Titel: Fonvielle's Apparat zum Filtriren des Wassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXII. (S. 218–226)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/ar067062

LXII. Bericht über Fonvielle's Apparat zum Filtriren des Wassers; von Hrn. Arago.

Aus dem Recueil industriel, Novbr. 1837, S. 81.

Die Akademie der Wissenschaften hat die HH. Gay-Lussac, Magendie, Robiquet und mich beauftragt, den Filtrirapparat des Hrn. Heinrich v. Fonvielle zu untersuchen. Das Filtriren des Wassers ist eine Sache von der größten Wichtigkeit, und da die Akademie sowohl von der Regierung als von den Magistraten der größeren Städte und selbst von einzelnen Privaten so häufig über diesen Gegenstand befragt wird, so schien es uns zwekmäßig, das Problem in seiner ganzen Allgemeinheit zu betrachten. Dieß war übrigens auch das beste Mittel, um die neuen Verfahrungsarten, worüber wir uns aussprechen sollten, gehörig zu würdigen.

Die Menschen bedienen sich als Getränk, zur Bereitung der Nahrungsmittel, für die Zweke der Reinigung, endlich zum technischen Gebrauche des Cisternen-, Brunnen-, Quell- und Flußwassers. Diese vier Arten Wasser haben einen gemeinschaftlichen Ursprung, den Regen. Das Regenwasser ist in der Regel so rein, daß man darin nur mit den empfindlichsten chemischen Reagentien einige fremdartige Substanzen entdeken kann. Mit den geeigneten Materialien erbaute Cisternen waren also das beste Mittel, sich vortreffliches Wasser zum Trinken zu verschaffen, wenn der Regen direct in sie fiele, und wenn er nicht den Unrath, Staub, die Insecten etc. mit sich hineinbrächte, welche sich während der trokenen Jahreszeit auf den Terrassen und Dächern, worüber er abläuft, angesammelt haben. In Venedig zeigte sich dieser Uebelstand bei der großen Cisterne des herzoglichen Pallastes in so hohem Grade, daß der Baumeister für nöthig fand, das Regenwasser einer Reinigung zu unterwerfen, ehe es in den großen Behälter gelangt, wo es das Publicum ausschöpft; er ließ es zu diesem Zweke eine breite poröse Schichte durchstreichen, |219| in deren Zwischenräumen sich die fremdartigen, in ihm schwebenden Substanzen zum Theil absezen mußten.

Von den Brunnen gilt beinahe dasselbe wie von den Cisternen; nur werden sie nicht durch große Canäle aus Mauerwerk, Baksteinen oder Metall gespeist; das Regenwasser gelangt in sie so zu sagen tropfenweise durch die Rizen des Bodens, welche gewöhnlich sehr eng sind. In der Regel treffen die Wasserfäden auf diesem langen und schwierigen Wege lösliche Substanzen an, wovon sie also mehr oder weniger aufnehmen. Das Wasser aus den Brunnen ist daher kein eigentliches Regenwasser mehr; es ist zwar eben so klar und durchsichtig, enthält aber fast immer Substanzen aufgelöst, welche nach der geognostischen Beschaffenheit des Landes verschieden sind.

Das so eben Gesagte gilt auch für die Quellen. Ihr Wasser ist ebenfalls Regenwasser, welches, nachdem es eine mehr oder weniger dike Schichte der Erdrinde durchdrungen hat, auf die Oberfläche durch ein Heberspiel zurükgebracht wird, oder mit anderen Worten, durch den Druk ununterbrochener Wasserfaden, die von hohen Stellen ausgehen. Die Natur und Quantität der im Quellwasser aufgelösten fremdartigen Substanzen hängt übrigens auch von der Länge des Weges ab, den es im Inneren der Erde durchlaufen hat und von den Gebirgsarten, welche es dabei antraf. Wenn diese Gebirgsarten von einer gewissen Beschaffenheit sind, wird das Land eine Menge Mineralquellen haben; wenn die Tiefe, bis zu welcher das Wasser hinabgelangt (in senkrechter Richtung) bedeutend ist, so wird es als eine heiße Quelle heraufkommen.

