Titel: Zier's Methode der Runkelrübenzuker-Fabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XVII./Miszelle 8 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066017_8

Zier's Methode der Runkelrübenzuker-Fabrication.

Um den vielen Reibungen, die sich über die Zier'sche Methode der Runkelrubenzuker-Fabrication erhoben, ein Ende zu machen, zugleich den Freunden und Beförderern dieses Gewerbszweiges nüzlich zu seyn, endlich auch dem Dr. Zier Gelegenheit zu geben, sich über seine in Arnoldi's vertraulichen Mittheilungen so sehr angepriesene Methode aussprechen zu können, werde ich dieselbe kurz mittheilen, ohne meine bereits gezahlten 500 Thlr. Gold und die wider die Mittheilung decretirte Strafe von 1000 Thlr. Gold – die Pistole zu 5 Thlr. gerechnet (Arnoldi) – zu beachten.

Die Zier'sche Methode beruhet, wie Prof. Riecke ganz richtig im Polyt. Journal Bd. LXIV. S. 65 sagt, allerdings auf reichlicher Anwendung von Kalk, Kochen nach dem Zusaze desselben und Filtriren des geschiedenen und erkalteten Rübensaftes durch Thierkohle; aber es möchte hienach allein doch erst nach manchen vergeblichen Versuchen gelingen, den Saft gerade so zu erhalten, wie er nach der Zier'schen Methode erhalten wird; da nach den anderen mir bekannten Läuterungsarten (mit Kalk) nie ein solcher Saft producirt wird.

Nach Zier wird der zur Scheidung nöthige Kalk schon im Sommer durch Besprengen mit Wasser in Pulver (Kalkhydrat) verwandelt, sodann durch ein feines Sieb getrieben – eine der Gesundheit sehr nachtheilige Arbeit. – Von diesem Kalkhydrat, vorausgesezt, daß es von gutem Rödersdorfer, auch gut gebranntem Kalke bereitet ist, – wird auf 1 preuß. Quart circa 1/2 Loth, zuweilen etwas weniger, öfter aber mehr, je nach der Jahreszeit und Qualität der Rüben, – mit etwas W. zu einer Milch angerührt, und die Hälfte dem bis auf + 50 bis 60° R. erhizten Safte zugesezt, gut umgerührt, ein Mal gehörig aufgekocht, sodann die andere Hälfte der Kalkmilch zugesezt, wieder umgerührt, einige Minuten gut gekocht und Probe genommen. Fließt der Saft schnell und klar, d.h. rein weingelb durch Papier, so ist der Saft gut geschieden, im entgegengesezten Falle muß mehr Kalk zugesezt werden. Ist die Scheidung vollständig, so läßt man noch längere Zeit kochen, und bringt den Saft, nachdem das Feuer unter dem Kessel erloschen, der Schleim und Eiweißstoff etwas abgelagert ist, auf einfache, mit grober Leinwand bespannte Seihefässer, läßt den abgelaufenen Saft auf + 20° R. erkalten, filtrirt durch gekörnte Thierkohle und kocht ihn ohne Weiteres in Siedepfannen bis zur Probe, um ihn in Formen bringen zu können.

Diese Methode ist einfach, die Einrichtung der Fabrik weniger kostspielig, als bei allen anderen bis jezt bekannten Methoden; allein für 2000 Thlr. eine Rübenzukerfabrik, excl. Gebäude, um täglich 200 Cntr. Runkelrüben zu verarbeiten, errichten wollen, wie es in Arnoldi's vertraulichen Mittheilungen heißt, ist höchst lächerlich! – Wer eine Fabrik dieser Art anlegen will, prüfe seinen Kredit und Geldbeutel, damit die Reue, wie bei vielen Licenzerwerdern der Zier'schen Methode geschehen, nicht zu spat komme; auch sorge er für einen tüchtigen Siedemeister und einen tüchtigen Bodenmeister, da die Zukersiedekunst nur durch mehrjährige Praxis unter tüchtigen Meistern, nicht aber aus schriftlichen Mittheilungen erlernt werden kann.

Möge die Zier-, Hanewald-, Arnoldi'sche Runkelrübenzuker-Fabricationassociation (mit Schweigger-Seidel zu sprechen) die Veröffentlichung ihres Geheimnisses mir nicht übel deuten; – sie haben ihr Theil dafür reichlich gelöst und können nun der Beendigung der hieraus entstandenen Fehden mit Freuden entgegensehen. (Polyt. Centralblatt, Nr. 43.) q. II. X.

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