Titel: Ueber die Kattundrukereien in England.
Autor: Schlumberger, Heinrich
Scheurer, August
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. XXXVI. (S. 129–146)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/ar067036

XXXVI. Auszug aus einem Berichte, welchen die HH. Heinrich Schlumberger und August Scheurer der Société industrielle in Mülhausen über verschiedene Einrichtungen und Apparate in den englischen Bleichereien und Kattundrukereien erstatteten.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen. No. 51.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Die verschiedenen Industriezweige, welche sich mit der Veredlung der Baumwolle befassen, haben in der neueren Zeit in England einen ungeheuren Aufschwung genommen; dessen ungeachtet fühlt man die Handels- und Geldkrisis gegenwärtig daselbst nicht weniger als bei uns in Frankreich; die Industrieproducte sind um 30–40 Procent gefallen; das gewalzte oder geschmiedete Eisen, welches vor |130| Kurzem noch so gesucht war, fiel um 50 Proc., und die Eisenhämmer haben deßhalb ihre Arbeiten einstweilen eingestellt. Wir trafen in der That keine einzige Fabrik, welche nicht mehr oder weniger stille stand oder doch ihre Production sehr beschrankt hätte.6)

Bei uns (in Frankreich) kommen die Rohstoffe viel theurer zu stehen als in England und dennoch müssen wir mit diesem Handelscoloß die Concurrenz aushalten. Wenn dieses jedoch mit dauerndem Erfolge möglich bleiben soll, so darf unsere Industrie in Zukunft nicht mehr durch das Monopol der französischen Häfen und durch die hohen Zölle auf die Rohstoffe gedrükt werden, besonders aber auch nicht mehr durch den falschen Handel, die sogenannte Spekulation, welche nichts als ein Mißbrauch der Capitalien ist, der die Geschäfte in Unordnung bringt, indem er die Production künstlich steigert und die Consumtion durch erhöhte Preise beschrankt, so daß früher oder später immer wieder ähnliche Krisen wie die gegenwärtige entstehen müssen, wovon er uns zu erlösen doch weder die Macht noch den Willen hat.

Wenn wir einzig in Folge der höheren Zölle auf die Rohstoffe und unserer nachtheiligen geographischen Lage etwas theurer als die Engländer fabriciren müßten, so könnten wir diese Differenz doch noch durch einen wichtigen Zweig unserer Baumwollindustrie ausgleichen; wir meinen nämlich durch unsere schönen ächtfarbigen Musseline etc., welche die Engländer noch nicht in derselben Vollendung darzustellen vermögen, und die in London so geschäzt sind, daß man für ein französisches Musselinkleid daselbst einige Schilling mehr bezahlt als für ein englisches Fabricat. Der englische Kattundruker sieht noch immer mit Bewunderung auf unser Elsaß; er läßt sich bei der Wahl seiner Muster und Artikel durch die unserigen leiten. Wenn wir aber auch durch unsere schöneren und geschmakvolleren Muster den Vorzug vor den Engländern haben, so sind wir doch hinsichtlich der mechanischen Einrichtung unserer Fabriken leider sehr im Nachtheil gegen sie.

Wenn man die Preiscourante der englischen Maschinenfabriken mit den französischen vergleicht, so bemerkt man besonders einen großen Unterschied bei den Dampfmaschinen, welche in England in diesem Augenblike wegen des schlechten Geschäftsganges und des niedrigen Eisenpreises um 50 Proc. wohlfeiler sind als bei uns; so kostet z.B. eine Expansionsmaschine von 25 Pferdekräften mit zwei Kesseln in Glasgow 17,500 Fr. Dabei wird garantirt, daß stündlich |131| per Pferdekraft nicht über 2 1/2 Kilogr. der besten Steinkohle zum Betrieb derselben erforderlich sind, wobei allerdings zu berüksichtigen ist, daß wir die Pferdekraft etwas höher als die Engländer anschlagen.

Für englische Maschinen muß man in Frankreich 15 Proc. Eingangszoll bezahlen; dazu kommt noch, daß die englischen Geseze nur die Ausfuhr solcher Maschinen erlauben, welche allgemein verbreitet sind; so darf z.B. keine Spinnmaschine ausgeführt werden. Der Zwek hiebei ist kein anderer, als die Verbreitung neuer Maschinen in Ländern, welche mit England concurriren, zu erschweren.

Die Farbwaaren und chemischen Producte kommen in England ebenfalls wohlfeiler zu stehen als bei uns; der Unterschied beträgt bei lezteren im Durchschnitt wenigstens ein Drittel. Bei den aus dem Auslande kommenden Farbwaaren haben die Fabriken in Manchester wie in Glasgow den Vortheil, daß sie nicht weit vom Meere entfernt sind und noch dazu durch die in allen Richtungen verbreiteten Canäle bedeutend an Transportkosten ersparen.

Die Lebensfrage der Manufacturen ist immer das Brennmaterial; die Engländer bezahlen aber für ihre vortrefflichen Steinkohlen nur ein Fünftel des Preises, wofür wir sie in Mülhausen erhalten. In den Gegenden, wo sich die englische Industrie hauptsächlich gruppirt hat, trifft man außer beträchtlichen Steinkohlenbergwerken gewöhnlich auch große Eisenwerke. Das Brennmaterial wird von den Gruben auf Eisenbahnen in die benachbarten Etablissements geführt, welche so den Centner (112 Pfd.) zu 4 Pence (12 kr.) bekommen.

Ungeachtet des niedrigen Preises des Brennmaterials benuzt aber der Engländer die Wasserkraft dennoch, wo sie ihm zu Gebot steht. Da das Land sehr gebirgig ist, so gibt es viele Gefälle, welche durch zwekmäßig angelegte Reservoirs gleichförmiger als bei uns gespeist werden. Die Wasserräder werden gewöhnlich aus Eisen verfertigt und so angebracht, daß durchaus kein Wasser verloren geht. Wir sahen z.B. eine Spinnerei bei Bolton mit einem Wasserrad von 300 Pferdekräften, welches 63 Fuß im Durchmesser hatte und äußerst kühn gebaut war.