Jeder Fluß führt in das Meer das Wasser einer Hauptquelle nebst dem einer gewissen Anzahl Quellen von geringerer Bedeutung, die sich jenem auf seinem Wege beigesellen. Man sollte hienach glauben, daß das Wasser eines Flusses gleichsam die mittlere chemische Constitution von dem Wasser aller Quellen des in seiner Nähe befindlichen Landes darbieten müßte; man muß jedoch bedenken, daß zur Zeit eines starken Plazregens das Regenwasser nicht ganz in die Erde einsikert, sondern über die Oberfläche des Bodens und besonders der Abhänge in sehr großer Menge und mit Schnelligkeit hinläuft, wobei es nur sehr wenig fremdartige Substanzen auflösen kann, im Verhältnisse zu der Quantität, die es aufgenommen haben würde, wenn es in sehr dünne Faden zertheilt worden wäre, wovon so zu sagen jedes Molekel für sich und lange Zeit mit den auflöslichen Bestandtheilen des Erdreichs in Berührung gekommen wäre. Zu diesem Umstände, der offenbar zur Reinheit des Flußwassers beiträgt, kommt noch, daß der kohlensaure Kalk nur in überschüssiger Kohlensäure auflöslich ist und daß diese überschüssige Kohlensäure entweicht, |220| wenn das Wasser der Luft lange ausgesezt ist, worauf der kohlensaure Kalk sich niederschlägt.

Diese Bemerkungen gelten jedoch nur vom allgemeinen Gesichtspunkte aus; denn man könnte sich, ohne von den bekannten Regeln der Geognosie abzuweichen, wohl ein Terrain vorstellen und auch auffinden, in welchem die Brunnen und Quellen reines, die benachbarten Flüsse hingegen sehr salzhaltiges Wasser geben würden. Wir wollten durch obige Bemerkungen bloß erklären, warum gewöhnlich der umgekehrte Fall Statt findet und z.B. das Wasser der Seine und Garonne bedeutend reiner ist, als das der meisten Quellen und Brunnen derjenigen Gegenden, durch welche diese beiden Flüsse laufen.

Die größere chemische Reinheit des Flußwassers wird übrigens durch den Umstand, daß es in der Regel trübe ist, mehr als aufgewogen: bei jedem Gußregen reißt das Wasser auf seinem schnellen Laufe Erde, Sand, Kies etc. von dem Boden los und führt alle diese Substanzen bis in das Bett der Flüsse mit sich.

Die Menge fremdartiger Substanzen, welche im Flußwasser zur Zeit des Steigens oder der stärksten Trübung suspendirt ist, ist, wie sich erwarten läßt, bei verschiedenen Flüssen sehr verschieden. Bei der Seine beträgt sich bisweilen 1/2000. Wer also täglich drei Liter unfiltrirtes Seinewasser zur Zeit der stärksten Trübung trinken würde, bekäme in seinen Magen anderthalb Gramme erdiger Substanzen. Welchen Einfluß müßte dieses nach längerer Zeit auf die Gesundheit haben? Darüber ist sehr viel gestritten worden, und einige der eifrigsten Vertheidiger des trüben Wassers stüzten sich sogar auf die Beobachtung, daß die Thiere, die Heerden insbesondere, nicht eher anfangen, sich den Durst aus den Pfüzen, die sie auf ihrem Wege antreffen, zu löschen, als nachdem sie den Boden derselben mit den Füßen aufgestoßen haben. Ganz abgesehen von dem Einflusse auf die Gesundheit, ist es aber gewiß sehr unangenehm, schlammiges Wasser trinken zu müssen. Zu jeder Zeit und in allen Ländern wollte man das Trinkwasser klar haben: deßwegen haben die Alten mit großen Kosten tiefe Brunnen gegraben oder Quellen durch herrliche Wasserleitungen aus weiter Entfernung herbeigezogen, selbst wenn große Flüsse oder breite Ströme ihre Städte durchschnitten.

Das Wasser nimmt den Schlamm nur in Folge seiner raschen Bewegung durch das Erdreich auf; wenn es ruhig steht, schlägt er sich daraus nieder und die Flüssigkeit erhält wieder ihre natürliche Klarheit. Leider dauert es aber zu lang, bis man es auf diesem einfachen Wege klar erhält. Aus den sehr interessanten Versuchen, welche Hr. Leupold in Bordeaux angestellt hat, geht hervor, daß das Wasser der Garonne, wenn man es zur Zeit der stärksten Trübung |221| ausschöpft, zehn Tage ganz ruhig stehen bleiben kann, ohne seine natürliche Klarheit vollkommen wieder zu erlangen. Im Anfange schlagen sich zwar die gröbsten Unreinigkeiten sehr schnell nieder, die feinsten aber äußerst langsam.

