Titel: Ueber Hrn. Letestu's neue Schlösser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 66, Nr. XCV./Miszelle 11 (S. 438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj066/mi066095_11

Ueber Hrn. Letestu's neue Schlösser.

Hr. Letestu in Paris ist der Erfinder eines neuen Schloßsystemes, welches aus einem Zuge oder Baskülenriegel (péne à bascule) und aus einem in dem Schließkloben (gâche) angebrachten Haken besteht. Der Schlüssel trifft, wenn er Dreivierteltour gemacht hat, auf zwei Federn, welche in den Riegel einfallen, und begegnet dann, wenn er diese beiden zugleich emporgehoben, einem massiven Theil, gegen den er sich stemmt, um den Riegel fortzubewegen. Bevor er jedoch zu diesen Federn gelangt, hebt er eine kleine Basküle empor, welche alsogleich wieder zurükfällt, wenn der Schlüssel vorübergegangen ist, so daß dieser also nicht mehr zurük kann. Da man nun diese Basküle aufheben mußte, um die Abdrüke des ersten Theiles zu nehmen, so wird der Schlüssel als Beweis des gemachten Versuches das Schloß zu erbrechen gefangen zurükbleiben. – Die Vorzüge dieses Schlosses sind dem Erfinder gemäß folgende: Es läßt sich nicht mit dem Sperrzeuge eröffnen, es ist einfach, es ist sehr wohlfeil, es kann ohne Einschnitte in die Thüre angebracht werden, es bedarf keiner Reparaturen, ist überall anwendbar, und kann ohne an Kraft zu verlieren auch von sehr kleinen Dimensionen verfertigt werden. Endlich kann man es bei seiner Einfachheit ohne seiner Stärke zu schaden auch ganz aus Kupfer verfertigen, wodurch es auch auf die Marine und überhaupt an allen feuchten Orten anwendbar wird. Hr. Baron Seguier sagte in seinem Berichte über diese Erfindung vor der Akademie in Paris im wesentlichen Folgendes: Der Riegel gelangt nicht durch eine geradlinige, sondern durch eine kreisförmige Bewegung in den Schließkloben; ist er ein Mal abgesperrt, so widersteht er in Folge seines Baues allein der Eröffnung der Thüre sowohl, als auch der Entfernung des Simswerkes. Der Schlüssel bewegt sich, um den Riegel in Bewegung zu sezen, in einer Nuß, welche aus mehreren, auf einander gelegten Scheiben besteht, Federn, welche von den einen dieser Scheiben getragen werden, in die anderen hingegen einfallen, und durch Vorsprünge, welche sich an dem Schlüsselbarte befinden, ausgehoben werden, bilden die Besazungen dieses Schlosses. Die Stüke, aus denen die Nuß zusammengesezt ist, haben äußerlich gleiche Dimensionen aber sehr verschiedene Formen, sie lassen sich auch gegenseitig austauschen, oder von einem Schlosse in ein anderes versezen, so daß also die Veränderung der Eingerichte und auch des Schlüssels sehr leicht geschehen kann, wenn sie aus irgend einem Grunde für nöthig erachtet werden sollte. Kurz das neue Schloß ist einfach, nach einem rationellen Principe gebaut, und da alle seine Theile mechanisch verfertigt werden können, auch fabrikmäßig und wohlfeil erzeugbar. (Mémorial encyclopédique.)

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