Der englische Fabrikant ist auch fortwährend bemüht, eine größere Mannigfaltigkeit von Geweben aus Baumwolle zu erzeugen und diese, besonders durch Nachahmung der Wollenstoffe, bei der ärmeren Classe immer mehr in Aufnahme zu bringen.

Die Handarbeit ist in England offenbar theurer als bei uns, und in dieser Hinsicht haben wir also einen Vortheil; in Schottland ist zwar die Handarbeit nicht viel theurer als bei uns, aber dort wie in England zeigt der Coalitionsgeist der Arbeiter eine Hartnäkigkeit |132| und Entschiedenheit, wovon man bei uns glüklicherweise kein Beispiel hat. Als wir Glasgow besuchten, waren alle Spinnereien daselbst geschlossen und den Arbeitern seit drei Monaten durch ihren Verein das Spinnen verboten! Es war ihnen nämlich eine Lohnerhöhung, die sie im vorhergehenden Jahre erhalten hatten, von den Fabrikanten entzogen worden; sie verweigerten deßhalb alle Arbeit und wurden während ihrer Unthätigkeit von dem Vereine der Spinner in Manchester unterstüzt. Die meisten von ihnen zogen sogar vor, Schottland zu verlassen und in England zu arbeiten, als sich dem neuen, von den Fabrikanten festgesezten Tarif zu unterwerfen. während dieser ganzen Zeit mußten nun die Spinnereibesizer ihre Dampfmaschinen wöchentlich zwei Mal heizen lassen, um die Spinnstühle in gutem Zustande zu erhalten.

Der Verein der englischen Druker wollte nie die Verwendung von Weibern bei diesem Geschäfte gestatten, und verlangte überdieß immer von den Lehrlingen einen bedeutenden Beitrag in die gemeinschaftliche Casse; dieß veranläßte einige Fabrikanten in Schottland alle ihre Druker fortzuschiken und durch Weiber und Lehrlinge zu ersezen. Die Lehrzeit ist auf sieben Jahre festgesezt, während welcher der Lehrling nur auf die Hälfte des Lohnes eines ausgelernten Arbeiters Anspruch hat. In Schottland druken gegenwärtig Weiber alle Einpaßfarben und verdienen dabei ein Drittel von dem Lohne eines gelernten Drukers.

Die Engländer erschweren uns hauptsächlich durch ihre billigen Kattune die Concurrenz beim überseeischen Absaz; ihre Gewebe sind meistens schmal und leicht, und mehrere Farben darauf werden auch immer (und zwar falsch) auf der Maschine gedrukt. Ein 5/8 breites Stük von 28 Yards (21 franz. Ellen) kostete im Monat Julius vorigen Jahres 7 Schilling (8 Fr. 75 Cent.), so daß also von geringer Waare die franz. Elle nur auf 42 Cent. zu stehen kam. Von schönen 3/4 breiten Kattunen kostete die franz. Elle 7 Pence oder 70 Cent.

Die Kattundrukereien in Ronen haben von jeher dasselbe Princip wie die Engländer gehabt, nämlich den Consumenten wohlfeile, dabei aber natürlich geringere Waare zu liefern, und verdanken diesem Grundsaze die große Ausdehnung, welche ihre Industrie nach und nach erlangt hat; es kam ihnen dabei auch noch die Nähe von Paris und ihre geringe Entfernung vom Landungspunkte des Rohstoffes zu Statten.

Bei dieser Gelegenheit wollen wir bemerken, daß man gegenwärtig in Ronen und überhaupt in der Normandie fast in allen Fabriken anstatt des Handdrukes die Perrotine anwendet, |133| indem der hohe Druklohn geringe Artikel zu sehr vertheuern würde. Für Fabriken, welche mehrfarbige Walzendrukmaschinen besizen, ist die Perrotine jedoch weniger wichtig. Das Stechen einer Form für die Perrotine kommt beiläufig drei Mal so hoch wie für den Handdruk; aber diese Formen nuzen sich auch nicht so schnell ab wie beim Handdruke, und brauchen nur selten erneuert zu werden. Bisweilen verfertigt man die Formen für die Perrotine auch aus Schriftmetall,7)

Hr. Perrot versicherte uns, daß er seit zwei Jahren über 60 Drukmaschinen abgesezt hat; gegenwärtig verkauft er eine Maschine für drei Farben mit mechanischem Streicher zu 5000 Fr. Er baut in diesem Augenblike die erste Maschine für vier Farben, welche nach England bestimmt ist, und mit den Streichern auf 8000 Fr. zu stehen kommt.

Wir wollen jezt einige in den englischen Kattundrukereien gebräuchliche mechanische Vorrichtungen, die theils neu, theils wenig bekannt sind, kurz beschreiben.

Walzendrukmaschine. Ein Fabrikant aus der Gegend von Manchester ließ sich sowohl in England als in Frankreich ein Patent auf eine Walzendrukmaschine ertheilen, bei welcher das (bekanntlich sehr kostspielige) wollene Druktuch entbehrlich ist. Wir brauchen diese Maschine nicht näher zu erläutern, da sie bereits im Polytechn. Journal (Bd. LX. S. 273) beschrieben worden ist. Bis jezt hat jedoch noch keine Kattundrukerei diese Neuerung angenommen, und alle Fabrikanten stimmen überein, daß sie keinen Vortheil darbietet.

In mehreren Fabriken sucht man dadurch an Walzendruktüchern zu ersparen, daß man sie sehr kurz anwendet, aber während des Drukens immer einen rohen Baumwollzeug über ihnen mitlaufen läßt, der dann nach zwei- bis dreimaligem Gebrauche gebleicht wird. Der rohe Zeug geht von der kupfernen Walze aus über Trommeln, welche mit Dampf geheizt werden, und rollt sich dann auf einer Walze auf, um zum zweiten Mal gebraucht werden zu können.