Die Klärung des Wassers durch Stehenlassen desselben läßt sich daher zum Reinigen des Trinkwassers für große Städte nicht benuzen. Es wären dazu wenigstens acht bis zehn Bassins nöthig, wovon jedes so viel Wasser fassen müßte, als an einem Tage verbraucht wird. Dazu kommt noch, daß das Wasser an gewissen Orten und besonders zu gewissen Jahreszeiten, wenn es ganz stillstehend dem freien Luftzutritte acht bis zehn Tage nach einander ausgesezt ist, einen schlechten Geschmak erhält, entweder weil zahllose Insecten, die aus der Atmosphäre hineinfallen, darin verfaulen, oder in Folge der Vegetationserscheinungen, die auf seiner Oberfläche Statt finden. Indessen kann das Stillstehen des Wassers doch benuzt werden, um es von den schwersten und gröbsten, in ihm suspendirten Materien zu befreien, und nur in dieser Absicht wird es auch in England und Frankreich in großen Behältern gesammelt, worin es zum Absezen stehen bleibt.

Man hat durch Zufall ein Mittel entdekt, wodurch sich die Fällung der erdigen, im Wasser schwebenden Substanzen sehr beschleunigen und fast augenbliklich bewerkstelligen läßt; es besteht darin, gepulverten Alaun hineinzuwerfen. Der grobe Schlamm, welchen die Seine mitführt, sammelt sich, wenn man das Wasser mit Alaun versezt, in lange, dike Streifen, und schlägt sich sehr schnell nieder. Die Theorie dieser Erscheinung verdient von den Chemikern genau erforscht zu werden; so viel ist gewiß, daß dieses nicht mit dem Schlamme aller Flüsse erfolgt. Auch ist die Klärung durch Alaun nicht immer vollständig; gewisse sehr zarte Substanzen entgehen der Einwirkung dieses Salzes, bleiben in der Flüssigkeit schwebend und machen sie noch trüb, wenn alle Streifen verschwunden sind. Da also das Wasser nach dem Alaunen doch noch wie gewöhnlich filtrirt werden muß, so darf man sich nicht wundern, daß der Alaun als Klärungsmittel nicht in Gebrauch kam; auch würde er das filtrirte Wasser merklich vertheuern. Endlich ist die Anwendung desselben auch schon deßwegen zu verwerfen, weil er die chemische Reinheit des Flußwassers verändert, indem er ein Salz in dasselbe einführt, welches vorher nicht darin enthalten war, und wenn dasselbe in gewissen Verhältnissen auch ganz unschädlich ist, so könnten diese doch bisweilen durch Nachlässigkeit der Arbeiter überschritten werden; überhaupt muß man, um das Publicum nicht mißtrauisch zu machen, zum Klären des Wassers nur unwirksame Substanzen, oder |222| wenigstens nur solche anwenden, die an das Wasser nichts abgeben können. Von dieser Art sind: mehr oder weniger großer Kies, mehr oder weniger feiner Sand und Kohlenpulver. Auf die Idee Kies und Sand zum Klären des trüben Wassers zu benuzen, wurden die Menschen ohne Zweifel durch die Betrachtung geführt, daß so viele natürliche Quellen auffallend klar aus sandigem Erdreich kommen; sie ist auch schon sehr alt. Eine Schichte feinen Sandes kann beim Filtriren des Wassers wohl nur auf die Art wirken, daß sie eine Masse krummer Haarröhrchen bildet, durch welche die flüssigen Molekeln passiren können, während die erdigen in lezteren schwebenden Substanzen in Folge ihrer stärkeren Dimensionen darin zurükgehalten werden.

Durch die Versuche von Lowitz, Berthollet, Saussure, Figuier, Bussy, Payen und einiger anderen Chemiker ist es allgemein bekannt, daß die Kohle die Eigenschaft hat die bei der Fäulniß organischer Substanzen entstehenden Materien zu absorbiren; die Rolle, welche die Kohle bei der Fäulniß des Wassers spielt, kann also nicht zweifelhaft seyn.

Was die Theorie betrifft, so ist man mit dem Klären des Wassers fast ganz im Reinen, keineswegs aber in ökonomischer und technischer Hinsicht, besonders wenn es sich darum handelt, die Operationen in sehr großem Maaßstabe vorzunehmen.

