Titel: Ueber die Zersezungsproducte des Harzes (Colophons) bei seiner Anwendung zur Leuchtgasbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XXIX./Miszelle 12 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066029_12

Ueber die Zersezungsproducte des Harzes (Colophons) bei seiner Anwendung zur Leuchtgasbereitung.

Das Leuchtgas wird wo die Steinkohlen gut und wohlfeil sind, am vortheilhaftesten immer aus diesen bereitet; schon vor längerer Zeit hat man aber auch versucht, es durch Destillation anderer organischen Substanzen, die viel Wasserstoff enthalten, zu gewinnen und man benuzte dazu die Pflanzenöhle, welche gewöhnlich in Lampen verbrannt werden, so wie auch einige andere; das aus diesen gewonnene Leuchtgas ließ auch nichts zu wünschen übrig. Die Gasbereitung aus Oehlen wurde jedoch bald wieder aufgegeben, weil die Fabriken, welche sie einführten, wegen des hohen Preises der Oehle die Concurrenz mit denjenigen nicht aushalten konnten, welche Gas aus Steinkohlen destillirten und die gewonnenen Kohks dann wieder verkauften. Anders gestaltete sich aber die Sache, als man darauf verfiel, sich des gemeinen Harzes (Peches) zur Bereitung des Kohlenwasserstoffgases zu bedienen, denn das Harz ist eine Substanz, welche unsere Fichten- und Tannenwälder in reichlicher Menge liefern und die man zu billigen Preisen aus dem nördlichen Europa und Amerika bezieht. Vor den Thoren von Paris sind zwei Harzgasfabriken, eine in Belleville, an deren Spize Hr. Denrée steht, und die andere auf der Chaussée du Maine, von Hrn. Mathieu dirigirt. Beide arbeiten nach ganz verschiedenen Methoden und erhalten daher auch im Verlauf der Operationen verschiedenartige Producte.

Hr. Denrée destillirt zuerst das Harz in einer großen Blase; die so gewonnenen Oehle werden dann zum zweiten Mal der Hize ausgesezt, aber einer viel stärkeren, indem man sie in rothglühende gußeiserne Cylinder, die mit Kohks ausgefüllt sind, laufen läßt; in diesen Cylindern zersezen sie sich in Kohlenwasserstoffgas und einige andere Producte, wovon weiter unten die Rede ist.

Hr. Mathieu hingegen versezt das Harz bloß durch Schmelzen in flüssigen Zustand und läßt es dann sogleich mittelst eines eigenen Mechanismus in einen gußeisernen (Zylinder laufen, welcher mit Kohks angefüllt und kirschrothglühend ist; darin wird es vollkommen zersezt und verwandelt sich in Kohlenwasserstoffgas und Oehldampf, während Kohle im Cylinder zurükbleibt. Das Gas gelangt in den Gasometer, nachdem es zuvor in einem Behälter gewaschen worden ist, worin es eine öhlige Substanz von sehr verwikelter Zusammensezung zurükläßt. (Mathieu's Harzgasapparat ist im polyt. Journ. Bd. LXI. S. 434 beschrieben und abgebildet.)

Von der mit dem Kohlenwasserstoffgas übergehenden öhligen Substanz erhält man 30 bis 40 Theile auf 100 Theile angewandten Harzes. Dieses Oehl nun destillirt Hr. Mathieu in einer großen Blase, welche mit einem Thermometer versehen ist, so daß man die Temperatur ihres Inhalts bestimmen kann. Das erste Product, welches unter der Benennung flüchtiges Oehl (vive essence) in den Handel kommt, fängt bei ungefähr 130° C. an überzugehen und fährt fort überzudestilliren, bis die Temperatur des Apparates 160° erreicht hat; bei 280° geht endlich ein zweites Product über, das der Fabrikant fixes Oehl (huile fixe) nennt, weil es viel weniger flüchtig ist als jenes.

In dem Zeitraum welcher nach dem Uebergang des flüchtigen Oehls bis zu dem des fixen Oehls verstreicht, sublimirt sich eine gewisse Menge Naphthalin. Die lezten Portionen des flüchtigen und die ersten des fixen Oehls sezen beim Erkalten auch etwas Naphthalin ab. Während der Destillation des fixen Oehls steigt die Temperatur bis auf 350° C.; dann geht eine Substanz über, welche sich in den Recipienten festsezt und gelb ist, aber an der Luft schnell schwarz wird; der Fabrikant nennt sie fette Materie, und nachdem sie ganz übergegangen ist, bleibt in der Blase nur noch eine glänzende Kohle zurük.

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1) Von dem flüchtigen Oehle. Es enthält nach Pelletier's Untersuchung zwei neue Kohlenwasserstoff-Verbindungen, die er Resinnaphtha und Resinyl nennt. Die Resinnaphtha ist eine vollkommen farblose Flüssigkeit von etwas stechendem Geschmak, hat 0,86 spec. Gew. und verflüchtigt sich an der Luft gänzlich; sie kocht bei 108° C., gefriert bei – 24° noch nicht und entspricht der Formel C64H32. Das Resinyl ist der Resinnaphtha sehr ähnlich und hat 0,87 spec. Gew. bei 13° C., es kocht aber erst bei 150° C. und entspricht der Formel C36H24.

2) Von dem fixen Oehl. Der Hauptbestandtheil desselben ist ein neuer Doppelt-Kohlenwasserstoff, den Pelletier Resinol nennt und welcher der Formel C64H32 entspricht; außerdem enthält es aber auch noch Resinnaphtha, Resinyl, Kreosot, Naphthalin und eine krystallinische Substanz (Metanaphthalin).

3) Von der fetten Materie. Der Hauptbestandtheil derselben ist eine neue Substanz, welche sich in ihren Eigenschaften vom Naphthalin unterscheidet, aber mit demselben isomer ist; Pelletier nennt sie daher Metanaphthalin. Reines Metanaphthalin ist weiß, krystallinisch, perlmutterglänzend, fettig anzufühlen, geschmaklos und riecht beinahe wie Wachs. (Journal des Débats.)

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