Titel: Pistrucci's Erfindung in der Medaillirkunst.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XLVIII./Miszelle 7 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066048_7

Pistrucci's Erfindung in der Medaillirkunst.

Hr. Pistrucci, erster Medailleur an der königl. Münze in London, hat eine Methode ausfindig gemacht, wonach man sich von einem Model, der nie von einem Graveur berührt wurde, eine Matrize oder einen Bunzen verschaffen kann, mit dem sich Medaillen erzeugen lassen, die dem in Wachs genommenen Abdruke vollkommen ähnlich sind. Da er kein Geheimniß aus seiner Erfindung macht, so geben die Times Folgendes als das Wesentliche derselben an. Wenn man sich aus irgend einer Substanz, wie z.B. aus Wachs, Thon, Holz oder einem anderen entsprechenden Materiale ein Modell verschafft hat, so nimmt man hievon einen Gypsabdruk, den man, wenn er getroknet und geöhlt worden ist, in Sand oder einer anderen ähnlichen Substanz abdrükt, und von dem man sich dann einen Abguß in Eisen verschafft. Dieser Abguß in Eisen muß möglichst dünn seyn, damit die Umrisse sehr scharf werden, und damit das Eisen beinahe die Härte eines gehärteten Stahlmodels bekommt. Dieser eiserne Abguß wird dann auf der Rükseite mathematisch genau abgeebnet, und in einem stählernen Model fixirt, in welchem ein Loch ausgedreht worden ist, welches genau der Größe des Abgusses entspricht, und in welches dieser Abguß gleichsam wie in einen Halsring eingesezt wird. Das Metall, in welches der Abdruk hievon zu geschehen hat, um sich die Medaille selbst, oder wenn man will, eine stählerne Matrize zu verschaffen, wird auf gewöhnliche Weise kegelartig geformt, an der Basis vollkommen abgeebnet, zum Rothglühen erhizt, und in das Lager der Presse eingesezt. Wenn dann der Model in den Laufer oder oberen Theil der Presse eingesezt worden ist, so wird man durch drei oder vier Schläge des in Bereitschaft stehenden Arbeiters einen vollkommenen Abdruk des eisernen Models erhalten, ohne daß für diesen selbst irgend ein Nachtheil daraus erwächst. Der Künstler braucht, bevor er sich der auf solche Weise erzielten Matrize bedienen will, deren Oberfläche nur zu poliren. Der erste von Hrn. Pistrucci angestellte Versuch ward mit einem Bunzen aus hartem Kupfer, auf dem sich eine Medaille von 3 Zoll im Durchmesser befand, vorgenommen, er gelang vollkommen, und der Erfinder zweifelt |234| auch nicht an dem Gelingen des Verfahrens mit stählernen Bunzen; ja vielleicht dürfte es nicht ein Mal nöthig werden diese zu erhizen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß man, wenn dieses Verfahren ein Mal jenen Grad von Vollkommenheit erreicht haben wird, dessen es fähig zu seyn scheint, auf diesem Wege nicht nur die Arbeit von Monaten und Jahren ersparen dürfte; sondern daß man hiedurch Facsimiles aller Kunstwerke der Medailleurs erzielen kann, und zwar weit vollkommnere als mit den neuerlich zu diesem Zweke erfundenen Maschinen. (Mechanics' Magazine, No. 732.)

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