Kürzlich wurden in Großbritannien und besonders in Glasgow bedeutende Versuche über das Reinigen des Wassers angestellt, welche Millionen kosteten; sie gelangen aber nicht und mehrere reiche Compagnien wurden dadurch zu Grunde gerichtet. Bei der Ausmittelung technischer Verfahrungsarten sind die Erscheinungen in der Natur gewiß ein trefflicher Wegweiser, aber nur dann, wenn man sich nicht durch unvollkommene Aehnlichkeiten verführen läßt. Dieß war auch der Hauptgrund der in Schottland begangenen Fehler; gewisse Quellen, sagte man sich, laufen gleichförmig, ohne Unterbrechung; seit Jahrhunderten geben sie dieselbe Menge klaren Wassers, warum sollte dieß nicht auch bei einer künstlichen Quelle unter ähnlichen Umständen der Fall seyn? Ist es aber denn auch gewiß, daß diese natürlichen Quellen, wovon man so viel spricht, keine Verminderung erlitten haben? Wer hat sorgfältig und jährlich das von ihnen gelieferte Wasserquantum mit der Menge des gefallenen Regens verglichen? Auch hat bei der künstlichen Quelle – und hierin haben besonders die schottischen Ingenieure bei ihrer Vergleichung gefehlt – die filtrirende Schichte immer eine beschränkte Ausdehnung, während das kaum trübe Wasser der natürlichen Quellen in Sandschichten geklärt wird, die oft ganze Provinzen einnehmen. Im ersten Fall muß |223| also die Verstopfung der filtrirenden Haarröhrchen sehr rasch erfolgen, im zweiten aber langsam und fast unmerklich.

Hieraus geht hervor, daß keine künstliche Filtrirmethode dem Zwek entsprechen kann, wenn man nicht Mittel besizt, die Filter schnell, wohlfeil und sicher zu reinigen. Nur eine der acht großen Wassercompagnien in London, welche ihr Wasser klärt, die Compagnie in Chelsea, hat den Zwek erreicht, indem sie drei ungeheure mit einander communicirende Bassins errichtete; in den beiden ersten sezen sich in der Ruhe die gröbsten Substanzen ab; in der dritten muß das Wasser eine dike Schichte von Sand und Kies durchdringen, worin es sich dann ganz klärt. Nachdem das Wasser aus diesem dritten Bassin ganz abgelaufen ist, ist die filtrirende Sandmasse entblößt; die Arbeiter schaffen dann die obere vom Saz stark verunreinigte Schichte weg und ersezen sie durch neuen Sand.

Ich muß hier eine Bemerkung machen: der geschikte Ingenieur der Compagnie von Chelsea hat gewiß nicht umsonst seiner filtrirenden Masse eine Dike von 6 engl. Fuß gegeben. Die oberen Schichten, nämlich diejenigen, welche die Arbeiter von Zeit zu Zeit erneuern, wirken ohne Zweifel stärker als die anderen; die unteren Schichten sind aber auch nicht ohne Wirkung und müssen sich daher ebenfalls nach und nach verstopfen, so daß das täglich vom Filter gelieferte Wasserquantum abnimmt; es muß folglich auch eine Zeit kommen, wo es nöthig ist, die ganze Masse zu erneuern. Um in diesem Falle nicht aufgehalten zu werden, sollte noch ein viertes Bassin vorhanden seyn, dem dritten ganz gleich (also von einem Acre Oberfläche); dieß hätte aber die Gesammtkosten des Filtrirapparats von 300,000 auf 400,000 Fr. erhöht und es wäre überdies auch die Bedienung desselben, welche jährlich nicht weniger als 25,000 Fr. kostet, vertheuert worden. Da die Compagnie in Chelsea so große Unkosten hat, um täglich 10,000 Kubikmeter Wasser zu filtriren, so darf man sich nicht wundern, daß die anderen Compagnien dem Parlament erklärten, daß wenn man sie verpflichten würde das Wasser der Themse zu filtriren, ihr Verkaufspreis unvermeidlich um 15 Proc. erhöht werden müßte.

