Titel: Ueber das Zukerfabricationssystem der HH. Sorel und Gautier,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XVII./Miszelle 7 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066017_7

Ueber das Zukerfabricationssystem der HH. Sorel und Gautier,

über welches wir bereits einige kurze Andeutungen gegeben haben, und für welches den Erfindern von Seite der Société d'encouragement eine silberne Medaille zu Theil wurde, entnehmen wir aus dem Bulletin des sucres, No. 9, folgende weitere Details. „Die sämmtlichen, nach diesem Systeme erforderlichen Vorrichtungen bestehen aus einer Reibe, aus dem zum Ausziehen des Runkelrübensaftes dienenden Verdrängungsapparate, aus zwei Filtern, aus einem Klärungskessel und aus einem mit Dampf arbeitenden Eindikungsapparate mit dem dazu gehörigen Dampferzeuger und Ofen. Die Preise aller dieser Apparate sind nach ihrer Größe verschieden; um täglich mit 5 bis 6000 Pfd. Rüben arbeiten zu können, um täglich 300 Pfd. Zuker zu erzielen, und um sich bei einer dreimonatlichen ununterbrochenen Arbeit einen reinen Gewinn von 6000 Fr. zu sichern, kommen die Anschaffungskosten der Apparate auf 5200 Fr. – Die Runkelrüben werden zerrieben, und aus dem Marke wird der Saft unter Einwirkung von Wasser, ohne Druk und ohne Aufrühren desselben gewonnen, indem man es von Unten nach Oben durch den Verdrängungsapparat gehen läßt. Zur Bedienung dieses Apparates reichen zwei Menschen, von denen der eine das Mark hinein bringt, während es der andere gänzlich ausgezogen herausschafft, hin. Der gewonnene Saft ist von derselben Stärke wie der ausgepreßte; er enthält aber weniger Unreinigkeiten als dieser; auch bleibt nicht so viel Saft in dem Rübenmarke zurük, als dieß bei Anwendung der Pressen der Fall zu seyn pflegt. Die Klärung geschieht auf vereinfachte Weise in einem Kessel mit doppeltem Boden, der durch Dampf, welcher von dem Eindikungsgefäße genommen wird, erhizt wird. Mir Ausnahme der zum Behufe des Filtrirens nöthigen Unterbrechungen folgen die Eindikung und das Versieden in einem und demselben Apparate auf einander. Dieser Apparat besteht aus einem großen Kessel, in dessen Innerem sich der Feuerherd befindet, und in den man Wasser gibt, und aus einem kleineren, innerhalb des ersteren angebrachten Kessel, in den man den Rübensaft bringt, so daß sich dieser gleichsam im Marienbade befindet. Der aus dem Wasser entwikelte Dampf drükt auf den Saft, und zwingt diesen durch eine Röhre auf eine große, mittelst desselben Dampfes geheizte Abdampfoberfläche überzutreten. Nachdem er über diese Oberfläche gelaufen, gelangt der Saft in ein Gefäß, aus dem er mittelst einer Drukpumpe abermals in den inneren kleineren Kessel getrieben wird; und auf diese Weise läßt man ihn, ohne daß er eine Temperaturerniedrigung erleidet, so oft circuliren, als es nöthig ist, um ihn auf den gehörigen Grad von Versiedung zu bringen. Dabei kommen, wie gesagt, keine anderen Unterbrechungen vor, als die durch die Filtration bedingten, welche überdieß die Arbeit des Verdichters nicht beeinträchtigen. Die Eindikung geht um so rascher von Statten, als der Dampf durch die inneren Einrichtungen des Apparates auf einen höheren Temperaturgrad gebracht wird. Der nach seiner Erzeugung erhizte Dampf wird ausgedehnt und nicht gesättigt; auch zeigt er ohne irgend eine Gefahr darzubieten als Abdampfmittel eine außerordentliche Wirksamkeit. Die Fabrikation mittelst Dampf ist auf diese Weise, sowohl was die Sicherheit betrifft, als auch in Hinsicht auf Wohlfeilheit und Einfachheit in den Bereich von Jedermann gebracht. Der Eindikungsapparat gewährt hauptsächlich auch eine Ersparniß an Brennmaterial, was schon daraus erhellt, daß der Wärmestoff bis auf eine Entfernung |77| von 12 Fuß vom Herde benuzt wird. Die Bedienung des ganzen Apparates ist so einfach, daß es keiner langen Erfahrung bedarf, um den Versiedungspunkt kennen zu lernen. Im Mai v. J wurde mehrmals Syrup, der 35° am Aräometer zeigte, genommen, und er war in 24 Stunden vollkommen krystallisirt; dasselbe war der Fall mit Syrup, der auf 42° eingedikt worden ist. Weitere Aufklärungen gibt auf Verlangen Hr. Gautier in Paris, rue Montorgueil, No. 71.“

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