Titel: Hr. Cailleau's Bericht über die Düngerfabrication nach Jauffret.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. LXXXII./Miszelle 20 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066082_20

Hr. Cailleau's Bericht über die Düngerfabrication nach Jauffret.

Im Journal de l'Academie de l'Industrie findet man den Bericht, den Hr. Cailleau, ehemaliger Maire des Dept. de Seine-et-Oise, der genannten Gesellschaft über die Düngerfabrication nach Jauffret vortrug. Wir entnehmen hieraus für unsere Leser, deren mehrere weitere Aufschlüsse über diesen (zulezt im vorhergehenden Hefte S. 320 besprochenen) Gegenstand verlangten, das Wesentliche. „Hr. Jauffret hat sich, um eine größere Menge von Landwirthen in seinem Verfahren unterrichten zu können, als dieß in seinem Wohnsiz im Dept. des Bouches-du-Rhône bisher möglich war, in der Nähe von Paris |400| niedergelassen, und begann am 13. Dec. 1836 in der Gegend von Neuilly seine Operationen. Er ließ zu diesem Behufe 95 Bund Stroh, welche gegen 9 1/2 Cnt. wogen, zerknittern, und in einem Bottiche in der von ihm bereiteten Lauge durchnehmen. Ebendieß geschah mit 12 Cntrn. Ginster und Heidekraut, welche mit 2 Cntrn. Stroh vermengt worden waren. Das Ganze gab also 23 1/2 Cntr., welche auf einen Haufen geworfen, und mit 1 1/2 Cntr. trokenen Strohes bedekt wurden. Die Gährung begann am zweiten Tage darauf, nämlich am 15. Dec. Am 18. hatte die Temperatur schon 25 bis 30° R. erreicht; am 19. 55 bis 56°; am 20. 65; am 21. 65°. Am 26., also am 13ten Tage nach dem Beginnen der Operation, wo Hr. Jauffret die Gährung unterbrechen zu müssen glaubte, war die Temperatur 44° R. Am 22. Dec., wo die Commission den Haufen untersuchte, war das Stroh schon in vollkommener Zersezung, und der Dünger fett und schmierig. Am 26., wo die Untersuchung in Gegenwart einer großen Gesellschaft vorgenommen wurde, hatte der Haufen einen Meter Höhe, 3 Meter 15 Cent. Länge und einen Meter 80 Cent. Breite. Das Stroh war bis auf einige Knoten in vollkommener Zersezung, und das Heidekraut war nahe daran, obwohl es noch nicht den gewünschten Grad erreicht hatte. Wahrscheinlich lag der Grund hievon in der zu niedrigen Temperatur und in der nicht ganz günstigen Localität, so wie auch in der von Hrn. Jauffret vorgenommenen Unterbrechung der Gährung. Wir fanden nämlich am 9. Jan. 1837 die Gährung, die man wieder auf 56° R. steigen ließ, vollendet, und die ganze Masse in einen fetten, schweren, dem Ansehen nach allen Bedingungen entsprechenden Dünger verwandelt. Die Jauffret'sche Methode erscheint uns demnach an sich als bewährt; was die Wirksamkeit des erzielten Düngers betrifft, so muß diese aber erst durch mehrjährige Erfahrung erprobt werden. Der Erfinder versichert, daß sich die Kraft seines Düngers durch drei Jahrgänge hindurch, d.h. auf drei Ernten äußert. An Wohlfeilheit läßt dieser Dünger auch kaum etwas zu wünschen übrig, wenn es wahr ist, daß man in den ersten 6 Monaten für 3 Fr. und später mit 1 1/2 Fr., die zum Ankaufe der Gährungsstoffe nöthig sind, 10 Cntr. Stroh oder 20 Cntr. andere Kräuter in 40 Cntr. trefflichen Düngers verwandeln kann. Den größten Vortheil gewährt die neue Methode jedoch jenen, die nicht im Stande sind einen so großen Viehstand zu halten, wie sie ihn bedürften, um eine ihrer Wirthschaft entsprechende Quantität Dünger zu erzielen. Ersparnis an Zeit, an Arbeit und an Geld ist das Resultat der Jauffret'schen Methode, wenn die darnach erzielten Producte ihre düngende Kraft bewähren.“ 51)

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Nach öffentlichen Blättern ist Hr. Jauffret am 7. Nov. in Bordeaux gestorben.

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