Das System, welches der Civilingenieur Robert Thom im Jahre 1828 in Greenock einführte, hat vor dem in Chelsea den Vortheil, daß die ganze Masse des filtrirenden Sandes sich von selbst reinigt. Diese Masse bildet eine Schichte von 5 engl. Fuß Dike. Man kann das Wasser nach Belieben oben oder unten in das Bassin eintreten lassen, welches sowohl unten als oben Sand enthält. Ist das Filtriren z.B. von Oben nach Unten vorgenommen worden, und man bemerkt, daß das Filter sich verstopft (schmierig wird), so |224| läßt man einige Zeit Wasser von Unten eintreten, welches dann im Aufsteigen den Saz mit sich fortreißt und in einen besonderen Entleerungscanal bringt.

In Frankreich wurde bis jezt das Filtriren des Wassers noch nicht in sehr großem Maaßstabe versucht. In einigen Anstalten dieser Art in Paris benuzt man eine große Anzahl kleiner prismatischer Kasten, welche mit Blei ausgefüttert, oben offen sind und unten eine Schichte Kohle zwischen zwei Schichten Sand enthalten. Wenn das Wasser der Seine oder der Marne gerade sehr viel Schlamm enthält, müssen die in diesen verschiedenen Kasten enthaltenen reinigenden Substanzen täglich und selbst zwei Mal des Tages erneuert werden. Von jedem Meter der Oberfläche des Filters erhält man in 24 Stunden beiläufig 3000 Liter geklärtes Wasser. Es gibt aber ein sehr einfaches Mittel von diesen kleinen Kästen eine größere Wassermenge zu erhalten: dasselbe besteht darin, sie hermetisch zu schließen und das Wasser nicht bloß durch sein eigenes Gewicht, sondern mittelst eines starken Druks durch die filtrirende Masse hindurchzutreiben. Dieß ist eine Verbesserung in der Filtrirmethode des Wassers, welche Hr. Heinrich von Fonvielle erdacht und bereits auch ausgeführt hat.

Das Filter des Hrn. v. Fonvielle am Hôtel-Dieu (welches im vorhergehenden Hefte des polytechnischen Journals S. 141 beschrieben und auf Tab. III. Fig. 5 abgebildet ist) hat zwar keinen Meter Oberfläche, liefert aber doch mit dem einer Queksilbersäule von 88 Centimeter entsprechenden Druk (1 1/6 Atmosphäre), täglich wenigstens 50,000 Liter geklärtes Wasser. Es würde noch weit mehr liefern, wenn die Speisungspumpe beständig beschikt wäre; wir haben uns auch durch directe Versuche überzeugt, daß dieses Filter zu gewissen Zeiten in der Minute sogar 95 Liter gab; dieß würde in 24 Stunden 137,000 Liter ausmachen. Wenn man sich aber auch nur an die erste Zahl hält, so leistet es schon 17 Mal mehr als die gegenwärtig in Paris gebräuchlichen Apparate.

Seitdem Hr. v. Fonvielle seine Abhandlung der Akademie übergeben hat und die Resultate am Hôtel-Dieu bekannt wurden, haben mehrere Personen, unter anderen Hr. Ducommun, die Anwendung von Druk zum Filtriren des Wassers als ihre Erfindung reclamirt. Ganz streng genommen lassen sich diese Reklamationen auch vertheidigen, denn bei allen bekannten Filtrirapparaten und besonders denjenigen, wo die Klärung durch eine aufsteigende Bewegung des Wassers bewirkt wird, findet ein Druk Statt und wenn er auch nur einige Centimeter beträgt; aus dem technischen Gesichtspunkt betrachtet ist die Frage aber eine ganz verschiedene; es handelt |225| sich dann darum, ob Jemand vor Hrn. v. Fonvielle das Wasser in luftdicht verschlossenen Gefäßen filtrirt hat, worin nichts von dem Druk verloren gehen kann; ob Jemand vor ihm die filtrirenden Materialien so angeordnet hat, daß ein starker Druk die verschiedenen Schichten nicht umkehrt; ob sich endlich Jemand vor ihm überzeugt hat, daß man auch durch rasches Filtriren ein vollkommen klares Wasser erhalten kann? Dieß ist nicht der Fall. Hr. Duncommun bedient sich am Hôtel-Dieu dreier Kufen, um in 24 Stunden 15 Hectoliter Wasser zu klären, während eine einzige solche Kufe, nach Hrn. v. Fonvielle's Methode abgeändert, in derselben Zeit 900 Hectoliter ganz gereinigtes Wasser anstatt 5 geben würde. Auch ist die Anwendung eines starken Drukes nur in Verbindung mit einem anderen Verfahren ausführbar, dessen Erfindung Hrn. v. F. Niemand streitig macht.