Sieb zum gleichzeitigen Aufdruken mehrerer Farben. Dieses Sieb wird in einigen Kattundrukereien benuzt, um mehrere Farben gleichzeitig auf schwarzen, dunkelbraunen etc. Böden einzudruken. Dabei muß jedoch das Muster von der Art seyn, daß die verschiedenen Farben einander nicht zu nahe kommen, und die Eindrukfarben müssen auch natürlich über den Grund fallen können, ohne ihn zu zeichnen oder ihm zu schaden. Jedes Muster erfordert |134| ein besonderes Sieb, so daß dieses Verfahren nur dann wirklich vortheilhaft ist, wenn sehr viele Stüke auf dasselbe Muster gedrukt werden sollen.

Die Farben, welche das Sieb E, Fig. 1, speisen müssen, befinden sich neben demselben in Gehäusen A, welche mit dem Siebe in Verbindung stehen. Die Farbe in den Gehäusen A darf nicht höher stehen als das Siebtuch, und muß so gut als möglich auf gleicher Höhe mit demselben erhalten werden.

Die Farben laufen von den Gehäusen oder Behältern A aus durch bleierne Röhren B in Fächer C, die sich gerade unter dem Siebe E befinden, in welches sie dann durch eben so viele senkrechte Röhren D gelangen, als gleichfarbige Stellen in dem Muster sind.

Dieses Sieb ist aus Blei angefertigt, so daß alle Stellen E, welche Farbe erhalten müssen, durch Ränder, auf welche man den Siebzeug auflegt, von einander getrennt sind. Damit sich die verschiedenen Farben auf dem Zeuge nicht mit einander vermischen können, nagelt man kleine Bleibleche über alle Conturen der hohlen Räume und verkittet diese Conturen unter und über dem Zeuge. Nachdem das Sieb so hergerichtet ist, gießt man in die Gehäuse A die verschiedenen Farben, welche natürlich so dünn seyn müssen, daß sie durch die Röhren laufen und durch den Siebzeug dringen können; lezterer muß ebendeßwegen auch aus einem sehr dünnen Gewebe bestehen.

Um dieses Druksieb bedeutend zu vereinfachen, dürfte man nur alle unteren Abtheilungen weglassen und sie durch Kautschukröhren B, Fig. 2, ersezen, welche von den Farbbehältern A ausgehen und sich so geradezu in das Sieb E begeben könnten. Da man diese Röhren nach Belieben biegen könnte, so ließen sie sich leicht jedwedem Muster anpassen.

Das Sieb wird bisweilen auch aus Holz anstatt aus Blei verfertigt; es ist dann weniger kostspielig und leichter anzufertigen, aber auch nicht so dauerhaft.

Mechanischer Streicher für den Handdruk. Dieser kleine Apparat, welcher das Streichen der Farben beim Handdruke ersezen muß, wird nur in einer einzigen Fabrik in Manchester benuzt und auch dort ist seine Anwendung noch sehr beschränkt.

Das Sieb oder der Trog besteht bei diesem Apparate, Fig. 3, aus einem kleinen Kasten A von Eisenblech, welcher 12 Zoll breit, 18 Zoll lang und 2 Zoll tief ist; er wird mit Gummiwasser oder unbrauchbaren alten Farben gefüllt und mit Wachsleinwand luftdicht überzogen. Man stellt diesen kleinen Trog auf vier eiserne Stüzen B von beiläufig einem Fuß Höhe. An den beiden Enden des Siebes und in gleicher Höhe damit befinden sich Rollen oder Walzen C |135| und D, über welche das endlose Tuch des Siebes E lauft; von diesen begibt es sich unter den Apparat mittelst zweier anderen Rollen F und G, die am unteren Theile der Stüzen B befestigt sind. Unter der unteren Rolle F befindet sich ein kleiner Behälter H, welcher die Farbe enthält, und mit einer kleinen Speisungswalze J versehen ist.

Von einer umlaufenden Trommel her geht nun ein Laufband über die Rolle F, die sich über der Speisungswalze J befindet, und dreht so das Siebtuch E, welches sich mit Farbe beschikt, indem es zwischen diesen zwei Walzen hindurchgeht.

Zwischen der unteren Walze oder Rolle F und der oberen Rolle C befindet sich ein eiserner oder messingener Streicher K, der alle überflüssige Farbe von dem Tuche wegzunehmen hat; dieses gelangt dann mit Farbe beschikt wieder auf den oberen Theil des Apparates, wo der Druker seine Form auf gewöhnliche Art aufsezt.

Dieser Streichapparat, welcher an und für sich und wegen der erforderlichen Triebkraft schon ziemlich kostspielig ist, hat den Nachtheil, daß man viel Siebtuch braucht, daß die Farbe der Luft eine große Oberfläche darbietet und daß er weder für zarte Muster noch für alle Verdikungsmittel anwendbar ist. Auch darf man nicht vergessen, daß der Druker seinen Streichknaben beim Auflegen des zu drukenden Zeuges auf den Druktisch und beim Zurükziehen davon oft wohl brauchen kann.

Glanzpapier für die Druker. Bekanntlich braucht man in allen Drukereien und besonders beim Druken der Shawls sehr viel Papier. In England benuzt man jezt statt des gewöhnlichen Papiers ein Glanzpapier, welches sich beinahe zwei Monate lang verwenden läßt, während das gewöhnliche Papier im Verlauf eines Tages unbrauchbar wird. Es wird folgender Maßen bereitet: man löst in

1 Liter gekochten Leinöhls

2 Loth gelbes Wachs und

2 Loth gepulverten Bleizuker auf.

Nachdem dieses Gemenge bis zur Auflösung des Wachses erhizt worden ist, breitet man den Firniß mit einer Bürste auf beiden Seiten des Papieres aus. Hierauf hängt man dasselbe acht Tage lang an einem luftigen Orte auf, um es zu troknen.

In einigen Fabriken benuzt man anstatt Papier auch Wachsleinwand; diese kann aber wegen ihrer Dike zarten Drukformen leicht nachtheilig werden.

Bleichen. Die Engländer bleichen in der Regel mit weniger Operationen und wir weniger Sorgfalt als wir ihre Stüke rein weiß, |136| so daß sie im Krapp nicht mehr einfärben; der Grund davon ist, daß die englischen Zeuge gewöhnlich leichter und auf mechanischen Stühlen erzeugt sind, daß der Weber wenig oder gar kein Fett anwendet, endlich daß das Bleichen meistens kurze Zeit nach dem Weben vorgenommen wird.

Wir haben mit Vergnügen bemerkt, daß man schon in mehreren Fabriken zum Laugen kohlensaures Natron anstatt des äzenden anwendet, nachdem man den Stüken zuvor eine Kalklauge gegeben hat.

In mehreren Fabriken hat man die Harzseife (Colophoniumseife) beim Bleichprocesse sehr vortheilhaft befunden, in anderen wurde sie als unnüz aufgegeben.

Wir hatten auf unserer Reise auch Gelegenheit eine der größten Bleichanstalten bei Elberfeld zu besuchen. Die Eigenthümer versicherten uns, daß sie bisher kein reines Weiß zu erzielen im Stande waren, weil sie lauter schwere schlesische Zeuge bleichen, die immer einige Monate liegen bleiben, ehe man sie ihnen überschikt, und welche man auf Handstühlen mit Anwendung vielen Fettes webt. Seit einigen Monaten aber benuzten sie das im Mülhauser Bulletin Nr. 48 (Polyt. Journal Bd. LXIV. S. 448) empfohlene Bleichverfahren und erhielten seitdem ein vollkommenes Weiß. Dieses Verfahren besteht bekanntlich darin, die Stüke mit Kalk auszukochen, zu säuern und hierauf mit kohlensaurem Natron anstatt mit äzendem zu laugen.

Ein Fabrikant in Manchester hat ein Patent auf ein neues Bleichverfahren genommen, wobei die Stüke nicht aus den Kufen kommen. Es ist beinahe dasselbe wie das kürzlich ohne Erfolg in einer Bleicherei in Mülhausen versuchte. Das englische Verfahren besteht darin, die rohen Stüke in eine große steinerne Kufe zu bringen, welche man genau verschließt und durch die man dann mittelst Pumpen alle Flüssigkeiten, nämlich die Lauge, das Wasser, die Chlorkalklösung, die Säuren etc. hindurchtreibt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß man nach diesem Verfahren ein reines Weiß für Krappartikel zu erzeugen im Stande ist, weil den Zeugen dabei keine mechanische Reinigung zu Theil wird; für Zeuge, die bloß zum Appretiren weiß gemacht werden und denen daher nicht alle fettigen Theile entzogen zu werden brauchen, ist dieses Verfahren aber vielleicht ausreichend.8)

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Das bedeutendste Bleichetablissement in England ist das der HH. Thom. Ridgway in Hornvide bei Bolton. Dieses Haus bleicht und appretirt täglich 6000 Stüke, welche größten Theils nach Brasilien ausgeführt werden. Die Triebkraft liefern vier Dampfmaschinen und der tägliche Verbrauch an Steinkohlen beträgt 60 Tonnen oder 66000 Kilogr. Es besizt 42 Cylinder zum Appretiren. Die Laugkufen sind aus Gußeisen angefertigt und werden mit Dampf erhizt; sie stehen alle in einem Halbkreise herum, in dessen Mitte sich ein großer Krahn befindet, womit immer die ganze Masse der in einer Laugkufe enthaltenen Stüke nebst dem eisernen Boden herausgehoben und auf einen Karren niedergesenkt wird, der sie dann zu den Waschrädern bringt.

Zur Behandlung mit Chlor dient ein Apparat, welcher die Chlorkalklösung beständig übergießt; der Chlorkalk, welcher die Stüke durchdrungen hat, sammelt sich in einem unter der Kufe befindlichen Behälter und wird von dort mittelst einer Pumpe wieder in einen über der Kufe befindlichen Kasten hinaufgetrieben, aus welchem er sich durch ein Sieb in Gestalt eines Regens übergießt. Diese Kufen enthalten gewöhnlich 600 Stüke.

Die Stüke, welche nach den Bleichoperationen durch die Auspreßmaschine passirt sind, hissen sich durch einen Mechanismus in den oberen Theil der Trokenstube hinauf. Die auf Walzen aufgerollten Stüke rollen sich durch einen sehr sinnreichen Mechanismus ab und hängen sich von selbst auf den Latten auf. In dem Maaße als die Latten behängt sind, schreitet die Maschine auf einer Eisenbahn vor und sezt so ihren Lauf nach der ganzen Länge der Trokenstube fort. Da die Maschine die ganze Breite des Gebäudes hat, so rollt sie eine dieser entsprechenden Walzenreihe auf Einmal ab.

Zum Sengen der Zeuge benuzt man in England gewöhnlich Halbcylinder aus Gußeisen von einem halben Zoll Dike, welche zum Rothglühen erhizt werden; in einigen Fabriken hat man dieselben durch kupferne Halbcylinder von drei Viertelslinien Dike ersezt. Leztere können drei Monate lang gebraucht werden, erstere aber muß man alle Wochen erneuern. Bei Anwendung eines kupfernen Cylinders kann man 1500 Stüke mit einer Tonne Steinkohlen sengen, bei Anwendung eines eisernen aber nur 500 bis 600 Stüke mit der gleichen Quantität Steinkohlen.

Waschräder. In allen englischen Fabriken benuzt man zum Reinigen der Stüke die bekannten Waschräder. In der Normandie hingegen wendet man hiezu fast überall zwei über einander liegende hölzerne Walzen an, die bisweilen cannelirt sind, bisweilen aber |138| auch glatt; durch einen solchen Apparat kann man täglich 120 Stüke passiren, die aber freilich nur schwach gereinigt werden.

Auspreßmaschinen. Diese Maschinen trifft man in allen englischen Fabriken. Eine der hölzernen Walzen läßt sich sehr vortheilhaft dabei durch eine Walze aus Baumwollzeug ersezen. Leztere Walzen werden eben so verfertigt, wie die Papierwalzen; man legt nämlich eine große Anzahl Scheiben von Baumwollzeug auf einander und schraubt sie zwischen zwei gußeisernen Platten stark zusammen. Eine Auspreßmaschine mit einer solchen Baumwollwalze dauert viel länger, als wenn beide Walzen wie bei uns aus Holz verfertigt sind.

Färbekufen. In den meisten größeren englischen Fabriken bestehen die Färbekufen aus Gußeisen von geringer Dike. Man hat von diesen metallenen Kufen keinen nachtheiligen Einfluß verspürt. Ihre Scheiben sezt man in einigen Fabriken mit Zahnrädern anstatt mit Laufbändern in Bewegung.

In einigen Färbereien bemerkten wir über jeder Farbekufe einen hölzernen Schornstein, dessen unterer Theil die ganze Kufe überdekte und sie so verschloß, daß nur durch das über die Deke hinausreichende Schornsteinende Dampf entweichen konnte. Diese Einrichtung gewahrt den Vortheil, daß sich keine Dämpfe im Färbehause verbreiten können, was besonders bei kalter Witterung, wo sie sich zu einem Nebel verdichten, sehr unangenehm ist.

Trokenstuben. In England baut man allgemein die Trokenstuben sehr niedrig, wenig breit, hingegen lang; sie brauchen daher auch nur ein sehr schwaches und bei weitem nicht so kostspieliges Gerüst wie unsere großen, 60 bis 70 Fuß hohen Trokenhäuser. Man hängt die Stüke gewöhnlich an Häkchen unter den Latten auf; der Arbeiter sieht dabei auf einer Art Wagen von der Breite der Trokenstube, der auf einer Schienenbahn nach Belieben vorwärts und zurük gezogen werden kann.

Wir sahen in der Kattunfabrik des Hrn. Walter Crum bei Glasgow eine Art zu troknen, wobei an Zeit und Brennmaterial erspart werden muß. Die Trokenstube unterscheidet sich von den unserigen bloß dadurch, daß man der heißen Luft und dem Dampfe durchaus keinen Austritt gestattet, sondern das Zimmer während des Troknens der Stüke luftdicht geschlossen hält; man versicherte uns, daß man auf diese Art die 200 Stüke, welche die Stube faßt, in drei Stunden troknen kann, während dazu fünf Stunden erforderlich sind, wenn man wie gewöhnlich der Hize einen Ausweg gestattet; sonach würden bei diesem Verfahren zwei Fünftel an Zeit und Brennmaterial erspart. Hr. Crum ging bei seiner Methode von dem |139| Grundsaze aus, daß wenn man den Strom heißer Luft, welchen wir in unsere Hangen leiten (und der uns einen beträchtlichen Verlust an Wärme verursacht, indem nicht alle heiße Luft Zeit hat sich ganz mit Feuchtigkeit zu sättigen) durch eine höhere Temperatur ersezt, die Zeuge eben so vollständig, in kürzerer Zeit und mit geringerem Wärmeverluste sich troknen lassen müssen.

Bisweilen sieht man in England auch Trokenstuben über den Dampfkesseln angebracht, um die von diesen abgegebene Hize zu benuzen. Uebrigens haben sie dann keine Verbindung mit dem Plaze, wo sich der Heizer aushält, damit Staub und Rauch nicht in sie dringen können.

Oft erhizt man die Trokenstuben durch Dampf, und zwar mittelst gußeiserner Röhren von 6 Zoll Durchmesser, deren eine so große Menge auf dem Boden der Trokenstube angebracht ist, daß sie denselben fast ganz bedeken. Diese Heizmethode wäre bei uns offenbar viel zu kostspielig und würde ohne Zweifel keine Ersparniß an Brennmaterial gewähren.

In fast allen englischen Kattunfabriken (wie auch in der Normandie) trifft man kupferne Cylinder, die mit Dampf geheizt werden, zum Troknen der Zeuge. Gewöhnlich sind diese Cylinder so lang, daß zwei oder drei Stüke neben einander darüber streichen können. Oft bestehen diese Apparate bloß aus einer einzigen Reihe von sechs Cylindern, oft aber auch aus zwei solchen Reihen, die sich über einander befinden und in lezterem Falle passiren die beiden Seiten des Zeuges abwechselnd über die Cylinder. Man hat auch solche Cylinder aus Weißblech anstatt aus Kupfer verfertigt, und sie conservirten sich während eines 25jährigen Gebrauches sehr gut.

Trokenstuben für grundirte Zeuge. Da bereits die in der Normandie gebräuchlichen Trokenstuben mit Walzen und auch der in England gewöhnlich benuzte Hotflue im Bulletin (Polyt. Journal Bd. LVI. S. 92) beschrieben und abgebildet wurden, so haben wir nicht nöthig uns über diese Einrichtungen näher zu erklären und wir bemerken bloß, daß wir weder neuere noch bessere zu sehen bekamen.

Feuerröste. Man empfiehlt dazu eiserne Stangen, welche in ihrer ganzen Dike durchlöckert worden sind. Die Luft, welche durch die Löcher zieht, kühlt den Rost beständig ab und verhindert so das Verbrennen desselben.

Mechanische Heizer. Die bekannten Apparate, wodurch der Rost mechanisch mit Brennmaterial gespeist wird, verbreiten sich in England immer mehr. Einige Fabrikanten behaupten dadurch 20 Proc. an Brennmaterial zu ersparen. Wenn man einen solchen Apparat anwendet, ist der Rost immer schwach beschikt und das |140| Feuer gleichförmig; auch kann ein einziger Arbeiter dann sechs Feuer bedienen. Die Roststangen müssen aber einander sehr nahe liegen, damit von den kleineren Steinkohlenstüken nicht zu viele hindurchfallen können.

Indessen ist dieser Apparat immer weit vortheilhafter für Spinnereien als für die Dampfkessel der Färbereien, weil man bei lezteren die Dampferzeugung nicht gleichförmig betreiben kann, sondern bald beschleunigen, bald vermindern muß. Ein solcher mechanischer Heizer kostet in Manchester 28 Pfd. Sterl.

Dampfkessel. Wo mehrere Dampfkessel neben einander stehen, pflegt man sie in England durch eine Röhre zu verbinden, damit, wenn in einem derselben in Folge eines Fehlers des Schwimmers, der Wasserstand zu tief sinkt, er sich durch die Verbindungsröhre mit dem Wasser der anderen Kessel speisen kann.

Apparate zum Filtriren des Wassers. Die Verfahrungsarten beim Filtriren des Wassers mußten besonders unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und wir wollen daher die verschiedenen Filtrirapparate, welche wir zu sehen Gelegenheit hatten, genau beschreiben.

Auf folgende Art wird das Seinewasser an der Pont-Marie in Paris zum Gebrauch der Haushaltungen filtrirt. Das Wasser wird zuerst von der Seine in vier große Kufen A (Fig. 4) gepumpt; diese bestehen aus Eichenholz, sind 15 Fuß hoch und haben 8 bis 9 Fuß im Durchmesser. In ihnen läßt man das Wasser einige Stunden ruhig stehen, damit sich die größten Unreinigkeiten daraus absezen. Dann wird es durch sechs Pumpen B, welche in die Kufen A bis auf einen Fuß von ihrem Boden einmünden, gehoben. Die Pumpenkörper B sind in zwei ovalen Behältern C befestigt, von denen der eine über dem anderen angebracht ist; der obere gießt nämlich das Wasser in den unteren in Form eines Wasserfalles über. Von diesen Behältern C tritt das Wasser in hölzerne Canäle D, welche 9 Zoll hoch und eben so breit sind. Diese Canäle D sind mit Röhren E versehen, wodurch das Wasser in Filtrirkästen G ausläuft. Das Wasser sezt auf seinem Wege durch die Canäle D noch einen Theil seiner Unreinigkeiten ab; man stekt daher vor die Austrittsöffnungen Schwämme F, um dieselben zurükzuhalten. Die Filtrirkästen G sind gerade unter den Röhren E angebracht und jeder erhält sein Wasser in drei Strahlen.

Die Kästen G enthalten ein Gemenge von feinem Sand, Kies und Holzkohle. Den Sand erhält man durch Zermalmen des Pariser Pflastersteins. Den Kies nimmt man in nußgroßen und die Holzkohle in erbsengroßen Stüken. Von diesem Gemenge kommt |141| eine 12 bis 15 Zoll dike Schichte in die Kästen und darüber noch eine Schichte Kies. Das Wasser, welches diese Masse durchdrungen hat, läuft am unteren Theile der Filter vollkommen klar ab und begibt sich durch Röhren H in große Kufen oder Behälter J, aus welchen es zum Gebrauch abgezapft wird.

Den Sand, den Kies und die Kohle erneuert man alle Tage. Die großen Kufen A, wo das Wasser seine Unreinigkeiten absezt, und die Canäle D werden jeden Abend gut gereinigt, so wie auch die oben erwähnten Schwämme F.

Die während eines Tages benuzte filtrirende Masse wird den anderen Tag ausgewaschen. Man bringt sie zu diesem Ende auf ein Eisendrahtsieb, das an einem Hebel hängt und in einen mit Wasser gefüllten Bottich getaucht wird. Der Arbeiter ertheilt dem Sieb eine Bewegung, so daß aller Sand und der Unrath durch das Sieb gehen; der Kies und die Kohle bleiben also hievon gereinigt darauf zurük; da die Kohle leichter ist, so begibt sie sich an die Oberfläche und kann also leicht weggenommen werden.

Der durch das Sieb gegangene feine Sand wird durch Decantiren ausgewaschen, indem man ihn mehrmals mit gewöhnlichem und zulezt noch mit filtrirtem Wasser anrührt. Den so gereinigten Sand und Kies benuzt man wieder zum Filtriren, die Kohle aber müßte hiezu vorher ausgeglüht werden; man zieht es in diesem Etablissement vor, sie zu troknen und als Brennmaterial zu verkaufen.

Seit einigen Monaten hat man am Hôtel Dieu in Paris ein anderes Filtrirsystem eingeführt, welches einfacher als das obige ist.

Dieses Verfahren besteht darin, das Wasser, nachdem es seine gröbsten Unreinigkeiten bereits abgesezt hat, in einen Behälter A (Fig. 5) zu pumpen, der 40 Fuß über dem Filter angebracht ist; das Wasser muß daher unter einem starken Druk die filtrirende Masse durchdringen. Der Behälter ist durch eine Röhre B mit dem Filter in Verbindung gebracht und lezteres besteht aus einem sehr starken, mit eisernen Reifen gebundenen Faß C, welches durch vier durchlöcherte doppelte Böden in fünf Fächer abgetheilt ist.

Die untere Abtheilung D ist leer. Die zweite Abtheilung E ist mit filtrirender Masse von einem Fuß Dike gefüllt und zwar auf folgende Art: die untere Schichte besteht aus kleinem Kies, hierauf kommt eine Schichte feinen Sandes, nach dieser eine Schichte groben Sandes und endlich zuoberst eine Schichte von demselben Kies wie in der ersten Schichte. Die dritte Abtheilung F ist leer. Die vierte G ist mit denselben filtrirenden Substanzen gefüllt wie die zweite E, aber in umgekehrter Ordnung. Die lezte oder fünfte Abtheilung H ist leer.

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Jede leere Abtheilung ist mit zwei Hähnen versehen, wovon der eine zum Einlassen des Wassers bestimmte mit der Röhre des Behälters communicirt, der andere aber zum Abziehen des filtrirten Wassers dient.

Um den Apparat in Gang zu sezen öffnet man die Hähne J und L, damit das Wasser von dem Behälter in die leeren Abtheilungen D und H gelangt, in welche es mit Gewalt eintritt, um dann die zwei filtrirenden Abtheilungen E und G zu durchstreichen, die eine von Unten nach Oben und die andere von Oben nach Unten. Aus diesen zwei Filtern begibt sich das Wasser in die mittlere leere Abtheilung F, deren Hahn N man öffnet, damit das filtrirte Wasser austreten kann.

