Titel: Couteur, über einen Pflug zum Ausgraben der Kartoffeln.
Autor: Le Couteur,
Fundstelle: 1838, Band 67, Nr. LXIII. (S. 226–228)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj067/ar067063

LXIII. Ueber einen neuen Pflug zum Ausgraben der Kartoffeln. Von Hrn. Oberst Le Couteur in Belle Vue auf Jersey.

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 748.

Ich beehre mich die Central-Akerbau-Gesellschaft mit einer Erfindung bekannt zu machen, die für den Akerbau von höchstem Nuzen werden dürfte; nämlich mit einem Pflug zum Ausgraben der Kartoffeln, den Hr. John Le Boutillier, ein junger Schmied unserer Insel, ausgedacht hat.

Hr. Le Boutillier baute mir vor zwei Jahren einen leichten einspännigen Pflug zum Kartoffelbaue, der nicht mehr als 58 Pfd. |227| wiegt, und seinem Zweke ausgezeichnet entspricht. Dieser Pflug zieht eine schmale Furche, in welche die Kartoffeln von Weibern und Kindern in beliebiger Tiefe und Entfernung gelegt werden. Bei der Bildung der nächstfolgenden Furche, bei der er die Erde auf 18 Zoll auswirft, dekt er die erste Furche wieder zu. Man erspart demnach mit diesem Pfluge nicht bloß ein Pferd, sondern da früher zur Bebauung einer jeden Furche ein doppelter Gang des Pfluges nöthig war, während der neue Pflug auf einem einzigen Gange dasselbe leistet, so kann der Landwirth in der Hälfte der bisher nöthigen Zeit ein bestimmtes Stük Feld mit Kartoffeln bestellen.

Ich sagte dem hoffnungsvollen Erfinder bei der Ablieferung dieses Pfluges, daß ich mir schmeichle, er würde mir nun auch einen eben so trefflichen Pflug zum Ausgraben der Ernte herstellen: und wirklich brachte er mir auch in kürzerer Zeit als ich erwartet hatte einen solchen.

Ich habe mit diesem Pfluge, dem ich drei Pferde vorspannte, in fünf Stunden einen halben Acre Kartoffel ausgegraben: eine Leistung, mit der man sehr zufrieden seyn wird, wenn man die Neuheit des Werkzeuges bedenkt, und wenn man berüksichtigt, daß die vielen Zuschauer einen nicht so ganz unbedeutenden Aufenthalt verursachten.

Die sogenannte Brust dieses Pfluges ist ganz so wie an dem auf Jersey gewöhnlich gebräuchlichen Pfluge. An seiner inneren Seite befindet sich ein großes Rad, welches mit Zähnen, die beim Umlaufen desselben in den Boden eingreifen, im Grunde der Furche läuft. Dieses Rad treibt ein kleines Sperrrad (catch wheel), und dieses sezt ein noch kleineres Rad in Bewegung. Lezteres treibt eine Achse, an der sich vier kurze Arme mit Schaufeln befinden. Diese Schaufeln laufen, so wie sich der Pflug vorwärts bewegt, mit bedeutender Geschwindigkeit um, erfassen alle Erde, alle Kartoffeln und alles Unkraut, welches unter den Pflug kommt, und schleudern Alles fünf bis sechs Fuß hoch in senkrechter Richtung über den Pflug empor, so daß man das Erdreich, nachdem der Pflug darüber gegangen ist, vollkommen zerkleinert und nivellirt findet. Die Anwendung einer Haue wird ganz überflüssig, und mit Ausnahme des Lenkers des Pfluges sind die Hände aller mit dem Auflesen und Sortiren der Kartoffeln beschäftigt.

Das neue Instrument eignet sich nicht nur zu dem angegebenen Zweke, sondern es dürfte auch auf trokenem festem Boden, der fein zertheilt werden muß, und zum Umbrechen von Brachäkern eine sehr vortheilhafte Anwendung finden. Um Asche, Ruß, Kalk und überhaupt alle Düngerpulver unter die Erde zu mengen, wüßte ich wirklich |228| kein vorzüglicheres Werkzeug. Es besizt als eine neue Erfindung schon einen ziemlich hohen Grad von Vollkommenheit; allein ich zweifle nicht, daß es in den Händen der Mechaniker Englands schnell zahlreiche und wichtige Verbesserungen erlangen wird. Der Erfinder erhielt für dasselbe von der landwirthschaftlichen Gesellschaft der Insel Jersey einen Preis. Die Kosten desselben belaufen sich auf 3 Pfd. 10 Sch., während der zum Kartoffelbau bestimmte Pflug auf 1 Pfd. 10 Sch. zu stehen kommt.

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