Titel: Ueber das Anhängen der Eisenbahnwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. LXXXII./Miszelle 4 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066082_4

Ueber das Anhängen der Eisenbahnwagen.

Der größte Zeitverlust bei den Eisenbahnfahrten, schreibt der Courrier belge, ist durch das Anhalten an den Stationen zum Behufe des Losmachens der Wagons und zum Behufe des Aufnehmens von Passagieren bedingt. Während z.B. der |394| Weg von Brüssel nach Antwerpen ohne anzuhalten in 48 Minuten zurükgelegt werden kann, braucht man, wenn an den vier Stationen Halt gemacht wird, ihrer 80. Das Losmachen eines oder mehrerer Wagons im vollen Laufe ist wohl sehr leicht, anders verhält es sich hingegen mit dem Anhängen neuer Wagons. Die Erschütterung, die hiebei entsteht, ist nämlich so heftig, daß selbst die stärksten Ketten reißen würden. Es handelte sich darum, eine Methode ausfindig zu machen, gemäß welcher die Wagons allmählich und progressiv in Bewegung kämen. Eine solche ist auch bereits gefunden, und wie es scheint, einem beim Wallfischfange üblichen Verfahren entlehnt. Vorne an dem Wagon muß nämlich auf einen Spillencylinder ein sehr langes Tau aufgerollt werden, und das Ende dieses Taues muß von dem Wagon-Lenker mittelst einer langen Stange dem auf dem lezten Wagon befindlichen Lenker gereicht werden, damit dieser es einhake. Das Tau wird sich mit großer Geschwindigkeit abrollen, und da der Lenker der neu anzuhängenden Wagons den Zaum der Spille anziehen muß, so wird die Trägheit der anzuhängenden Wagen allmählich überwunden. Die Einrichtung muß so getroffen seyn, daß die Wagons erst mit gänzlicher Abrollung des Taues ihre volle Geschwindigkeit erhalten. Haben sie diese erlangt, so wird das Tau wieder auf die Spille aufgewunden, wodurch beide Wagonszüge einander so angenähert werden, daß sie sich auf die gewöhnliche Weise an einander hängen lassen. Man hat berechnet, daß sich nach diesem Systeme wenigstens der vierte Theil der Zeit und eine ungeheure Menge Kohlen ersparen ließen. Das Mémorial encyclopédique gibt als Verbesserung dieses Verfahrens an, daß man an dem Wagon, der an einer bestimmten Stelle den Zug, dem er angehängt werden soll, erwarten muß, ein langes, auf einen Cylinder aufgewundenes Tau anbringen, und das Ende dieses Taues mit einem Ringe von 3 bis 4 Zoll im Durchmesser, der nach Art der Carousselringe aufzuhängen wäre, ausstatten sollte. An der Seite des lezten Wagens des laufenden Zuges hingegen hätte sich die Lanze oder vielmehr ein gut befestigtes eisernes Horn, welches den Ring ausheben müßte, zu befinden. Alles Uebrige könnte dasselbe bleiben, und bei einer Länge des Taues von ungefähr 100 Fuß wäre seiner Ansicht nach von der Excentricität des Anhängepunktes des Taues wohl kaum etwas zu befürchten.

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