Titel: Weitere Notizen über Jauffret's Düngerbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. LXIX./Miszelle 15 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066069_15
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Weitere Notizen über Jauffret's Düngerbereitung.

Hr. Pierre Jauffret, der patentirte Erfinder einer Düngerbereitung, über die wir im Polyt. Journal Bd. LXIII. S. 220 berichteten, hat über sein Verfahren eine kleine Broschüre herausgegeben, die man sich in Paris, rue Richelieu, No. 95 verschaffen kann. Das Mémorial encyclopédique hebt aus diesem Werkchen unter großen, dem Erfinder gespendeten Lobeserhebungen Folgendes aus. „Um 1000 Pfd. Stroh oder 2000 Pfd. frische holzige vegetabilische Stoffe in 4000 Pfd. Dünger zu verwandeln, braucht man gegen 40 Hectoliter Lauge, und außerdem 200 Pfd. Koth und Urin, 50 Pfd. Ruß, 400 Pfd. Gypspulver, 60 Pfd. ungelöschten Kalk, 20 Pfd. nicht ausgelaugte Holzasche, 1 Pfd. Kochsalz, 10 Unzen Salpeter, und 50 Pfd. Düngerhefen, oder von der bei einer früheren Düngerbereitung als Rükstand gebliebenen Flüssigkeit. Noch merkwürdiger als diese Düngerfabrication ist jedoch die Verwandlung des Erdreiches selbst in Dünger, wobei man für thonigen Boden sandiges, und für sandigen Boden thoniges Erdreich nehmen soll, und zwar in einem solchen Verhältnisse, daß die als Dünger zu verwendende Erde ungefähr den fünften Theil der zu düngenden Erde ausmacht. Stünde kein Erdreich zur Auswahl zu Gebot, so müßte man eben das zu Düngende selbst in Dünger verwandeln. 2000 Pfd. Erde geben 2600 Pfd. Erddünger; doch muß man in diesem Falle die zur Bereitung der Lauge bestimmten Materialien verdoppeln. Man schafft die Lauge in einem Fasse; die trokenen Stoffe in einem anderen Fasse, den Koth und Urin in einem Fasse, und endlich auch die Düngerhefen in einem Fasse an Ort und Stelle, und bereitet die Masse beinahe wie einen Mörtel: d.h. man vermengt zuerst die Hälfte der trokenen Substanzen mit der Lauge, und trägt die andere Hälfte unter Umrühren mit einem eisernen Haken nach und nach ein. Wenn die Mischung beinahe vollendet ist, wirft man den dritten Theil des Aezkalkes und den Salpeter darauf, und formt sie, nachdem sie gut abgearbeitet worden, in Haufen, auf die man Erde wirft, damit sie von dem Regen nicht abgeschwemmt werden. Von diesem Erddünger, der sogleich fertig ist und nicht wie die gewöhnlichen Dünger dieser Art ein Jahr liegen muß, kommen 100 Pfd. auf 30 Cent.; man kann sich jedoch auch einen minder gehaltvollen zu 15 und 20 Cent. bereiten. Er eignet sich ganz besonders für Wiesen, Weinberge, Gemüßgärten, Maulbeerbäume und Aeker. – Es ist ausgemacht, daß dieses System sowohl für große, als auch für kleine Grundeigenthümer von größtem Nuzen ist. Wer z. V. übriges Stroh hat, kann dasselbe alsogleich in Dünger verwandeln, und auf diese Weise, je nach Klima und Boden, selbst noch eine zweite Ernte veranstalten. Wer kein Stroh hat, kann sich in wenigen Tagen mit Haidekraut, Ginster, Torf, Queken und allen anderen Unkräutern Dünger verschaffen; und wem auch diese fehlen, der kann, wie gesagt, die Erde selbst in Dünger verwandeln. Die Gährung läßt sich bis auf 75° R. treiben, und bei dieser wurden die Keime aller Unkräuter und alles Ungeziefers für immer zerstört. Das Vortheilhafte liegt außerdem darin, daß Jedermann den Dünger in dem Augenblike, in welchem er ihn braucht, bereiten, und noch frisch und warm, ohne Verlust, einpflügen kann; daß man sich je nach der Beschaffenheit des Bodens und der zu hauenden Gewächse entsprechende Düngersorten verschaffen kann; und daß viele bisher unbenuzte Gegenstände dazu verwendet werden. – Die Apparate bestehen aus einem Bottiche und zwei Fässern; für größere Besizungen erfand Jauffret jedoch eine Maschine, die in der Hauptsache aus einem mit Messern bewaffneten Rade besteht, welches in einem kreisrunden Bottiche das Stroh und die übrigen Vegetabilien zerschneidet, während durch eine Röhre die Lauge auf sie geleitet wird. – Hr. Jauffret bietet sein Geheimniß, auf welches er ein Patent besizt, und welches man durchaus kennen muß, wenn man nach seinem Verfahren arbeiten will, jedem Landwirthe für eine geringe Summe an. – (Da der Erfinder von seinem Patente abzustehen versprach, wenn die Société royale et centrale d'agriculture in Paris sein System als bewährt erklären würde, so scheint es nach obigen Ankündigungen, daß die von dieser Gesellschaft ernannte Commission entweder ihren Bericht noch nicht erstattet hat, oder daß derselbe ungünstig ausfiel. Es fehlen uns darüber zur Zeit noch die nöthigen Aufschlüsse, da die Verhandlungen der Gesellschaft spät bekannt werden, nur so viel wissen wir, daß Hr. Jauffret in ihr auch seine Gegner gefunden hat. Das Resultat soll nachfolgen.)

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