Titel: Dr. Lardner's Bemerkungen über den auf Eisenbahnen zu überwindenden Widerstand.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. LXXXII./Miszelle 3 (S. 392–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066082_3

Dr. Lardner's Bemerkungen über den auf Eisenbahnen zu überwindenden Widerstand.

In der für Mechanik gebildeten Section der British Association kam bei der dießjährigen Versammlung dieser Gesellschaft in Liverpool eine interessante Abhandlung des bekannten Dr. Lardner über den angedeuteten Gegenstand vor. Der Verf. bemerkte, daß man auf die Hauptpunkte des Widerstandes, den die Locomotivkraft zu überwinden hat, besondere Aufmerksamkeit verwenden soll, und |393| sezte, nachdem er die von Vince, Coulomb und anderen Physikern aufgestellten Principien einer Kritik unterworfen hat, auseinander, wie schwierig es ist, durch directe Versuche mit Dynamometern oder mittelst Messung der Geschwindigkeiten auf schiefen Flächen, zur Wahrheit zu gelangen. Der Dynamometer ist hauptsächlich deßhalb unbrauchbar, weil der Zeiger in Folge der Unebenheiten der Schienen solche Schwankungen macht, daß keine sichere Durchschnittsangabe zu erzielen ist. Ein anderes Hinderniß erwächst daraus, daß man die Inclination der Schienen genau kennen muß, um zu wissen, was auf Rechnung der Gravitation, und was auf jene der Reibung zu sezen ist. Die Veränderung der Inclination fand der Verf. sehr groß, selbst wenn die ihm hierüber gemachten Angaben nicht darauf hindeuteten. Er beobachtete den Dynamometer zuerst auf der einen und dann auf der anderen Seite, und nahm aus beiden Beobachtungen das Mittel. Der Wagon wurde zuerst angehängt und dann losgemacht, um das Mittel zu bekommen; die Resultate blieben aber immer noch unrichtig. Hierauf schlug der Verf. einige Veränderungen an gewissen algebraischen Formeln vor, indem er behauptete, daß sie irrig seyen, weil die Gyration der Räder nicht mit in Betracht gezogen worden sey. Endlich kam er zu seinem eigenen Plane, nach welchem man einen Wagenzug nehmen, ihn mit seiner ganzen Last beladen, und mit geringer Geschwindigkeit, z.B. mit 8 oder 9 engl. Meilen in der Zeitstunde, damit fahren soll, um dann, nachdem man den Druk, welcher in Pfunden auf den Kolben kommt, weniger dem überwundenen Momente und der angenommenen Reibung der Maschine berechnet, die Differenz der Zugkraft (traitile force) zu nehmen, von einem gleichförmigen Druke von 50 Pfd. auf den Zoll des Cylinders als Basis ausgegangen. Hienach ergab sich ihm folgende Formel:

Tonnen. Pfund. Zoll.
Maschine 10,1
Cylinder, Durchmesser 14
Cylinder, Hub 16
Räder, Durchmesser 54
Dampf 50
Munitionswagen 7
50 Wagons 73,3
Netto Last 150
Ganzer Wagenzug 240,4
Aeußerste Kraft auf den Kolben 7696,5
Mittlere Hebellänge der Kurbeln 10,16
Aeußerste Zugkraft 2896,5
Ditto per Tonne 12,66
Widerstand einer Tonne durch Gravitation 3,40
Aeußerste Reibung per Tonne 9,26
Geschäzte Adhäsion 0,128

Der gelehrte Doctor zog aus seinen Resultaten den Schluß, daß man die Reibung gewöhnlich zu hoch annimmt, und daß sie wahrscheinlich weniger als 8 Pfd. per Tonne beträgt. Das Neue an den Berechnungen beruhte hauptsächlich darauf, daß die Gyration der Räder dabei in Anschlag kam. Den Widerstand der Luft hielt der Verf. zu unbedeutend, als daß er ihn berüksichtigt hätte. Hr. Robinson war jedoch durchaus nicht hiemit einverstanden, da dieser Widerstand so groß ist, daß er schon an den astronomischen Pendeluhren eine Differenz von 10 Secunden in einem Tage erzeugt. Hr. Roberts von Manchester bemerkte, daß er sich bei Gelegenheit eines Sturmes auf der Bahn befand, und daß die Wagen durch diesen allein schon bewegt wurden. Einen weiteren Beweis für den Widerstand der Luft gab ihm ein Kreisel, der 37 Minuten lief, der aber, als er ihn lakirte, nur mehr 17 Minuten lang spann. Nach Hrn. Hawkins Bemerkungen kann man sich eben so auch an Schwungrädern von dem nicht so unbedeutenden Widerstande der Luft überzeugen. (Aus dem Athenaeum, No. 518.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: