Titel: Drouault's Spannvorrichtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LI. (S. 183–185)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/ar067051

LI. Ueber die zum Spannen der Wandtaue und Pardunen dienende Vorrichtung der HH. Brüder Drouault in Nantes, und über deren Kettentaue.

Aus dem Musée industriel. Vol. II. S. 376.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Der Apparat zum Spannen der Wandtaue, Pardunen und Mastkorbtaue, auf welchen die in der Ueberschrift Genannten ein Patent besizen, zeichnet sich nach der bereits auf mehreren Kriegs- und Handelsschiffen damit gemachten Erfahrungen sowohl durch Leichtigkeit in der Handhabung, als auch durch Dauerhaftigkeit und Wohlfeilheit der Unterhaltung in solchem Maaße aus, daß er vor dem bisherigen Systeme den Vorzug verdient.

Die Vorrichtung besteht in einem Zapfenbande mit Dille, welche beide aus einem Stüke geschmiedet sind. Die beiden Schenkel des Zapfenbandes sind durch einen Bolzen, womit der Apparat an der Kette des Wandtaues befestigt wird, verbunden. An dem oberen Theile des Zapfenbandes befindet sich ein Querstük, welches in den Seitentheilen fixirt ist, so zwar, daß zwischen ihm und dem oberen Theile des Zapfenbandes Raum zur Aufnahme einer Schraubenmutter aus Bronze bleibt. Diese im Inneren ausgeschraubte Schraubenmutter ist auch nach Außen mit einem Schraubengewinde versehen, so daß sie als Tangente den fünften Theil des Umfanges einer endlosen Schraube, welche an zwei innen an das Zapfenband genieteten Wangen fixirt ist, aufnehmen kann. An der Spindel der endlosen Schraube ist eine Kurbel angebracht. Endlich geht durch die Dille des Zapfenbandes, die Schraubenmutter, und das mit einer Dille versehene Querstük, eine Schraube mit Gewinden von 14 Millim., welche sich oben in einen Ring mit einer Rolle, um die das Wandtau läuft, endigt, während an ihrem unteren Ende ein Querstük oder ein Führer befestigt ist.

Die in Fig. 11 gegebene Abbildung des Apparates macht alle weitere Beschreibung überflüssig. Was seine Handhabung betrifft, so ist sie eben so einfach als leicht; denn, je nachdem man die Kurbel, nach der einen oder nach der anderen Richtung dreht, wird der stehende Theil des Tauwerkes gespannt oder nachgelassen werden. Nimmt man die Kurbel ab, so bleibt die Vorrichtung unbeweglich, |184| und es bedarf durchaus keiner Bindung oder Befestigung, um sie gegen die Einflüsse des Schaukelns und Schlingerns des Schiffes zu schüzen. Man kann das Ganze, um es gegen die Oxydation zu verwahren, mit einer Hülle umgeben, durch die nur die Kurbel hinausragt; auch trägt es sehr zur Conservirung bei, wenn man die Schraube und Schraubenmutter mit einem Pinsel mit einer Mischung bestreicht, welche man sich durch Erhizung von Talg und Oehl bereitet.

Was die Dimensionen der Theile der hier beschriebenen Vorrichtung betrifft, so sind sie für Fahrzeuge von 250 bis zu 300 Tonnen ungefähr nach folgendem Maaßstabe zu wählen. Die aus runden Eisenstäben bestehenden Seitenstüke des sogenannten Rahmens sollen 46 bis 47 Centimeter Länge auf 13 bis 20 Millimeter im Durchmesser haben; von gleicher Länge, den Ring und die Rolle nicht mitgerechnet, soll auch die große Schraube seyn, welche 30 Millimeter im Durchmesser und einen Spielraum oder eine Bahn von beiläufig 35 Centimetern haben muß. Die Entfernung der beiden Seitenstüke von einander soll 6 Centim. betragen, und die übrigen Theile des Apparates sollen von entsprechender Stärke seyn. Der Arm der Kurbel soll bei einer Länge von 22 Centim. so angebracht seyn, daß er beinahe die Außenseite des einen der Seitenstüke berührt. Da die Ketten der Wandtaue auf den französischen Handelsschiffen gewöhnlich 25 bis 26 Millim. Eisendike haben, und bei dieser Stärke stets hinreichend widerstehen, so ist anzunehmen, daß die angegebene Dike der großen Schraube, auf die die größte Gewalt trifft, alle Gefahr des Brechens beseitigt. Vergleicht man den theoretischen Nuzeffect des neuen mit jenem älterer Systeme, so wird das Resultat ganz zu Gunsten des ersteren ausfallen. Ist z.B. die auf die Kurbel angewendete Kraft 25 Kilogr., so wird der mit den Verzahnungen erzielte Nuzeffect 900 Kilogr. seyn, woraus ein Verhältniß von 1 zu 36 abzuleiten ist; während der Nuzeffect sich mit der endlosen Schraube zu 3024 Kilogr. berechnet, woraus sich ein Verhältniß von 1 zu 128 ergibt. Der durch die Erhöhung der Kraft erwachsende Verlust an Geschwindigkeit wird beinahe durch den Unterschied ausgeglichen, welcher in Hinsicht auf Zeit zwischen der Erzeugung einer ununterbrochenen rotirenden und jener einer abwechselnden Kreisbewegung besteht. Endlich gewahrt das neue System auch noch den großen Vortheil, daß die Wandtaue eine gleichmäßige Spannung erhalten, was bei keinem der bis auf den heutigen Tag gebräuchlichen älteren Systeme in gleichem Maaße der Fall war. Der neue Apparat ersezt namentlich mit großem Vortheile die sogenannte Jungfer (càp-de-mouton), welche bei großem Zeitverluste und höchst bedeutendem Kostenaufwande weit weniger Sicherheit gewährt.

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Die HH. Drouault verfertigen auch Ankerketten, welche einen ihnen eigenthümlichen Bau haben, und von denen die in Fig. 16 ersichtliche Abbildung einen Begriff gibt. Diese Ketten bestehen nämlich aus Stäken von 15 Klaftern Länge, welche durch Fesseln, wie man sie bei A sieht, zusammengefügt sind. In der Nahe des Ankers selbst wird gewöhnlich ein Drehling B angebracht, damit die Kette, ohne sich zu spannen, umlaufen kann, während der Anker ausgeworfen wird.

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