Jeden Abend wird die filtrirende Masse ausgewaschen, indem man mittelst derselben Wassersäule das Wasser in umgekehrter Richtung durch den Apparat treibt; man läßt nämlich das Auswaschwasser bei K durch die leere Abtheilung F eintreten und zwingt es so, durch die Hähne M und O der unteren und oberen Abtheilung wieder auszutreten. Zum Auswaschen nimmt man übrigens filtrirtes Wasser. Durch diese Operation werden alle Unreinigkeiten, welche sich über der filtrirenden Masse abgelagert hatten, aus dem Filter herausgezogen.

Dieser Apparat ist seit einigen Monaten in Gang und bisher wurde die auf angegebene Weise vorgenommene Reinigung desselben genügend befunden, wir vermuthen aber daß dieses in einiger Zeit nicht mehr der Fall seyn dürfte (?), sondern daß der Sand dann erneuert werden muß, was nicht anders möglich ist, als indem man das ganze Faß auseinander nimmt. Hr. Arago hat kürzlich der Akademie der Wissenschaften einen sehr günstigen Bericht über diesen Filtrirapparat erstattet.

Während unseres Aufenthalts in Paris nahm Hr. Lanet ein Patent auf ein neues Filter, welches nach ihm dem vorher beschriebenen vorzuziehen ist, weil es mehr Wasser liefert und besonders weil es leichter zu reinigen ist. Das Eigentümliche dieses Apparates besteht darin, daß man das Wasser mit einer großen Oberfläche auf das Filter ein- und mit einer kleinen davon austreten läßt. Mit 2 Filtern von 3 1/2 Fuß Höhe und 32 Zoll Durchmesser erhält man beständig einen Zoll vollkommen gereinigtes Wasser oder 2000 Hectoliter täglich. Eine nähere Beschreibung dieses Apparates müssen wir nach dem Wunsche des Hrn. Lanet jezt noch unterlassen.9)

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Diese drei Filtrirmethoden eignen sich zwar um reines Wasser für die Haushaltungen zu gewinnen; sie sind aber zu complicirt und zu kostspielig, um in den Kattundrukereien angenommen zu werden.

Wir wollen jezt das Verfahren beschreiben, wie man in England und Schottland das Fabrikwasser filtrirt. Da die meisten Fabriken nur wenig und oft trübes Wasser, bisweilen sogar nur unreines Brunnenwasser zu ihrer Disposition haben, so sind sie genöthigt dasselbe vor der Anwendung zu filtriren. Wir kennen Fabriken, welche sich ihr Wasser durch Leitungen aus einer Entfernung von mehreren Kilometern verschaffen müssen. Von den zahlreichen Filtern, welche wir untersucht haben, wollen wir nur zwei beschreiben, welche uns die zwekmäßigsten zu seyn scheinen.

Das erste Filter (Fig. 6) wird folgendermaßen hergestellt: man gräbt in der Erde ein 5 Fuß tiefes Reservoir von 40 bis 60 Quadratfuß aus. Da das Land sehr bergig ist, so wählt man gewöhnlich zu diesen Filtern eine sehr hohe Stelle, damit sich das filtrirte Wasser in den Ateliers durch seinen natürlichen Fall vertheilt. Im entgegengesezten Falle aber errichtet man dieses Reservoir in gleicher Höhe mit dem Boden aus einer Mauer A von 12 bis 15 Zoll Dike und gibt derselben äußerlich durch eine Böschung von Erde B eine größere Festigkeit. Innerlich kleidet man die Mauer mit einer 4 bis 5 Zoll diken Thonschichte C aus, damit kein Wasser verloren gehen kann und endlich richtet man zu größerer Haltbarkeit gegen diesen Thon noch eine innere Böschung I) aus gewöhnlicher Erde.

Auf dem Boden des Reservoirs errichtet man mit zwei übereinander liegenden Baksteinen 10 bis 12 Zoll breite Canäle, welche mit Baksteinen zugedekt werden. Zwischen diesen Baksteinen läßt man enge Räume offen, damit das Wasser, nachdem es die filtrirende Schichte durchzogen hat, sich in den von diesen Canälen gebildeten leeren Raum begeben kann. Von einer Stelle zur anderen befestigt man auf diesen Canälen gußeiserne oder hölzerne Röhren F von 6 Zoll Oeffnung, welche über das Niveau des Wassers hinaufreichen und so der Luft einen Ausweg gestatten, wenn man das Reservoir mit Wasser füllt.

An einer Seite des Reservoirs bringt man einen steinernen oder hölzernen Kasten G von beiläufig zwei Quadratfuß Fläche und von der Höhe des Reservoirs an. Dieser Kasten communicirt an seinem unteren Theile mit den Canälen worin sich das filtrirte Wasser sammelt. Von diesem Kasten geht dann die Leitungsröhre H aus, welche das filtrirte Wasser in die Ateliers führt.

Nachdem die Canäle fertig sind bringt man auf den Boden des |144| Reservoirs eine 12 bis 14 Zoll hohe Schichte 6 bis 8 Zoll großer Steine, hierauf eine 6 Zoll hohe Schichte Kies, auf diesen eine zwei Zoll dike Schichte groben Sand und endlich noch eine 14 Zoll dike Schichte feinen Sand.

Man läßt nun auf dieses Filter das Wasser laufen, welches, indem es die filtrirende Masse durchstreicht, die in ihm schwebenden Unreinigkeiten absezt. Es ist unnüz sich einen Behälter für das filtrirte Wasser anzuschaffen, weil es in dem Maaße als man es braucht, in die Ateliers herabläuft, selbst wenn man davon sehr viel verbraucht.

