wenn er auch für Zeitungsnachrichten benuzt würde, Tag und Nacht in Gang erhalten werden könnte. (In München ist gegenwärtig Hr. Prof. v. Steinheil damit beschäftigt, eine möglichst vortheilhafte Einrichtung und Anwendung der elektromagnetischen Telegraphen auszumitteln.)

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