Die Erfahrung hat gelehrt, daß bei sehr trübem Wasser ein Filter von einem Meter Oberfläche wenigstens ein Mal täglich gereinigt werden muß, obgleich es in 24 Stunden nur 3000 Liter Wasser klärt; man sollte daher glauben, daß das Filter des Hrn. v. Fonvielle, welches 17 Mal mehr durchseiht, sich auch 17 Mal mehr verstopfen würde, so daß man es von Stunde zu Stunde reinigen müßte. Dieß ist aber nicht der Fall: sein Filter braucht nicht öfter gereinigt zu werden, als die gewöhnlichen. Diese Thatsache erklärt sich sehr einfach, wenn man bedenkt, daß ein Filter unter einem schwachen Druk gleichsam nur durch seine Oberfläche wirkt und der Schlamm kaum hineindringt, während er sich unter einem beträchtlichen Druk tief in dasselbe hineinziehen kann. Niemand wird läugnen, daß wenn in einer gegebenen Zeit mehr trübes Wasser durch ein Filter hindurchgeht, auch mehr erdige Substanz darin abgesezt werden muß; wenn sich dieselbe aber tiefer in den Sand hinein zerstreut, so kann auch die Durchdringbarkeit des Filters dadurch nicht mehr beeinträchtigt werden; nur muß dann auch die Reinigung viel schwieriger werden, aber gerade in dieser Hinsicht ist das neue Verfahren sehr merkwürdig.

Ich habe schon gesagt, daß man in Greenock, wenn man das Filtriren des Wassers von Oben nach Unten vornimmt, die Sandmasse auf die Art reinigt, daß man in entgegengesezter Richtung, nämlich von Unten nach Oben, eine große Menge Flüssigkeit durch sie passiren läßt. Dieses Verfahren ist ausreichend, wenn die Filter nur sehr nahe an der Oberfläche verstopft sind; die Filter des Hrn. v. Fonvielle erfordern aber kräftigere Mittel: diese fand der Erfinder in der Wirkung zweier entgegengesezter Wasserströme, in den Stößen, heftigen Erschütterungen und dadurch entstehenden Wasserwirbeln. |226| Um das luftdicht verschlossene Filter am Hôtel-Dieu zu reinigen, öffnet der Arbeiter schnell und fast gleichzeitig die Hähne der Röhren, welche den oberen und unteren Theil des Apparates mit dem erhöhten Wasserbehälter oder mit dem Pumpenkörper, der das Speisungswasser enthält, in Communication bringen. Es strömen dann durch das Filter rasch und in entgegengesezten Richtungen zwei starke Wasserströme, welche den Sand so zu sagen abreiben; durch diese Ströme werden aus dem Kies erdige Materien, welche sonst an ihm hängen geblieben wären, sicher herausgerissen.

Auch ist die Filtrirmethode des Hrn. v. Fonvielle durch die Erfahrung bereits hinreichend bewährt; sein Apparat ist seit acht Monaten im Hôtel-Dieu ununterbrochen in Gang und dieselbe Sandschichte, von weniger als einem Meter Oberfläche, wird seitdem ohne Unterbrechung benuzt und brauchte bisher noch nicht erneuert zu werden; während dieser Zeit war aber die Seine schon außerordentlich schlammig und es sind wenigstens 12 Millionen Liter Wasser (12,000 Kubikmeter) durch den Apparat gegangen. Wir waren wegen verschiedener Umstände nicht im Stande, einen Vorschlag des Hrn. v. Fonvielle, wovon er sich ein sehr gutes Resultat verspricht, zu prüfen: derselbe besteht darin, die gegenwärtig gebräuchlichen diken filtrirenden Schichten durch dünne, von einander getrennte Schichten zu ersezen; so viel ist aber gewiß, daß er die Möglichkeit große Massen Wasser mit sehr kleinen Apparaten zu klären, über allen Zweifel erwiesen hat. Die Erfahrung hat auch gezeigt, daß es ganz unnüz ist, zum Filtriren des Seinewassers Kohlenpulver anzuwenden und daß der Sand vollkommen ausreicht, denn die organischen Substanzen sind darin nicht aufgelöst, sondern bloß suspendirt.

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