Um das Filter in gutem Zustande zu erhalten, braucht man es nur monatlich ein Mal auslaufen zu lassen und mit einem Streichholz beiläufig einen halben Zoll von der verunreinigten Sandschichte zu beseitigen, weil diese sonst das fernere Einsikern des Wassers erschweren würde. Wenn dieser Sand in Kufen mit Wasser ausgewaschen worden ist, kann man ihn wieder anwenden. Jedes Jahr muß die obere Schichte feinen Sandes ganz erneuert werden. Die unteren Schichten von Kies und Steinen bleiben immer.

Wir haben in Manchester eine sehr große Färberei gesehen, welche bloß über Brunnenwasser und ein wenig Quellwasser verfügen kann. Jenes enthält viel Kalk und dieses ist eisenhaltig. Diese beiden Wasser werden zu gleichen Theilen in eine Röhre gepumpt; darin vermischen sie sich und laufen dann in einen großen Behälter wo sie durch gegenseitige Zersezung das Eisen und einen Theil des Kalks absezen; erst von diesem Behälter aus läuft das Wasser dann in ein Filter um geläutert zu werden.

Wenn man nur ein trübes oder mit Pflanzenstoffen verunreinigtes Wasser zu Gebot hat, thut man gut dasselbe in einem besonderen Reservoir sich abklären zu lassen, ehe man es auf die Filter gelangen läßt.

Das zweite Filter, welches wir beschreiben wollen, ist noch einfacher als das erste. Es beruht auf dem Princip, daß man dem Wasser nur eine große Oberfläche der es reinigenden Masse darzubieten suchen muß, und daß die Dike dieser Masse eher ein Hinderniß als von Vortheil ist.

Um dieses in Fig. 7 abgebildete Filter herzustellen errichtet man zuerst ein Reservoir wie für das vorhergehende und dann auf dem Boden desselben Canäle aus gewöhnlichen Bausteinen, aber ohne darauf Luftröhren anzubringen. Alsdann gibt man eine 12 bis 18 Zoll dike Schichte Steinkohlenrükstände hinein, und zwar die gröberen Theile unten hin, die feinsten aber zuoberst. Das Wasser läuft von Oben in das Filter hinein und begibt sich dann wie im vorhergehenden |145| Falle aus den am Boden befindlichen Canälen in einen Kasten, an welchem eine Auslaufröhre angebracht ist, die es in die Ateliers leitet.

Während der ersten Tage läßt man das Wasser weglaufen, theils um die Steinkohlenrükstände gut auszuwaschen, theils damit sich eine Schichte Saz bilden kann, die dik genug ist, um die Unreinigkeiten aufzuhalten. Dieses Filter kann ein ganzes Jahr lang functioniren, ohne daß es gereinigt zu werden braucht; wenn das Filtriren nicht mehr gut von Statten geht, läßt man das Filter auslaufen, und nimmt den Unrath, welcher sich darüber absezte, hinweg; es ist dann wieder so gut wie anfangs.

Wiedergewinnung des Indigos aus dem Saz der Blauküpen. In der Kattundrukerei des Hrn. Walter Crum bei Glasgow wird viel Indigo zum Dunkelblaufärben verbraucht und man erhält Massen von Saz, der sehr viel Indigo enthält und woraus man den Farbstoff zum Ansezen neuer Küpen auszieht. Der Saz wird nämlich in großen Kufen mit ein wenig gelöschtem Kalk und Eisenvitriol versezt. Man füllt dann mit kaltem Wasser auf und rührt die ganze Masse gut um, worauf man sie bis zum anderen Tage sich absezen läßt, um alsdann die klare Flüssigkeit abzuziehen und durch weithinlaufende und breite Rinnen in eine Kufe auslaufen zu lassen; auf diesem Wege kommt die Flüssigkeit mit der Luft in vielfache Berührung, daher sich schon in den Rinnen viel Indigo niederschlägt; er sammelt sich endlich in bedeutender Quantität auf dem Boden der Kufe an.

Diese Operation wird mit demselben Saz 4 bis 5 Wochen lang wiederholt, indem man immer nach zweimaligem Aussüßen oder alle zwei Tage ein wenig Eisenvitriol und Kalk zusezt, um den Indigo stets desoxydirt und löslich zu erhalten. Nachdem der Saz auf diese Art dreißig Mal ausgewaschen worden ist, gibt er endlich keinen Farbstoff an das Waschwasser mehr ab und wurde in diesem Zustande früher als erschöpft weggeworfen. Erst seit Kurzem hat man beobachtet, daß obgleich diese erschöpften Rükstände an das Wasser nichts mehr abgeben, sie doch noch viel Indigo zurükhalten und der Beweis dafür ist, daß ein in diesen Rükstand getauchter Baumwollzeug sich blau färbt. Selbst der durch Baumwollzeug erschöpfte Saz enthält aber doch auch noch Indigo und man braucht ihn nur einige Tage mit einer geringen Menge einer desoxydirenden Substanz stehen zu lassen, um neuerdings eben so gut wie das erste Mal darin färben zu können.

Benuzung des Holzgeistes (Holzessiggeistes). Diese Flüssigkeit, wovon der Gallon 8 1/2 Schilling kostet, wird gegenwärtig in |146| England statt des (hochbesteuerten) Alkohols sowohl zum Brennen in Lampen als zum Auflösen des Farbstoffs der Alkannawurzel benuzt. Der Holzgeist wird bei der Calcination des holzsauren Natrons gewonnen.

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Die Verfasser haben die Manufacturstädte Englands im Monat Julius 1837 bereist.

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Ueber die neuesten Verbesserungen der Perrotine vergleiche man Polyt. Journal Bd. LXII. S. 157. A. d. R.

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Die Verfasser meinen hiemit ohne Zweifel Bridson's Patent-Bleichverfahren; dasselbe ist auch hauptsächlich nur für Leinewand berechnet, welche appretirt werden soll, man vergleiche Polyt. Journal Bd. LXIII. S. 178. A. d. R.

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Dieser Filtrirapparat scheint in der Hauptsache mit dem von Jaminet, worüber wir kürzlich im Polyt. Journal (Bd. LXVI. S. 424) einen Bericht mittheilten, ganz übereinzustimmen. A. d. R.

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